Explosion des Antisemitismus in Deutschland: Dreifacher Anstieg der Vorfälle nach Hamas-Angriff
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Nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland vervierfacht.
Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) registrierte zwischen dem 7. Oktober und dem 9. November 994 antisemitische Vorfälle, durchschnittlich 29 pro Tag. Dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als weniger als sieben Vorfälle pro Tag gemeldet wurden.
Der Rias-Bericht zeigt, dass antisemitische Vorfälle in Deutschland in direktem Zusammenhang mit den Entwicklungen im Nahen Osten stehen. Insbesondere nach dem 17. Oktober, als sich eine große Explosion im Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza-Stadt ereignete, stieg die Zahl antisemitischer Kundgebungen und Demonstrationen. Trotz späterer Korrekturen von Falschmeldungen über den Vorfall blieben die antisemitischen Inhalte der Kundgebungen weitgehend unverändert.

Auf Anti-Israel-Demos wird der jüdische Staat als Kindermörder bezeichnet.
Aus einem anderen Rias-Bericht geht hervor, dass sich antisemitische Vorfälle vor allem in Berlin-Mitte, Neukölln und Kreuzberg ereignen.
Die antisemitischen Vorfälle betrafen öffentliche Gebäude, Verkehrsmittel, Restaurants, Gedenkstätten, Friedhöfe, Fußballstadien und das Internet. Besonders betroffen war das direkte Wohnumfeld von Juden, wo Häuser mit Davidsternen markiert wurden. Die Betroffenen reagierten mit Vermeidungsstrategien und zogen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Auch kam es zu tätlichen Angriffen auf jüdische Einrichtungen und Personen, darunter ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Berlin.

Die politische Analyse der Vorfälle zeigt, dass im Untersuchungszeitraum knapp jeder fünfte Vorfall, also 21 Prozent, auf antiisraelischen Aktivismus zurückzuführen ist. Diese Vorfälle lassen sich keinem anderen politisch-ideologischen Hintergrund eindeutig zuordnen und zeichnen sich durch eine dominierende antiisraelische Motivation aus, die stärker ist als eine politische Verortung im linken, rechten oder islamistisch/islamistischen Spektrum.
Weitere 6 Prozent der Vorfälle wurden einem islamistischen Hintergrund zugeordnet. Diese Zuordnung erfolgt, wenn positive Bezüge zu islamischen Glaubensinhalten oder Symbolen vorliegen und kein anderer politischer Hintergrund überwiegt.
5 Prozent der Fälle wurden als links eingestuft. Jeweils knapp 2 Prozent der Vorfälle wurden einem rechtsextremistischen bzw. verschwörungsideologischen Hintergrund zugeordnet. In 1 Prozent der Fälle konnten die Vorfälle der politischen Mitte und in weniger als 1 Prozent dem christlich-fundamentalistischen Spektrum zugeordnet werden.
In 64 Prozent der Fälle war der politische Hintergrund unbekannt.
Rias schreibt: „Es wurde beobachtet, dass bei den Versammlungen verschiedene Akteure aus unterschiedlichen politisch-ideologischen Spektren zusammenkamen und beispielsweise linke Antiimperialisten gemeinsam mit Islamisten neben Anti-Israel-Aktivisten auftraten.“
Der Bericht dokumentiert auch eine zunehmende Empathielosigkeit gegenüber Juden und eine Entsolidarisierungswelle seit dem 7. Oktober. Jüdinnen und Juden wurden im beruflichen und sozialen Umfeld für das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen verantwortlich gemacht. An den Universitäten wurden jüdische Studierende ausgegrenzt und für das Verhalten Israels verantwortlich gemacht.
Rias-Geschäftsführer Benjamin Steinitz betont, dass Antisemitismus in allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen verankert ist und fordert mehr Solidarität und Anlaufstellen für Juden. Er unterstreicht die Notwendigkeit, die Gräueltaten der Hamas klar zu benennen und sich mit den Opfern antisemitischer Äußerungen solidarisch zu zeigen.
„Für Jüdinnen und Juden hat das Aushandeln zwischen Sichtbarkeit und Sicherheit mit der Zäsur vom 7. Oktober eine neue Qualität erreicht. Jüdisches Leben in Deutschland ist seither weniger sichtbar. In ihrem Alltag sind Jüdinnen und Juden verstärkt mit Empathielosigkeit und Antisemitismus konfrontiert“, sagt Steinitz.
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