Antisemit der Woche: Linksjugend-Sprecherin Martha Wüthrich hält den Gaza-Krieg für einen „fucking Holocaust“
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In Zeiten grassierender Judenfeindlichkeit, die längst auch in Teilen der Politik angekommen ist, wollen wir die schlimmsten Ausfälle sichtbar machen. Dafür verleiht NIUS jeden Freitag die „Goldene Wassermelone“ – einen Negativ-Preis für besonders auffällige Antisemiten. Die Wassermelone steht wegen ihrer Farben für die Palästina-Solidarisierung und damit auch für den Hass auf den jüdischen Staat. Diese Woche heißt unsere Preisträgerin Martha Wüthrich.
Kaum war Martha Chiara Wüthrich, Mitglied des Stadtvorstands der Erfurter Linkspartei, zur Bundessprecherin der Linksjugend Solid gewählt, fiel sie mit einem – mittlerweile gelöschten Video bei TikTok auf, in dem sie sich über den Gaza-Krieg in Rage redete: „Das ist ein Völkermord. Das ist ein Holocaust. Das ist der Holocaust!“.
Den Krieg des jüdischen Staates gegen die terroristische Hamas-Miliz, der nach Angaben der Palästinenser in über zwei Jahren 60.000 Tote gekostet haben soll (inklusive zehntausender Hamas-Terroristen, denn zwischen Zivilisten und Kombattanten wird nicht unterschieden), setzt Wüthrich also mit der von Deutschen geplanten, industriellen Vernichtung von sechs Millionen Menschen gleich. Die Betonung auf „der Holocaust“ legt sogar die Vermutung nahe, dass sie den Gaza-Krieg (der nicht von Israel begonnen wurde) für den eigentlichen Völkermord hält, womit die Schuld Deutschlands mehr als beglichen wäre.
Gegen Wüthrich soll innerhalb der Thüringer Linkspartei bereits ein Ausschlussverfahren laufen. In dem Antrag einzelner Mitglieder sei von „öffentlicher Holocaustrelativierung“ die Rede.

Die Linksjugend hat ein massives Antisemitismusproblem.
Der Fall passt ins Muster
Dieser weitere Vorfall aus den Reihen der Linksjugend lässt tief blicken. Üblicherweise wird Holocaustrelativierung schließlich dem rechtsextremen Lager zugeordnet. Doch arbeitet auch die Linke ständig mit unangemessenen Vergleichen, indem etwa die AfD mit der NSDAP gleichgesetzt wird. Und was Israel-Bashing betrifft, unterscheiden sich die Extremisten von rechts und links in Ton und Inhalt kaum voneinander.
In der Linksjugend Solid ist die junge Frau Wüthrich gut aufgehoben, schließlich sind aus deren Reihen immer wieder besonders schrille Töne zu vernehmen. So bedauerte die Linksjugend Frankfurt in einem Post bei X, dass die israelischen Jugendlichen, die man am Airport in Valencia aus einem Flugzeug verwiesen hatte, nicht während des Fluges rausgeworfen wurden (NIUS berichtete).

Linksjugend Frankfurt: Schade, dass die Juden nicht während des Fluges rausgeworfen wurden.
Erst kürzlich, auf dem 18. Bundeskongress der Linksjugend Solid, war der Antrag „Nie wieder zu einem Völkermord schweigen“ mit einer Mehrheit der Anwesenden von knapp 70 Prozent beschlossen worden: Unter dieser Überschrift behauptet sie eine „Vernichtung des palästinensischen Volkes durch den israelischen Staat“, und weder die Hamas noch ihr Judenhass finden Erwähnung. Der jüdische Staat, in dem auch zwei Millionen – meist muslimische – Araber leben, wird als „koloniales und rassistisches Staatsprojekt“ verunglimpft.
Säuberungsaktionen gegen „Verräter“ und „Zionisten“
Ein Änderungsantrag, in dem Solidarität mit „allen zivilen Opfern“ gefordert wird – „mit den Palästinenser:innen, die unter Bomben, Hunger und Vertreibung leiden, ebenso wie den israelischen Opfern des 7. Oktobers und den Geiseln, die zwei Jahre unter menschenverachtenden Bedingungen verbringen mussten“ – und der „Kampf gegen Antisemitismus“ erwähnt wird, wurde von 64,9 Prozent der anwesenden 188 Mitglieder abgelehnt. Solidarität mit jüdischen Opfern vermag Solid nicht aufzubringen.
Darüber hinaus wurden Delegierte, die sich in der Vergangenheit nicht radikal genug gegen den Staat Israel positioniert hatten, offen angefeindet und auch bedroht. In internen Chatgruppen wird gar zu „Säuberungsaktionen“ aufgerufen. Die Gunst der Stunde müsse genutzt werden, gegen solche „Verräter“ oder „Zionisten“ vorzugehen. „Mitglieder, vor allem aus den ostdeutschen Landesverbänden, die eine eher pro-jüdische Position vertraten und die Vorlage ablehnten“, so berichtete Bild, „wurden teils offen attackiert, beschimpft und bedroht.“
Laut Welt hieß es in einer Drohnachricht „Thüringen nicht schlafen lassen – wir wissen, wo ihre Zimmer sind.“ Bild: „Die sächsische Delegation reiste daraufhin bereits am Samstag ab – aus Sorge um ihre Sicherheit. Die Thüringer wechselten nach Bedrohungen sogar das Hotel – und verließen den Kongress am Sonntag früh ganz.“
Parteiführung unter Druck
Das alles ging auch einigen Linken zu weit. 17 Bundestagsabgeordnete der Partei – darunter Bodo Ramelow, Dietmar Bartsch und Gregor Gysi – schrieben in einem Brief an die Parteispitze und die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, dass in der Partei „etwas ins Rutschen gekommen ist“: „Sowohl der Beschluss in der Sache als auch die Hinweise auf die Einschüchterungen und Drohungen gegenüber Delegierten sind nicht zu akzeptieren.“ Es müssten „deutlich wahrnehmbar klare Grenzen gezogen werden“.

Parteichef Jan van Aken missbilligt den Ton der Linksjugend.
Dass aber nicht nur die Linksjugend, sondern auch ihre Mutterpartei, mag sie auch offiziell eine „Zweistaatenlösung“ fordern, im Nahostkonflikt ziemlich offensichtlich aufseiten der Palästinenser steht, zeigt sich immer wieder. Die Bundesvorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken beklagen jetzt zwar, „eine einseitige Perspektive auf Israel und Palästina bringt niemandem in der Region etwas“, doch fielen sie selbst immer wieder einschlägig auf, ob Schwerdtner einen Palästina-Schal ohne Israel trug oder van Aken das Vorgehen Israels im Gazastreifen „verbrecherisch“ nennt und Benjamin Netanjahu einen „Hungermörder“.
Zudem ruft die Linke immer wieder mit zu Demonstrationen auf, bei denen die Hamas gefeiert und Israel dämonisiert wird. Bei der von der Partei initiierten Großdemonstration „Zusammen für Gaza“ trat auch der Palästinenser Ramsis Kilani auf, Sprecher von „Palästina spricht“ und Mitglied der Neuköllner Linkspartei. Weil er den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 glorifiziert hatte und behauptete, die Hamas besitze „das Recht auf militante Selbstverteidigung mit allen Mitteln“, war er aus der Partei ausgeschlossen worden, was man ja erst einmal schaffen muss. Kilani zweifelte sogar an, israelische Bürger als Zivilisten zu bezeichnen, schließlich habe jeder Israeli irgendwann in seinem Leben in der Armee gedient.
In den kommenden Wochen wird sich herausstellen, ob sich die aggressiven Israelhasser in der Partei durchsetzen oder die halbwegs gemäßigten Stimmen. Auf ihrem Parteitag am 15. November über einen Antrag abstimmen, der Israel einen Genozid in Gaza vorwirft. Ein anderer Antrag fordert die Unterstützung der BDS-Bewegung, die Israel auf allen Ebenen boykottieren und isolieren will. Eine Woche später soll die Bundesschiedskommission darüber entscheiden, ob der Parteiausschluss Kilanis rechtens war.
Und dann muss ja noch geklärt werden, ob Wüthrich in Sachen Gaza-Krieg weiter gegen Israel wüten darf.
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