Das Deutschland-Ticket spaltet das Land: Die Städter jubeln, aber kein Dorf-Bewohner hat was von der Bus-Flatrate
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Das Deutschland-Ticket ist der rollende Beweis dafür, wie wenig Ahnung unsere Politiker vom Leben in diesem Land haben. Aktuell kostet es 49 Euro und ist nicht weniger als die größte und unfairste Stadt-Land-Umverteilungs-Aktion des Staates. Es verkörpert seit der Einführung im Mai 2023 eine Politik der Stadt-Menschen gegen die Interessen und Gefühle der Landbevölkerung.
Kein Dorf-Bewohner profitiert davon, aber alle Dorf-Bewohner zahlen das Mobilitäts-Vergnügen in der Stadt. Doch anstatt es einfach als gescheitert abzuhaken und abzuwickeln, geht es in die Verlängerung. Diese Entscheidung von Kanzler Scholz und den 16 Ministerpräsidenten ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie entkoppelt die Politiker-Blase mittlerweile denkt und regiert.

Nächster Halt Nimmerland: Das Deutschlandticket funktioniert nur bei guter Infrastruktur.
Vor drei Wochen war ich in meiner Dorfkneipe und habe gefragt, wer alles ein Deutschlandticket hat. Exakt null Arme gingen in die Höhe, aber einhundert Prozent der Anwesenden konnten sich auf die Frage einigen: Wofür denn auch?! Hier hält kein Bus, hier fährt kein Zug, hier ist das Auto der Garant für den Weg zur Arbeit und zum Supermarkt im nächsten Ort.
Es gibt 80 Städte in Deutschland, die mehr als 100.000 Einwohner haben und damit als Großstädte gelten. Dort lebt knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese Menschen profitieren eindeutig und großzügig vom Deutschlandticket: 49 Euro im Monat für eine Bus- und Bahn-Flatrate. Wer sagt da schon nein? Zum Vergleich: Ein Monatsticket in der Hauptstadt hat VOR dem Deutschlandticket 104 Euro gekostet (Januar 2020), in Hamburg 89,50 (Januar 2019).
Die anderen 70 Prozent des Landes, die in kleinen Städten, Dörfern oder noch viel ländlicher leben, als man es sich in Berlin vorstellen kann, fragen sich: Warum zur Hölle bezahle ich mit meiner Steuerlast das Alltags-Vergnügen der Städter? Warum fahre ich mit dem Auto zur Arbeit, um am Ende auf dem Lohnbescheid die Verluste durch das Deutschland-Ticket zu subventionieren?

Wer in auf dem Land lebt, zahlt das Billig-Ticket für den Stadtbewohner mit.
Wenn Sie das Argument hören: Aber das Deutschland-Ticket bringt Menschen dazu, einfach mal das Auto stehen zu lassen und steigen der Umwelt zuliebe auf Bus und Bahn um – einfach abwinken. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schätzt, dass von den knapp 11 Mio. Deutschland-Ticket-Kunden nur 8 Prozent Neukunden sind. Der Rest nutzt einfach nur die Chance, günstiger durch den Alltag zu kommen und fährt auf Steuerzahler-Ticket.
Bis Ende 2024 werden wahrscheinlich 6 Milliarden Euro Zuschuss von Bund und Ländern fällig und selbst dann fehlen den Verkehrsbetrieben noch 400 Mio. Euro in der Kasse. Wahrscheinlich steigt der Verbraucher-Preis, vielleicht wird aus dem 49-Euro-Ticket ein 59-Euro-Ticket. Darüber sollen sich die Verkehrsminister der Länder jetzt Gedanken machen.
Noch einmal: Wir bezahlen 6 Milliarden Euro dafür, Menschen einen günstigeren Fahrschein zu ermöglichen, die vorher auch schon einen teureren Fahrschein akzeptiert hatten. Jeder Steuer-Cent, mit dem das Deutschland-Ticket subventioniert wird, fehlt bei kaputten Brücken oder als Investition in die noch viel kaputtere Bahn.
Auf die Frage, wie es mit dem Deutschland-Ticket weitergehen soll, kann es nur eine einfache Antwort geben: Einfach wieder abschaffen.
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