Bizarre Seenot-Retter-Logik: Rettung nach Afrika ist „illegale Verschleppung“
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Ist Seenotrettung eine Einbahnstraße nach Europa? Der Seenotrettungsverein Sea-Watch e.V. scheint genau dieser Ansicht zu sein.
Auf seiner Internetseite beschreibt sich der deutsche Seenotrettungsverein Sea-Watch e.V. als „Gemeinnützige Initiative, die sich der zivilen Seenotrettung im zentralen Mittelmeer verschrieben hat.“
Auf X (ehemals Twitter) gibt es nun harten Gegenwind für Sea-Watch: Weil Fluchtwillige aus Tunesien, die sich auf einer Gasplattform im Mittelmeer aufhielten, nicht nach Europa, sondern von der tunesischen Küstenwache direkt zurück an einen sicheren tunesischen Hafen gebracht wurden, spricht die Organisation von einem „Pullback“. Doch kann man von einem „Pullback“ sprechen, wenn Flüchtlinge in einen sicheren Hafen ihres Herkunftslandes gebracht werden? Das erscheint vielen Twitter-Usern absurd zu sein. Sea-Watch wird vorgeworfen, Schlepperei zu fördern und sogar selbst zu betreiben.
Sea-Watch spricht von „illegaler Verschleppung“
Auf X schreibt Sea-Watch: „Drohender Pullback im Mittelmeer – 50 flüchtende Menschen haben sich auf eine Gasplattform in internationalen Gewässern im Mittelmeer gerettet. Nun ist jedoch ein Schiff der tunesischen Küstenwache vor Ort. Wir befürchten, dass die Menschen illegal nach Tunesien verschleppt werden.“ Noch am gleichen Tag folgt ein ergänzender Post: „Unsere Befürchtung hat sich bewahrheitet: Die etwa 50 Menschen wurden von der tunesischen Küstenwache an Bord genommen und werden nun illegal nach Tunesien verschleppt“

Viele Tunesier versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.
Der Vorwurf, dass tunesische Einheimische „illegal nach Tunesien verschleppt“ werden würden, sorgte im Netz für viel Kritik.
Vor allem, so betonten die User, sei das Ziel der Seenotrettung die Verbringung von Flüchtlingen an sichere Häfen – das Ziel sei nicht das grundsätzliche Transportieren nach Europa.
An einem der Sea-Watch Posts wurde, aufgrund der offenbar vielen Nachfragen, eine sogenannte „Kontextnotiz“ angeheftet, in der der Vorwurf der illegalen Verschleppung sachlich eingeordnet wird: „Bei Seenot müssen die Menschen in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden. Dieser ist hier in Tunesien. Das ist weder illegal, noch eine Verschleppung sondern Seenotrettung nach internationalen Übereinkommen.“

Laut dem Menschenrechtsrat der vereinten Nationen stellt es keinen Pullback dar, Flüchtlinge an sichere Häfen außerhalb Europas zu bringen.
Kritiker werfen Sea-Watch Schlepperei-Absichten vor
Zum Diskussions-Hintergrund: Kritiker werfen den Seenotrettungsvereinen, insbesondere Sea-Watch schon seit längerem vor, sich mit Schleppern an der nordafrikanischen Mittelmeerküste zusammenzutun – und bewusst keine sicheren Häfen außerhalb Europas aufsuchen zu wollen. Diese Praktik wird auch als Beihilfe zur illegalen Einwanderung bezeichnet. Allein im letzten Jahr wurden bereits 21 Personen verschiedener NGOs genau deswegen angeklagt.
Ein weiterer Vorwurf besteht darin, dass sich unter den Seenotrettern vor allem Aktivisten befinden, die aus linksideologischer Haltung heraus prinzipiell Nationalstaaten und Grenzen abschaffen wollen. So hieß es beispielsweise in einer gemeinsamen offiziellen Verlautbarung der deutschen Seenotrettungs-Organisationen Sea-Eye, Sea-Watch und Resqship: „Bis wir uneingeschränkte Bewegungsfreiheit für alle Menschen erreicht haben, ist es noch ein weiter Weg“.
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