Ausschreitungen in den Haag und auf dem ganzen Kontinent: Wie der importierte Eritrea-Konflikt unsere Städte unsicherer macht
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Eigentlich war die Gemeinde Den Haag vorbereitet. Laut des Bürgermeisters der Stadt, Jan van Zanen, hatte das eritreische Begegnungszentrum, im Wissen um mögliche Konfliktpotentiale, die Sicherheitsvorkehrungen erhöht: Ein Polizeieinsatz war angemeldet, dreizehn professionelle Securitys und 20 Sicherheitskräfte der Gemeinde waren für den Abend abbestellt. Dennoch eskalierte am Samstag die Lage rund um das Treffen der eritreischen Gemeinde im Opernhauszentrum – und produzierte Bilder, die um die Welt gingen: brennende Autos, jagdähnliche Szenen und Gefechte mit der Polizei, demolierte Schaufenster und eingeschlagene Scheiben. Am Ende des Abends nahmen Polizisten 13 Personen fest, acht Polizeibeamte wurden verletzt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Zusammenstöße von Eritreern auf europäischem Boden in schwersten Ausschreitungen münden. Im vergangenen Juli kam es beim Eritrea-Festival im hessischen Gießen zu Krawallen. Beamte mussten mehr als 50 Platzverweise erteilen und 60 Personen zwischenzeitlich in Gewahrsam nehmen.
Wenig später ähnliche Bilder: in Stockholm, Norwegen, Zürich oder auch Tel Aviv. Wo auch immer regimetreue Eritreer auf regimekritische treffen, so scheint es, eskalierte die Gewalt.
Militärdiktatur im Nordosten Afrikas
Zum Hintergrund:
Das Land im Nordosten Afrika, das an das Rote Meer angrenzt und drei Millionen Einwohner hat, gilt als international isolierte Militärdiktatur. Vor gut 30 Jahren erkämpfte der Staat die eigene Unabhängigkeit und sagte sich von Äthiopien los. Seitdem regiert der Alleinherrscher Isaya Afewerki mit harter Hand: Alle Parteien bis auf seine sind verboten, die Pressefreiheit eingeschränkt, die Gerichte kronloyal, der Wehrdienst verpflichtend. Auch deshalb flohen in den vergangenen Jahren hunderttausende Menschen ins Ausland: vor allem nach Äthiopien und in den Sudan, aber auch in die USA und nach Europa. Mittlerweile leben etwa 25.000 Eritreer in den Niederlanden.
In diesen Ländern treffen die fliehenden Regimekritiker nicht selten auf schon länger ausgewanderte Eritreer, die als obrigkeitstreu gelten, aber in der Diaspora leben. Konflikte in Schweden oder Deutschland entsponnen sich entlang des ethnischen Konflikts aus dem Heimatland. Auch in Den Haag begannen die Ausschreitungen, als Mitglieder der Brigade Nhamedu am Abend die Konfrontation mit der eritreischen Gemeinde suchten. Bei den festgenommenen Verdächtigen handelt es sich um Männer im Alter von 19 bis 36 Jahren.
Die Brigade Nhamedu ist dabei eine relativ neue und vorrangig junge Bewegung, die sich aus Gegnern des diktatorischen Regimes in Asmara rekrutiert und weltweit wächst. Ihr Anführer heißt Henok Tekle. Im vergangenen Sommer sagte er dem Guardian, dass die Gruppierung zu einer „Massenbewegung“ werden wolle. Die Gruppierung schreckt vor Militanz nicht zurück und wirft den bereits in Europa ansässigen Gemeinden vor, die Diktatur zu unterstützen.
Zwischen Verbot von Brigade Nhamedu und Ausweisungen
Dabei sind ethnische Konflikte, die in der europäischen Diaspora eskalieren, freilich kein rein eritreisches Problem: Auch zwischen Türken und Kurden, Azerbaijanern und Armeniern oder Pakistanern und Afghanen kam es zu Auseinandersetzungen in westeuropäischen Staaten. Bei keiner Volksgruppe jedoch enden Aufeinandertreffen in jungen Vergangenheit so regelmäßig in schwerer Gewalt. Bei Gewaltexzessen in Stockholm wurden mehr als 50 Menschen verletzt, in Israel registrierte man sogar 150 Verletzte. Auch in Israel soll die Brigade Nhamedu die Eskalation provoziert haben. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, mit den Ausschreitungen sei „eine rote Linie überschritten“ worden. Netanjahu sprach sich dabei für die Abschiebung von Randalierern aus.
Auch in Europa und den Niederlanden wird der Ton rund um die Gewalt bei Zusammenstößen von Eritreern immer rauer. Der Vorsitzende der niederländischen christdemokratischen Partei NSC, Pieter Omtzigt, sagte, man müsse prüfen, „ob gewalttätige Organisationen wie die Brigade Nhamedu verboten werden können“. Die Partei will außerdem „unverzüglich prüfen, ob eritreische Gewalttäter aus unserem Land abgeschoben werden können“. Die Abgeordnete der Bauer-Bürger-Bewegung, Mona Keijzer, sagt, man müsse sich anschauen, wie die Anhänger des Regimes eine Aufenthaltserlaubnis erhalten haben und diese neu bewerten.
Einen Schritt weiter ging Gerd Wildeers. Der Vorsitzende der Partei für die Freiheit, dessen Partei bei der letzten Wahl zur stärksten Kraft wurde, war unmissverständlich in seiner Analyse: „Abholen und abschieben. Die Niederlande haben es wirklich satt: Warum darf hier die halbe Welt unser Land dem Erdboden gleichmachen, gegenseitige Fehden bekämpfen, Polizisten mit Steinen bewerfen und ihre Autos anzünden?“
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