Experte zu Kompostierung von Leichen: „komplett irrer Vorgang“
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- Schleswig-Holstein plant das Bestattungsgesetz zu ändern. Leichen sollen künftig kompostiert werden können.
- In einem Pilotprojekt wurde ein neues Verfahren namens „Reerdigung“ getestet.
- Experten sehen in der „Reerdigung“ Gefahren für die Gesundheit und keinerlei Rechtsgrundlage.
In Schleswig-Holstein soll das Bestattungsgesetz geändert werden. Jetzt kritisiert Tade Spranger, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Bonn, im Spiegel das schleswig-holsteinische Justizministerium scharf. Die geplante Zulassung einer Kompostierung von Leichen sei „ein komplett irrer Vorgang“, so Spranger.
Professor Spranger, zu dessen Arbeitsgebiet das Friedhofs- und Bestattungsrecht gehört, ist einer der Experten, die das Ministerium um Stellungnahme zum Gesetzentwurf gebeten hat. Laut ihm bestehen „zahlreiche naturwissenschaftliche und medizinische Bedenken, auch in Bezug auf die biologische Sicherheit des Verwesungsprozesses“.

Der Anbieter „Meine Erde“ bietet die neuen Bestattungsform an. Ein Leichnam wird auf Heu, Stroh und Grünschnitt gebettet, innerhalb von 40 Tagen wird er zu Erde.
Außerdem fehle für bereits erfolgte Bestattungen im Rahmen des Pilotprojekts des Berliner Unternehmens „Meine Erde“ eine „hinreichende Rechtsgrundlage“. Sprangers Fazit: „Es gibt rein gar nichts, was dieses nicht funktionierende Verfahren rechtfertigt.“
Auch das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen sieht das so. In einer Ende Juni an die Bezirksregierungen verschickten rechtlichen Einschätzung heißt es zudem, dass Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden könnten.

Pablo Metz ist Co-Gründer von „Meine Erde“.
„Reerdigung“ ist eine alternative Bestattungsform. Bei dieser Form der Beerdigung wird der tote Körper in einem sargähnlichen Behältnis innerhalb von 40 Tagen zu Erde. Die Kieler Ministerialbeamten stützten sich, einem dem Spiegel vorliegenden Vermerk zufolge, bei der Genehmigung des Möllner Projekts auf ein von „Meine Erde“ bestelltes Gutachten des Juristen Torsten Barthel.
Brisant dabei: Dessen Ehemann, Jörg Litwinschuh-Barthel, sei laut Spiegel Geschäftsführer der „Stiftung Reerdigung“, eines Tochterunternehmens von „Meine Erde“. Den Verdacht der Befangenheit weist „Meine Erde“-Geschäftsführer Pablo Metz zurück. Er sehe in der Verbindung „kein Problem“. Ein Ministeriumssprecher erklärte, man habe „im Zuge der Erörterung und Prüfung der Thematik zusätzlich einen externen Experten hinzugezogen“.
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Redaktion
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