Bahn-Vorstand gibt zu: Schienennetz ist gar nicht auf Pünktlichkeit ausgelegt
Wir haben es alle schon immer geahnt, jetzt gibt die Bahn es zu: Die Züge KÖNNEN gar nicht zuverlässig pünktlich sein!
„In Deutschland teilen sich Güter-, Regional- und Fernverkehrszüge ein und dasselbe Schienennetz“, erklärte der für den Personenfernverkehr zuständige Bahn-Vorstand Michael Peterson in der Augsburger Allgemeinen. Dann gibt er zu: „Dieses Konzept ist nicht auf 99 Prozent Pünktlichkeit ausgelegt.“ In Japan ist genau das der Fall: Die Bahn schafft es, in 99 von 100 Fällen pünktlich zu sein.
Die Zahlen der Deutschen Bahn dagegen sehen so aus: 2022 war jeder dritte ICE oder IC zu spät, nur 65 Prozent aller Fernverkehrszüge waren pünktlich. Und in dieser Statistik gilt ein Zug auch dann als pünktlich, wenn er mit sechs Minuten Verspätung in den Bahnhof einläuft …
Die Bahn hoffe nach Abschluss vieler Baustellen in absehbarer Zeit wieder mehr als 80 Prozent zu erreichen, sagte Peterson. Eine wichtige Etappe sei dabei die Sanierung der Bahnstrecke zwischen Frankfurt am Main und Mannheim bis Ende 2024. „Und mit der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 Ende 2025 werden sich viele Fahrtzeiten im Fernverkehr verringern“, sagte Peterson. „Bis 2030 wird die Bahn Jahr für Jahr und Schritt für Schritt deutlich besser.“

70 Prozent der Züge fahren durch eine Baustelle
Die Bahnkunden bräuchten noch etwas Geduld mit der Bahn. Der Ironie dieser Aussage ist sich der Bahn-Manager wohl nicht bewusst. Geduld mit der Bahn muss zwangsläufig jeder entwickeln, der auf die Bahn setzt. Geduld – oder eben Auto oder Fahrrad. Petersons Prognose: „Es wird aber nicht Jahrzehnte dauern, bis die Bahn in einem erheblich besseren Zustand als heute ist.“ Na dann …
Derzeit bremsten die vielen Baustellen den Bahnverkehr erheblich, sagte Peterson. „Aktuell fahren fast 70 Prozent der Fernverkehrszüge durch mindestens eine Baustelle.“ Die Pünktlichkeits-Quote von 65 Prozent hält er für einen Erfolg. „Das wäre übrigens bei Baustellen auf der Autobahn undenkbar.“

Die Spitzen der Berliner Ampel-Koalition hatten Ende März festgestellt, dass die Bahn zur Deckung des Investitionsbedarfs bis 2027 rund 45 Milliarden Euro benötigt. Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen Generalsanierungen: Mehr als 40 besonders belastete und besonders wichtige Strecken sollen für jeweils fast ein halbes Jahr komplett gesperrt werden, um in einem Rutsch alles zu reparieren, was es zu reparieren gibt: Bahnhöfe, Oberleitungen, Schienen, Weichen und vieles mehr.
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