Autorin Birgit Kelle über Leihmutterschaft: „Frauen werden auf die Funktionalität ihrer Gebärfähigkeit reduziert“
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Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Das Überführen von Kindern aus Leihmutterschaften in Ländern wie der Ukraine oder den USA jedoch nicht. Strafbar machen sich nicht die zukünftigen Eltern des Wunschkindes, sondern diejenigen, die den Handel damit betreibt.
Die Ampel-Regierung möchte nun bis April einen Bericht vorlegen, der evaluiert, inwiefern ein Verbot von Leihmutterschaft noch zeitgemäß ist. Die FDP hatte sich schon im Wahlprogramm von 2021 für die Legalisierung der sogenannte „altruistischen“ Leihmutterschaft ausgesprochen. Das bedeutet, eine Frau trägt aus Nächstenliebe oder Freundschaft ein Kind für jemand anderen aus. Sie erhält nur eine Aufwandsentschädigung statt einer Bezahlung, wie es die kommerzielle Leihmutterschaft vorsieht.
„Das ist Menschenhandel“
Autorin Birgit Kelle hält eine mögliche Legalisierung für fatal. „Das ist Menschenhandel!“, sagt sie im Nachrichten-Talk „Stimmt!“. „In dem Moment, in dem wir anfangen, Kinder zu produzieren, aus Einzelteilen zusammenzustellen und sie anschließend ihrer Mutter zu entreißen, weil jemand anderes dafür bezahlt hat“, würden Kinder wie Ware gehandelt. „Ich finde es erstaunlich, dass wir im 21. Jahrhundert das Thema Menschenhandel noch immer neu diskutieren müssen“, so die Publizistin.

Birgit Kelle bei „Stimmt!“
Für ihr neues Buch „Ich kaufe mir ein Kind“ holte sich Kelle Angebote zu Kindern aus Leihmutterschaft ein. „Von einem Anbieter auf Zypern habe ich ein Angebot für 36.000 Euro bekommen. Das war das günstigste.“ Auf einer Kinderwunsch-Messe in Berlin sei ihr ein Kind für 52.900 Euro angepriesen worden.
Der Markt für den Kauf von Kindern sei in ein Niedrig- und ein Hochpreis-Segment unterteilt. Osteuropa und Lateinamerika stünden den USA gegenüber, wo Frauen weitaus besser bezahlt und unter humaneren Bedingungen die Schwangerschaft durchleben würden. Dennoch hält Kelle die Annahme eines besseren, menschenfreundlichen Marktes für Augenwischerei: „Man kann auf einem globalen Markt einen globalen Handel gar nicht regulieren“.

Das neue Buch von Birgit Kelle.
Körperliche und psychische Schäden für Kind und Leihmutter
Letztlich gehe es nicht nur um die gesundheitlichen Folgeschäden, die viele Frauen nach der Hormontherapie erleiden, die Teil des Prozesses ist, teils zu Unfruchtbarkeit führt, sondern um die Frage, ob „wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der das Gebären eines Kindes als Dienstleistung betrachtet wird“, so Kelle im NIUS-Talk. Die „Reduzierung der Frau auf die Funktionalität ihrer Gebärfähigkeit“ sei ausbeuterisch und eine „neue Form der Prostitution.“ Man wolle nicht die Mutter. „Man will nur ihre Gebärfunktion, danach interessiert sie nicht mehr.“
Auch die psychologischen Schäden, die das Kind womöglich erfährt, da es seine genetische Mutter nicht kennt, dürften nicht unterschätzt werden, findet Kelle. „Was macht das mit ihrer Identitätsfindung?“. Studien zu Adoptivkindern zeigten, wie stark die Suche nach den biologischen Eltern und die Frage der Herkunft deren Leben beeinflussten.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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