Ausreisepflichtig seit 2019, ohne Pass, 13 Drogendelikte: Wie sich ein fränkischer Fußballverein gegen die Abschiebung eines Kriminellen stemmte
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Man stelle sich vor, ein nach Deutschland eingewanderter junger Mann wird hier schwer straffällig: Er handelt mit Drogen, verschleiert seine Identität, taucht immer wieder unter – und die deutsche „Zivilgesellschaft“ unternimmt trotzdem alles Erdenkliche, um den deutschen Staat daran zu hindern, geltendes Recht durchzusetzen und den Mann auszuweisen. Was absurd klingt, ist tatsächlich so passiert, nämlich im Landkreis Kulmbach in Franken.
Die Posse um den kurdischen Iraker Farhad S. beginnt dabei vor sechs Tagen, am 18. März. Auf Facebook veröffentlicht der SV Motschenbach, eine Fußball-Amateurmannschaft aus Franken, einen Beitrag, der mit „FASSUNGSLOSIGKEIT BEIM MSV“ überschrieben ist und publik macht, dass der Spieler S. in Abschiebehaft sitze. Der 24-Jährige spreche „gut deutsch“ und sei zuletzt als Vorarbeiter bei einer Firma tätig gewesen, die PV-Anlagen baut. Dort sei ihm „vor gut einem Jahr aus unbekannten Gründen die Arbeitserlaubnis entzogen“ worden. Und weiter: „Bis kommenden Mittwoch besteht die Möglichkeit, ein Umdenken zu bewirken – dafür tun die Verantwortlichen des SV Motschenbach alles Menschenmögliche!“
Forderung: Fairness für Farhad
Der Beitrag wird mehr als 160 Mal geteilt und verbreitet sich über Facebook hinaus. Der erste Vorsitzende des Vereins, Peter Wiesenmüller, schreibt: „Die Petition, die ich im Namen des Vereins verfasst habe, wird mit hoher Priorität dem Innenministerium zugeführt. Dort soll erwirkt werden, dass die Abschiebung verhindert wird. Sollte das gelingen, hoffe ich, dass Farhad eine faire Chance bekommt, um erst eine Duldung, später eine Anerkennung der Aufenthaltsgenehmigung zu erreichen. Von Herzen DANKE an dieser Stelle an die beiden Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig, der seine Kontakte in diesem Fall einsetzt und an Holger Grießhammer, der alle wichtigen Stellen informiert hat und weitere wertvolle Hilfestellung leistet!“

Fassungslosigkeit beim fränkischen Verein.
Jugendstrafe, Drogenbesitz, Betäubungsmittelhandel
Doch der Fall bekommt eine spektakuläre Kehrtwende: genannter Rainer Ludwig, der als Abgeordneter für die Freien Wähler im Bayerischen Landtag sitzt, setzt sich mit der Innenbehörde in Kontakt, wie das Portal inFranken berichtet. Schnell erfährt er: Der Mann sei bereits seit 2019 zur Ausreise verpflichtet gewesen. Seitdem weigerte er sich, mit den Behörden zu kooperieren und bei der Identitätsfeststellung mitzuwirken.
„Konkret heißt das, dass er wahrscheinlich keinen beziehungsweise einen falschen Pass hatte und auch nicht bereit dazu war, sich um die Beschaffung von Ersatzpapieren zu kümmern“, teilte Ludwig dem Portal mit. „Das war im Übrigen auch der Grund, warum ihm vor gut einem Jahr seine Arbeitserlaubnis entzogen wurde.“
Mehr noch: Die Anfrage des Politikers bei der Innenbehörde ergab zudem, dass Farhad S. aufgrund von 13 Fällen des Betäubungsmittelhandels und Drogenbesitzes vorbestraft war und zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt wurde. Durch diese Vorstrafen verwirkte er auch sein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.
Die Hintergründe, die inzwischen ans Licht gekommen sind, haben immerhin den Fußballverein zum Umdenken gebracht. „Der SV Motschenbach stellt seine Aktivitäten im Zusammenhang mit der Abschiebung von Farhad S. mit sofortiger Wirkung ein“, heißt es in einem neuen Beitrag auf Facebook. „Nach gesicherten Erkenntnissen des Innenministeriums hat sich unser Aktiver mehrfach schwerwiegend fehl verhalten und somit sein Bleiberecht in Deutschland selbst verwirkt.“ Über diese Entwicklung sei man „traurig“ und „überrascht“.

SV Motschenbach: Kehrtwende im Engagement für einen Straftäter
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