Eine ganze Schulklasse – und kein einziges Kind hat ein Smartphone
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Millionen Eltern diskutieren mit ihren Kindern über die Handy-Frage: Wann sollen oder dürfen Mädchen und Jungen ein eigenes Smartphone besitzen? Dürfen sie das Handy mit in die Schule nehmen? Im Gymnasium von Wentorf, einer Gemeinde im Süden Schleswig-Holstein, wurde auch über Smartphones diskutiert – und eine wohl bundesweit einmalige Abmachung getroffen: Eine ganze Klasse unterzeichnet eine Verzichtserklärung – kein internetfähiges Handy.
Über dieses erste Experiment seiner Art in Deutschland berichtet die Welt. Da ist zum Beispiel die Tochter von Catalina von Rotenhan. Die Zehnjährige ist im fünften Schuljahr und geht in eine Klasse mit 25 anderen Kindern, deren Eltern alle das Versprechen gegeben haben: Ihr Kind wird im fünften Schuljahr kein eigenes Smartphone zur Verfügung haben – weder in der Schule noch zu Hause.
Ein Stück längere „echte Kindheit“
„Ich denke, meine Tochter hat Glück, in dieser Klasse gelandet zu sein“, sagt Rotenhan. „Für sie bedeutet das einen entspannten Schulstart ohne die Angst, ausgeschlossen zu werden, weil sie noch kein Handy hat. Und für uns Eltern bedeutet es, dass wir unserem Kind einen Schutzraum bieten können vor stundenlangem Anschauen von nicht altersgerechten Videos, in denen Schminktipps gegeben oder Ess-Störungen verherrlicht werden.“ Ein Stück längere „echte Kindheit“ möchte die 51-jährige Bankerin ihrer Tochter geben, „ohne Apps und Spiele, von denen Kinder aus eigener Kraft nicht mehr loskommen, weil sie schnell süchtig machen.“ Mit viel Zeit im Garten oder auf dem Sportplatz.
In vielen Bundesländern wie in Schleswig-Holstein und in Bayern ist die Nutzung von privaten Smartphones in Grundschulen seit diesem Schuljahr offiziell verboten. Denn Kinderärzte und Psychologen warnen vor einer großen Abhängigkeit, erste Studien führen die steigende Zahl von Verhaltensauffälligkeiten bei Schülern auch auf einen hohen Konsum von Spielen und Videos in sozialen Netzwerken zurück.

Viele Schulen setzen inzwischen auf sogenannte „Handyhotels“: Bevor der Unterricht beginnt, legen die Schüler dort ihre Geräte ab, damit sie während der Stunde nicht daddeln oder im Internet surfen.
In jedem Klassenzimmer ein „Handyhotel“
In diesem Schuljahr hat das Gymnasium Wentdorf zum ersten Mal die smartphonefreie Klasse angeboten. Die Nachfrage ist so groß, dass ein paar Eltern sogar Ablehnung erhielten.
Andere Schulen erkundigen sich nach den Erfahrungen des Wentorf-Gymnasiums. Dort wird künftig in jedem Klassenzimmer ein „Handyhotel“ warten – ein Kasten mit vielen kleinen Schubladen, in dem vor der ersten Stunde die Handys der Schüler eingeschlossen und nach der letzten Stunde wieder übergeben werden. In der 5a wird das nicht nötig sein. Dort hat kein Schüler, keine Schülerin ein Handy. Spannend, wie sich das Pilotprojekt der ersten komplett handyfreien Klasse entwickelt.
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