Filmkritik zu „Doggy Style“: Hunde an die Macht
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- „Doggy Style“ handelt von sprechenden Hunden
- Was sie sagen und tun ist zu obszön und politisch nicht korrekt
- Und genau darin liegt der Spaß des Films. Wenn man ihn aushält.
Hunde sind der beste Freund des Menschen, aber sind Menschen auch der beste Freund des Hundes? Dass man dies durchaus hinterfragen sollte, beweist nun „Doggy Style“ – die Geschichte eines kleinen Hundes, der bei einem ziemlich miesen Herrchen gelandet ist. Reggie (im Original von Will Ferrell gesprochen), ist nämlich so treu und naiv, dass er jede miese Handlung seines Besitzers Doug (Will Forte) als Liebesbeweis umdeutet. Insbesondere dessen neues Spiel, bei dem das unwillige Herrchen mit ihm einen Ausflug unternimmt, einen Tennisball weit wegschmeißt und sich mit quietschenden Reifen verdrückt, während sein haariges Mündel dem Ball hinterherläuft.

Hauptdarsteller Reggie ist der kleinste Hund der Bande (rechts)
Terrier allein und nicht Zuhause
Nachdem Reggie diese schwierige Aufgabe einmal zu oft bewältigt hat, ist es Doug zu viel und auf geht es in eine weit entfernte Großstadt. Vor hier kann Reggie nun wirklich nicht mehr so einfach zurück nach Hause finden, aber zumindest trifft der putzige kleine Kerl auf etwas erfahrenere Hunde: den obszönen Boston Terrier Bug, die schöne australische Hirtenhündin Maggie und die Deutsche Dogge Hunter, die als Therapiehund arbeitet, aber aufgrund der eigenen Unsicherheit selbst mal auf die Psychiater-Couch oder zumindest unter sie gehen sollte.
Zuerst muss das Trio dem kleinen Reggie gehörig den Kopf waschen und ihm erklären, dass sein so geliebtes Herrchen ein ziemlicher Miesling ist, dessen Liebesbeweise er leider ungefähr so missverstanden hat, wie einst Charles Mansons Anhänger dessen Definition von „Familie“. Zusammen beschließen sie, Reggie nach Hause zu begleiten, damit dieser an seinem Herrchen für eine Lebenszeit an Erniedrigung Rache nehmen kann – indem er ihm den Penis abbeißt.

Humor vom derbsten und nicht stubenrein
Ja, richtig gelesen! Denn in „Doggy Style“ sprechen die Hunde nicht nur, sondern bedienen sich auch einem Vokabular, dass wirklich jede Grenze des in höflicher Gesellschaft sagbaren deutlich überschreitet. Schlimmer noch: jede mögliche Körperöffnung, die ein Hund (oder Mensch) so haben kann, wird ausdrücklich in den Dialog einbezogen und alles, was da rein und rausgeht, ist von großem Interesse. Wer Hunde liebt weiß, dass sie sich gern am Anus beschnüffeln, Erbrochenes oft wieder auflecken und wahnsinnig gern Sex mit Schienbeinen und Sofakissen haben – und schaut dann geflissentlich weg.
Das ist bei „Doggy Style“ nicht möglich, weil sich die Filmemacher offensichtlich vorgenommen haben, jeden noch so derben Gag einzubauen und im Laufe der 93-minütigen Spielzeit ziemlich häufig zu wiederholen. Was auch gelungen ist.
Was haben die Filmemacher da geraucht?
Unter dem Einfluss von welchen illegalen Substanzen das Drehbuch geschrieben wurde ist nicht überliefert, weil das Presseheft da seltsamerweise keine Aufklärung verschafft – aber man wünscht sich als Zuschauer manchmal durchaus eine Dosis davon.
Aber „Doggy Style“ ist weder „Lassie“ noch „Benji“ und will es so klar nicht sein, dass man durchaus seinen Spaß an einer so radikal politisch unkorrekten Komödie haben kann – vor allem, weil dieses Genre fast ausgestorben scheint und manchmal wohlwollend an der 80er und 90er Filme erinnert, in denen man solche Gags nicht hinter sprechenden Hunden verstecken musste.

Die Rückkehr des derben Humors
Ob nun die „Porky‘s“-Serie, „Eis am Stiel“, „Verrückt nach Mary“ oder die anarchischen Werke des genialen John Waters – zumindest die Älteren unter uns erinnern sich noch an Zeiten, in denen derber Humor im Kino noch einen festen Platz hatte. Diese Filme sind innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte aus unseren Kinos so gut wie verschwunden.
Ja, das Lachen blieb oft im Halse stecken, aber damals gab es keine „Safe Spaces“, sondern nur „persönliche Befindlichkeiten“ – und diese anzugreifen war das Ziel von Filmemachern, die die Grenzen des guten Humors genüsslich überschritten. Und es machte noch Spaß, sich dem auszusetzen. Sexszenen hat „Doggy Style“ zwar keine – das große Sexobjekt des Films ist ein altes Sofa – aber dennoch kann man sich hier wohltuend an die Filme erinnern, in die man sich als Kind kaum traute und von denen man nachher nur Gleichaltrigen erzählte.
Hunde gegen „Political Correctness“
Unter Komikern gibt es eine oft benutzte, aber sehr wahre Maxime. Jeder gute Witz braucht ein Opfer, sein es nun ein Pole, Deutscher, eine Frau, ein Mann. So funktioniert guter Humor – schlechter allerdings auch. „Doggy Style“ hat beides und teilt gehörig aus – so gehörig, wie wir es lange nicht gesehen haben.
Vieleicht werden Filmhistoriker später beschließen, dass der Film der Start einer Gegenbewegung war, die sich gegen die gefühlte Empfindlichkeit des Publikums auflehnte. Und vielleicht ist es auch einfach nur eine derbe Komödie über redende Hunde. Wir werden sehen…
Mehr „Cujo“ als „Benji“ – und absolut nicht stubenrein.
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