Das Milliarden-Geschäft mit den Migranten: Der geheime Schleuser-Report
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Das Schleusen von Migranten in die EU und nach Deutschland ist längst zu einem gut organisierten Milliarden-Geschäft geworden. Und dieses Geschäft boomt, wie aus dem jüngsten, vertraulichen Report des gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration (GASIM) von Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Außenamt, Bundespolizei, Finanzkontrolle Schwarzarbeit und Bundeszollverwaltung hervorgeht.
Der Report, eingestuft als „VS – nur für den Dienstgebrauch – Verwendung nur im nationalen Bereich – nicht pressefrei“, liegt NIUS vor.
Der nüchterne Befund der Bundesbehörden: „Gemäß der polizeilichen Kriminalstatistik lag im 1. Halbjahr 2023 die Anzahl der Tatverdächtigen wegen unerlaubter Einreise und unerlaubten Aufenthalts (summiert) bereits 42 Prozent über der des Vorjahresvergleichswertes.“ Die Einschleusungen von Ausländern allein stiegen um 38 Prozent. Die wichtigsten Herkunftsländer: Syrien, Türkei, Ukraine – insgesamt 36 Prozent aller Ankommenden.
Herkunft und Profil der Schleuser: Wer steckt dahinter?
Besonders überraschend: Die Schleuser selbst kommen vornehmlich aus Syrien, der Türkei und der Ukraine. Schleuser dieser Herkunft machten im ersten Halbjahr 2023 allein 36 Prozent aller festgestellten Schleusungen aus. Weitere Herkunftsländer der Schleuser sind Afghanistan und der Irak.

Balkanroute: Flüchtlinge an der griechisch-nordmazedonischen Grenze
Die Umsätze, die beim Schleusen erzielt werden, sind beträchtlich. So wurden nach Erkenntnissen der Ermittler 2022 auf der Ost-Mittelmeer-Route („Ostmediterrane Route“: See- und Landweg plus Türkei) zwischen 263 und 324 Millionen Euro umgesetzt. Die Zahlen sind Berechnungen aus dem sogenannten „Hellfeld“, also aufgegriffenen Personen, bekannten Fällen und Angaben aus Befragungen. Die realen Zahlen dürften aufgrund eines beträchtlichen „Dunkelfelds“ deutlich höher sein.
Auf der Balkan-Route wurden demnach 2022 zwischen 850 Millionen und 1,16 Milliarden Euro (Dunkelfeld: 2 bis 3 Milliarden Euro) umgesetzt. Es war die im Vorjahr mit Abstand meist benutzte Schleuser-Route. Im laufenden Jahr gingen die Zahlen auf diesem Weg etwas zurück. Dafür verzeichnen andere Routen einen massiven Anstieg der Migrationsbewegungen.
Am heftigsten (plus 419 Prozent!) fällt diese Steigerung auf der Ost-Route (Russland, Weißrussland) aus, weil dort sehr professionelle Organisationen den Menschenschmuggel betreiben, zum Teil mit staatlicher Unterstützung und weil aufgrund der Kürze der Strecke die Geschleusten vergleichsweise kurz unterwegs sind. Etwa 75 Millionen Euro wurden 2022 hier umgesetzt. Der Schleuser-Ertrag dürfte 2023 wegen des heftigen Anstiegs massiv wachsen.
Finanzielle Dimensionen: Die lukrativen Routen der Menschenschmuggler
Auf den Seerouten über das Mittelmeer machten die Schleuser 2022 zwischen 255 und 566 Millionen Euro Umsatz. Innerhalb des Schengen-Raums nutzen Migranten meist sogenannte „Behältnisschleusungen“ in Transportern oder Containern. Hier gehen die Ermittler von 135 bis 405 Millionen Euro Umsatz aus. Die Gewinnspanne für die Schleuser liegt nach Angaben des Reports bei 70 bis 80 Prozent des Umsatzes.
INSGESAMT wurden demnach allein im „Hellfeld“ 1,57 bis 2,53 Milliarden Euro umgesetzt. Tatsächlich gehen die Experten von drei bis fünf Milliarden Euro aus, die pro Jahr beim Schleusen nach Deutschland und Europa verdient werden.
Professionalisierung und Vertrauensbildung: Die Evolution des Schleusungsgeschäfts
„Das Schleusungsgeschäft ist seit mehreren Jahren durch ein kontinuierlich zunehmendes Marktvolumen und die fortschreitende Professionalisierung der Strukturen gekennzeichnet“, schreiben die Autoren der Studie, die am 13. September einem kleinen Personenkreis intern zugeleitet wurde.
Interessant ist auch: Je härter die Verfolgung, desto höher die Preise und die Nachfrage nach Schleusung. Die Finanzströme lassen sich nur schwer verfolgen, weil oft inoffizielle Bezahlungssysteme, wie das „Hawala“-System genutzt werden, bei dem informelle Zahlungen über Mittelsmänner komplett am offiziellen Bankensystem vorbei erfolgen.
„Schleuser sind zunehmend an einem vertrauensbasierten Geschäftsverhältnis interessiert“, heißt es in dem Papier. Der Trend gehe mehr und mehr zu sogenannten „Garantieschleusungen“, bei denen die Schleuser erst am Ende, bei erfolgreicher Ankunft der „Kunden“ im Zielland, bezahlt werden. Das hat unter anderem den Effekt, dass Geschleuste die Identität des Schleusers nicht preisgeben, wenn sie aufgegriffen werden, weil sie ihn gegebenenfalls für einen zweiten Anlauf brauchen. Für Migranten sinkt das Risiko der Ausbeutung, weil Schleuser „Reputationsverlust (auch in sozialen Medien)“ fürchten, wenn sie Leute abzocken oder nicht erfolgreich sind. Nur mit Erfolg können sie ihr Geschäftsmodell erhalten und langfristig die Preise steigern.
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Ralf Schuler
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