Der deutsche Macho ist tot
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Es gibt Menschen, die beeindrucken. Manche schaffen es durch Leistung, manche schaffen es durch reine Selbstdarstellung und haben es hier zu wahrer Meisterschaft gebracht.
René Weller war einer, der beides in sich vereinte. Der schöne René, ein Angeber, ein Proll, stets Solarium gebräunt. Der Inbegriff des deutschen Machos. „Macho Man“ hieß denn auch der Film, in dem Weller sein Sixpack spielen lassen konnte.
Aber er war eben nicht nur dieser Goldkettchen-behängte Zuhältertyp, der das Milieu an den Boxring zog. Er war „Bling Bling“, ohne ein Blender zu sein. Sein Gold war echt.
Zehn Deutsche Meister-Titel hatte er sich erkämpft, für Deutschland bei Olympia geboxt und 338 seiner 355 Kämpfe gewonnen. Im Gegensatz zu denen, die sich im Fitnessstudio den Bizeps aufblasen und so tun, als könnten sie „Rocky“ umhauen, hat Weller das auch wirklich getan. Box-Weltmeister wurde er, zweimal Europameister. Ein großer Kämpfer.

Der deutsche Profi-Boxer Rene Weller während eines Boxkampfes (undatierte Aufnahme)
Als das Boxen in Deutschland am Boden lag, hat er es beinahe im Alleingang wiederbelebt. Seinetwegen füllten sich die Hallen, Boxen wurde zum Spektakel. Nach dem Motto „Wenn’s vorne spannt, ist´s hinten eng…“ zwängte er sich in seine knallengen, gold-glänzenden Boxershorts. Sein schönes Gesicht sollte schön bleiben, auch deshalb parierte er die Schläge. Meisterhaft. Das sah auch der legendäre Box-Promoter Don King, der Weltmeister Muhammad Ali unter seinen Fittichen hatte. Der wollte René in die USA holen, damals Garantie für Millionengagen.
Der Schwabe Weller entschied sich dagegen, blieb in der Heimat, hier gehörte er her. Ebby Thust, Don Kings etwas halbseidenes Pendant in Deutschland, nahm sich seiner an und machte ihn groß. Das öffnete die Tür in die Unterwelt, eine Welt, die Weller magisch anzog. Boxen sei der Bruder der Prostitution, hat er einmal gesagt.
Weil er befreundeten Dealern dabei half, kiloweise Kokain zu verkaufen, wurde er 1998 bei einem von der Polizei fingierten Deal verhaftet und später zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Knapp drei Jahre musste er absitzen, dann hatte die Welt ihn wieder.
Selbst wenn er später als Reality-Star seinen Lebensunterhalt verdienen musste, weil 270 Euro Rente nicht reichten – René Weller war trotz aller Peinlichkeiten nie wirklich peinlich.
Er war, wie er war, grotesk selbstbewusst, ein Schlitzohr der schlitzohrigsten Art. Dabei aber geradeaus, ehrlich, nahm sich selbst auch mal nicht zu ernst. Mit Sprüchen wie „Wo ich bin ist oben, falls ich mal unten bin, ist unten oben…“ oder „Würde ich im Haushalt helfen wollen, würde ich mir einen Rock anziehen und mich Gisela nennen…“ oder „In der Liebe bin ich Weltmeister…“ hat Weller sich positioniert.
Er war ein Kind seiner Zeit, hat sich durchs Leben gekämpft und ist auch nach Niederlagen wieder aufgestanden. Gerade heute, am Tag, an dem das neue Selbstbestimmungsgesetz im Kabinett beschlossen wurde, fehlt eine so erfrischende Ehrlichkeit, eine Positionierung im Leben wie im Ring.
Nach dem letzten Gong ist René Weller nicht mehr aufgestanden. Wir werden ihn vermissen.
Dieser Text ist ein Auszug aus dem täglichen NIUS-Newsletter von Chefredakteur Jan David Sutthoff (hier anmelden).
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