Deutsche Spitzenunternehmerin: Warum taucht Nicole Junkermann so oft in den Epstein-Files auf?
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Eine der engsten europäischen Vertrauten von Jeffrey Epstein ist die deutsche Unternehmerin Nicole Junkermann. In den veröffentlichten Epstein-Files taucht ihr Name außergewöhnlich häufig auf – tausendfach in E-Mails und Dokumenten. Kaum ein anderer europäischer Name ist so häufig darin zu finden wie ihrer. Hinweise auf eine Beteiligung an Epsteins kriminellen Machenschaften ergeben sich daraus nicht.
Dokumentiert ist vielmehr eine über Jahre andauernde Geschäftsbeziehung, die in einen vertrauten Umgang überging.
Der Kontakt reicht nach den freigegebenen Unterlagen mindestens bis ins Jahr 2002 zurück. Ab 2008, dem Jahr von Epsteins Verurteilung wegen der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution, ist eine fortlaufende Korrespondenz belegt, die bis 2019 anhält.
Auszüge aus der E-Mail-Korrespondenz geben Einblick in das Verhältnis zwischen Epstein und Junkermann:


Sportrechte-Boom rund um die WM 2006
Die E-Mails zeigen regelmäßige Absprachen zu Investitionen, Empfehlungen und Projekten. Wie t-online schreibt, unterstützte Epstein Junkermann wiederholt als Türöffner, stellte Kontakte her und bat umgekehrt auch sie um Vermittlungen bei eigenen Vorhaben. Zugleich dokumentieren die Unterlagen, dass der Austausch auch dann nicht abriss, als Epsteins strafrechtliche Vergangenheit längst öffentlich bekannt war.
NIUS hat Nicole Junkermann mit diesen Punkten konfrontiert und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Bis zum Redaktionsschluss lag keine inhaltliche Antwort vor.
Noch bevor ihr Name in den Epstein-Unterlagen auftaucht, ist Junkermann im internationalen Sportrechte-Geschäft etabliert. Anfang der 2000er Jahre ist sie über ihren Fonds Teil des Investoren-Umfelds um Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, der gemeinsam mit Günter Netzer den Vermarkter Infront übernimmt. Über diesen Fonds hält Junkermann zeitweise einen großen Anteil an Infront und profitiert vom späteren Verkauf.

Robert Louis-Dreyfus war von 1993 bis 2001 Vorstandsvorsitzender von Adidas.
Big Business schafft Kontakte
Auch das Umfeld, in dem Junkermann Anfang der 2000er Jahre im Sportrechte-Geschäft aufstieg, war schon Gegenstand internationaler Ermittlungen und Medienrecherchen. Der Spiegel berichtete 2015 ausführlich über Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM 2006 und ein fragwürdiges Millionen-Darlehen des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an das deutsche Organisationskomitee.

Der Fall zeigte, wie eng Sport, Großunternehmen und internationale Finanzstrukturen miteinander verflochten waren.
Für Junkermann ergibt sich daraus kein persönlicher Vorwurf. Der Kontext ist dennoch aufschlussreich: Er illustriert das Milieu, in dem sich zentrale Akteure des globalen Sportbusiness bewegten und in dem wirtschaftliche Interessen, politische Kontakte und intransparente Finanzstrukturen miteinander verbunden waren.
Die Files zeigen Epstein als Vermittler zwischen Investoren und elitären Entscheidungsträgern. Auch Junkermann erscheint in den Unterlagen als Akteurin, die sich in genau solchen internationalen Netzwerken bewegt. Und Einfluss entsteht in diesen Mileus vor allem durch Zugang und Kontakte.
Moralische Fragen
Der Zeitraum nach 2008 und spätestens die letzten Jahre vor Epsteins Tod 2019 machen die Beziehung erklärungsbedürftig – auch wenn ihr juristisch nichts vorzuwerfen ist. Moralisch bleibt die Frage: Wie gehen wirtschaftliche Akteure mit Partnern um, deren Vergangenheit öffentlich stark belastet ist? Reicht es, dass nichts Strafbares vorliegt – oder darf man von globalen Unternehmern erwarten, moralische Konsequenzen zu ziehen? Gerade vor dem Hintergrund, dass sich Eliten häufig als moralische Instanzen inszenieren, dürften viele Beobachter die letzte Frage bejahen.
Die Unterlagen zwingen letztlich zu keiner Antwort. Sie zeigen lediglich, wie kühl internationale Eliten-Netzwerke organisiert sein können: Wo es um sehr viel Geld geht, haben moralische Bedenken oft ein Nachsehen. Das gilt jedoch auch umgekehrt: Wohlfeile, gratismutige Distanzierungen können ihrerseits ökonomisch motiviert sein – als Versuch, den eigenen politischen Marktwert aufzupolieren.
Ein Beispiel für diese Dynamik lieferte der amerikanische Handelsminister Howard Lutnick. Öffentlich betonte er, Epstein nur einmal begegnet zu sein – und danach keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt zu haben. Durch die Epstein-Files flog das als Lüge auf. Vor dem amerikanischen Kongress gestand Lutnick ein weiteres Treffen ein.
Junkermann hat eine solche demonstrative Distanzierung gar nicht erst versucht. Angesichts der intensiv dokumentierten Dauer ihrer Korrespondenz wäre eine solche Distanzierung allerdings auch kaum glaubhaft gewesen.
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Felix Perrefort
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