Briten drehen durch! Kannibalismus sei ein Tabu wegen Rassismus
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In einem Artikel des New Scientist Magazins vom Valentinstag behauptet der Autor, dass das Tabu von Kannibalismus auf Rassismus beruhe.
Der Text beginnt mit einem historischen Beispiel für gerechtfertigten Kannibalismus. 1972 stürzte ein Flugzeug über den Anden ab. Die Überlebenden aßen die Toten, um zu überleben. Roberto Canessa, einer der Überlebenden, bezeichnete das Vorgehen der notgedrungenen Kannibalen als „Abstieg in Richtung unserer endgültigen Demütigung“. Selbst in einer Notsituation besteht das Tabu von Menschenfleisch-Verzehr.
Im Artikel argumentiert der Autor, dass Kannibalismus ethisch gesehen weitaus weniger problematisch sei als sein Ruf. „Wenn ein Körper mit Zustimmung der Wissenschaft überlassen werden kann, warum dann nicht, um Hungernde zu ernähren?“, heißt es in der Kannibalismus-Apologetik.
Rassistische Stereotypen von Kannibalen
Mehrere Gründe werden für das Tabu genannt: Zum einen die westlichen religiösen Traditionen, in denen der Körper als Gefäß der Seele gesehen werde. Ein weiterer Grund sei: Rassismus. „Vielleicht ist es aber auch kulturell verwurzelt und hat seine Wurzeln im frühmodernen Kolonialismus, als rassistische Stereotypen von Kannibalen erfunden wurden, um die Unterwerfung zu rechtfertigen. Diese wurden für die westlichen Gesellschaften zum Sinnbild des ‚Anderen‘ – und die Abscheu vor Kannibalismus wurde zu einem Grundsatz ihres moralischen Gewissens“, schreibt der Autor.
Kannibalismus sei also ein Tabu, weil die Europäer sich von wilden Kannibalen abgrenzen wollte.

Armin Meiwes, „der Kannibale von Rothenburg“, gilt als berühmtestes Beispiel für Kannibalismus in der Bundesrepublik.
Weiter im Text wird die kannibalistische Vergangenheit des Menschen beleuchtet, die weitaus bedeutsamer war, als normalerweise vermutet. Abschließend bezeichnet der Autor Kannibalismus als wichtigen Teil „unserer“ Geschichte, sagt aber auch, dass das kein Grund sein sollte, diesen zu enttabuisieren.
Auf der Suche nach Transzendenz
Der Geschmack von Apologetik bleibt dennoch bestehen: „Aber das Verständnis seiner tiefen Wurzeln könnte unsere Sichtweise auf die wenigen Kulturen verändern, die heute noch Kannibalismus praktizieren, wenn auch nur gelegentlich, wie die Aghori, eine hinduistische asketische Sekte in Indien, die dies auf der Suche nach Transzendenz tut.“
Dann bleibt wohl nur noch hoffen, dass die indischen Asketen einander speisen und die zivilisierte Welt nicht als Speisekarte betrachten ...
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