Sieben Männer, 122 Kinder – und eine Menge Aufenthaltstitel: Der irre Vaterschafts-Skandal von Dortmund
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In Dortmund haben sieben Männer die Vaterschaft für rund 122 Kinder anerkannt, die nicht ihre eigenen sind. Wie die Welt am Sonntag exklusiv berichtet, handelt es sich dabei um einen Systemmissbrauch, der den deutschen Staat Millionen kostet und Migrantinnen in die Prostitution treibt. Behörden sprechen dabei von organisierten Netzwerken aus Westafrika, die mit gefälschten Vaterschaftsanerkennungen Aufenthaltstitel und Sozialleistungen erschleichen.
Der Skandal kam 2024 ans Licht, als „Mr. Cash Money“, ein eingebürgerter Nigerianer aus Dortmund, in den sozialen Medien mit Geldscheinen und Luxusautos prahlte. Jonathan A. hatte die Vaterschaft für 24 Kinder von Afrikanerinnen anerkannt. Solche Fälle sind jedoch keine Einzelfälle: Allein in Dortmund gibt es mehr als ein halbes Dutzend ähnlicher „Familienbetriebe“. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg erklärte auf Anfrage von der Welt: „Derzeit sind in Dortmund sieben Väter mit circa 122 Vaterschaftsanerkennungen bekannt.“ Gegen einige liefen noch Ermittlungen.

Dortmund in NRW soll besonders anfällig für das Problem sein: Hier erlangte der notorische Betrüger Mr. Cash Money 2024 zweifelhafte Bekanntheit.
Der Hintergrund liegt in der Kindschaftsrechtsreform von 1997, die Vaterschaftsanerkennungen erleichtert hat. Ursprünglich gedacht, um Kindern ohne bekannten Vater zu helfen, öffnet das Gesetz nun Türen für Missbrauch. Eine schwangere Migrantin etwa erhält langfristiges Aufenthaltsrecht, wenn ein Deutscher die Vaterschaft anerkennt. Das Kind wird Deutscher, die Mutter profitiert. Der „Vater“ – der bis zu 8000 Euro pro Fall kassiert, wie Behörden in NRW berichten – zahlt jedoch keinen Unterhalt. Stattdessen übernimmt der Staat den Vorschuss.
Laut Welt soll sich dabei ein eigener „Modus Operandi“ etabliert haben: „Ansprache im Heimatland – Verbringen nach Italien, Frankreich oder Spanien – nach Schwangerschaft Einreise nach Deutschland und danach Anerkennung der Vaterschaft, entweder vorgeburtlich oder nach negativem Ausgang des Asylverfahrens oder auch im Asylverfahren selbst“, heißt es in dem Artikel. Auf diesem Wege soll auch ein Westafrikaner 20 Kinder anerkannt haben.
Brotherhoods rekrutieren in Westafrika
Die Bezirksregierung Arnsberg kommentiert den Fall nicht spezifisch, hob aber die „Problematik Nigeria-Ghana“ hervor. In diesen Ländern werben „Brotherhoods“ (Bruderschaften) junge Frauen mit einem „lukrativen Job in Europa“ an. Die Realität: „Die Wahrheit sieht so aus, dass sie dann in Libyen, Frankreich, Italien oder Spanien zur Prostitution gezwungen werden, um das Reisegeld abzubezahlen.“ Bei Schwangerschaft folgt die Einreise nach Deutschland, wo ein Kontaktmann die Vaterschaft übernimmt. „Da die ,Väter‘ in der Regel kaum bis keinen Unterhalt bezahlen, zahlen die Jugendämter für die Familie.“

Accra in Ghana: Hier sollen sogenannte Brotherhoods gezielt Frauen anwerben.
Für die 122 Kinder und Mütter in Dortmund belaufen sich die jährlichen Unterhaltskosten laut Bezirksregierung auf einen „mittleren siebenstelligen Euro-Bereich“. Verlässliche Zahlen fehlen. Bundesweit schätzte das Innenministerium 2017 die Missbrauchsfälle auf eine „mittlere vierstellige Zahl“. Bei 5000 Verdachtsfällen beträgt die Belastung für Steuerzahler 150.783.000 Euro jährlich, berichtete der rbb 2024. Eine BMI-Erhebung von 2018 bis 2021 identifizierte 290 Missbrauchsfälle aus 1769 verdächtigen Vorgängen; weitere 1800 Fälle in Auslandsvertretungen zeigten geringe Missbrauchsquoten.
Jura-Professor Harald Dörig, Berater des Bundestags, kritisierte: „Dass die Erhebung des BMI nur geringe Fallzahlen ergab, überrascht mich nicht. Es verdeutlicht vielmehr, dass der größte Teil der Missbrauchsfälle den Behörden verborgen bleibt.“
Für das Problem soll indes ein neues Gesetz Abhilfe schaffen. Ein Entwurf der Ampel-Regierung aus April 2024 scheiterte am Bundestag; ein neuer folgt demnächst. Dörig sieht die Regel kritisch, dass ein sechsmonatiger „gemeinsamer Haushalt“ Missbrauch ausschließt: „Wie mir der Leiter einer großen Ausländerbehörde berichtete, behaupten das die Betroffenen jetzt schon formularmäßig bei Antragstellung. Der Schlepper verlangt dafür einen Aufpreis.“
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