Comedian Kay Ray über Humor: „Ich habe immer versucht, die Grenzen zu sprengen“
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Ob „Die Anstalt“, Sarah Bosetti, Carolin Kebekus oder Mario Barth. Wenn man durch deutsche Comedy- und Kabarett-Shows zappt, wird schnell klar: Um unseren Humor ist es schlecht bestellt.
Zwischen Haltungs-Humor mit der Brechstange und stereotypen Schenkelklopfern ist wenig Raum für Witz. Hinzu kommt, dass seit Jahren die Tendenz steigt, politisch korrekt zu witzeln. Andere Ethnien, Geschlechter oder Lebensformen als die eigene dürfen nicht mokiert werden. Das Problem: Da, wo der Humor zensiert wird, bleibt der Witz auf der Strecke.

Kay Ray zu Gast bei „Stimmt!“
Einer, der seit Beginn seiner Karriere auf moralische Vorschriften pfeift, ist der Comedian Kay Ray. „Wem mein Humor nicht passt, der kann sich mal gehackt legen oder woanders hingehen. Ins Kino zum Beispiel“, sagt er im Nachrichten-Talk „Stimmt!“. Wenn Leute in seiner Show empört aufstehen und sich beschweren, pflege er stets zu sagen: „Ich hab sie ja gar nicht eingeladen, liebes Publikum. Sie haben selber eine Karte gekauft. Und im Gegensatz zu ihnen, kann ich mir nicht aussuchen, wer da sitzt“.
„Comedy funktioniert, weil sie weit weg ist von politischer Korrektheit“
Viele seiner Kollegen hätten begonnen, das Publikum mit Haltungs-Humor zu langweilen. Da würden fünf böse AfD-Witze erzählt und geschaut, wer nicht lacht. „Dann haben sie gemerkt, dass sie sich da ein Loch graben, wo sie nicht mehr rauskommen“, so Kay Ray, denn „Comedy funktioniert, weil sie weit weg ist von politischer Korrektheit“. Nun seien sie übergegangen zu Sparten-Comedy, in der, unter bestimmten Bedingungen, auch das Beleidigen von Minderheiten, im abgesteckten Rahmen in Ordnung ist.
Absurd, findet Kay Ray. „Man lacht, weil man lacht und man DARF über alles lachen.“

Die ZDF-Politsatire „Die Anstalt“. Lachen mit Haltung.
„Ich zum Beispiel finde das toll, über dicke Leute Witze zu machen, weil dicke Leute können auch Witze machen über mich“. Er trete niemals nach unten, weil er niemanden unter sich sehe, so der Comedian im NIUS-Talk. Und genau das mache den Unterschied aus. Über jeden dürfe auf Augenhöhe Spaß gemacht werden.
Dass jetzt wieder „hypderdoppelmoralinsaure Tugendwächter an allen Ecken und Enden“ prüfen, was gesagt werden darf, ärgert Kay Ray. „Ich dachte, ich kann meine Rente einfahren, weil ich ja alles gemacht habe“, sagt er scherzhaft. „Ich komme aus der Travestie-Kunst. Da hatten wir früher auch die Spießer“. Dieser sei nun in ein neues Gewand gehüllt, gewissermaßen in das des linken, sensibilisierten Öko-Feministen, der überall einen Angriff auf marginalisierte Gruppen vermutet.
„Ich habe immer versucht, die Grenze zu sprengen und die Korridore offenzuhalten“, so Kay Ray. „Die ständigen Doktorarbeiten, was Humor betrifft, sind völliger Quatsch. Es zählt das, was den Leuten Spaß macht“.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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