Wegen satirischem Bundeswehr-Meme: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schüler aus Freiburg
Ein Beitrag von
Ein satirisches Meme, das die Rekrutierungspraktiken der Bundeswehr an Schulen aufs Korn nimmt, könnte einem Oberstufenschüler teuer zu stehen kommen. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat Anklage wegen Beleidigung gegen den 18-jährigen Schüler vom Angell-Gymnasium in Freiburg erhoben. Ihm wird vorgeworfen, nach einem Vortrag eines Jugendoffiziers bearbeitete Fotos verbreitet zu haben, die dem betroffenen Soldaten „persönliche Verbindungen zur nationalsozialistischen Organisation SS“ sowie eine „verfassungswidrige, menschenverachtende Grundeinstellung“ unterstellen. Die Anklage wurde bereits am 28. August 2025 beim Amtsgericht Freiburg eingereicht; ob es zu einer Hauptverhandlung kommt, entscheidet das Gericht in den kommenden Wochen. Über den Fall hatte die Berliner Zeitung zuerst berichtet.
Der Auslöser: Im Februar 2025 hielt der Offizier vor einer Klasse am Angell-Gymnasium einen Vortrag unter dem Titel „Demokratie verteidigen – aber wie?“. Der Schüler, der zuvor eine Schülerzeitung mitbegründet hatte, die zu Protesten gegen den Bundeswehr-Besuch aufrief, postete im Anschluss auf Instagram ein Meme. Es zeigte den Offizier vor der Klasse mit der Pointe: „Also Kinder, wer von euch würde gerne an der Ostfront sterben?“ Unterstützer ded Angeklagten sehen darin eine „ironische Zuspitzung der Rekrutierungsstrategie der Bundeswehr an Schulen“.
Die Anzeige ging nicht von der Bundeswehr als Institution aus, sondern vom betroffenen Offizier persönlich. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums betonte gegenüber der Berliner Zeitung: „Die Vorgesetzten des betroffenen Mitarbeiters, die laut § 77a des Strafgesetzbuches für die Bundeswehr berechtigt wären, einen Strafantrag zu stellen, haben in diesem Fall keinen gestellt.“

Die Bundeswehr versucht immer wieder, junge Menschen für einen militärischen Berufsweg zu rekrutieren – auch an Schulen.
Linke Bundestagsabgeordnete stellen sich hinter den Schüler
Der Fall hat Wellen geschlagen. Die Schulleitung soll dem Schüler nach dem Posten mit einem Verweis gedroht und ihn in „mehreren unangekündigten Gesprächen“ eingeschüchtert haben, wie eine Unterstützergruppe berichtet. Aus den Akten geht hervor, dass die Schule den Protestaufruf der Schülerzeitung umgehend an die Bundeswehr weiterleitete. In einer E-Mail des Jugendoffiziers an einen Major hieß es: „Die mitdurchführende Lehrerin und Schulleitung stehen 100% hinter mir.“ Zudem wurde der Fall intern als „mögliche Störaktion“ an die Abteilung „MilSich“ (vermutlich militärische Sicherheit) weitergeleitet, was zu „Handlungsempfehlungen“ führte – darunter das Parken des Dienstwagens auf dem Schulgelände.
Solidarität kommt ausgerechnet aus Kreisen der Linken: Über eine „GoFundMe“-Aktion für Anwaltskosten in Höhe von rund 1000 Euro wurden bislang deutlich mehr Spenden gesammelt. Unter den Unterstützern befindet sich etwa Bundestagsabgeordneter Vinzenz Glaser (Linke) und die linke Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke, die schreibt: „Einschüchterung und autoritärer Wahn haben an der Schule nix verloren - die Bundeswehr gehört nicht in Schule!“ Auch der Instagram-Account „kein_verfahren_fuer_bentik“ ruft zur Solidarität mit dem Schüler auf.
Die Proteste von Schülern gegen Bundeswehr-Auftritte an Schulen sind bundesweit keine Einzelfälle. Auch etwa in Leipzig mobilisierten sich Heranwachsende vor einem Vortrag des Militärs an der Bildungseinrichtung; ein 16-Jähriger wurde dort mit einem Schulverweis bedroht. Die Staatsanwaltschaft Freiburg unterstreicht die Unschuldsvermutung und verweist auf eine künftige Hauptverhandlung zur Klärung. Bislang bleibt der Vorwurf der Beleidigung bestehen.
„Niemand hätte erwartet, dass die Bundeswehr wegen eines Memes Anzeige erstattet“
Bentik, der Schüler, der sich mittlerweile von der Schule verabschiedet hat, äußert sich in einem Interview bei perspektive-online zu den Hintergründen. Er beschreibt den Ablauf: „Anfang Februar dieses Jahres hat meine Schule einen sogenannten Jugendoffizier der Bundeswehr zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der unter dem Motto ‚Demokratie verteidigen‘ für die Bundeswehr geworben werden sollte. [...] Beim tatsächlichen Besuch des Jugendoffiziers ist dann zwar nichts passiert, doch im Nachgang wurde auf dem Instagram-Account dieser Schüler:innenzeitung ein Meme gepostet, das sich kritisch gegenüber Aufrüstung und dem Auftreten der Bundeswehr an Schulen äußerte.“
Die Anzeige habe den Schüler überrascht – ebenso wie die Tatsache, dass der Vorfall nun voraussichtlich vor Gericht landet. „Ein Meme fällt doch wohl in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit. Das Ganze ist aber nicht nur komplett absurd, es zeigt auch, zu welchen Mitteln Bundeswehr und Staat greifen, wenn jemand es wagt, den Kurs der Bundesregierung – also Aufrüstung und Militarisierung – öffentlich zu kritisieren.“
Seine Schule, ein Montessori-Gymnasium in Freiburg, habe sich „gegenüber der Bundeswehr sehr kooperativ gezeigt“. Insgesamt fühle es sich „sehr absurd“ an, „wegen so etwas vor Gericht zu stehen, aber trotzdem lasse ich mich davon nicht einschüchtern und werde an meiner Haltung festhalten, dass die Bundeswehr an Schulen nichts zu suchen hat.“
Auch bei NIUS: An einem Donnerstag um 8 Uhr 50 klopfte die Polizei an die Tür von Norbert Bolz – Protokoll eines Anschlags auf die Meinungsfreiheit
Mehr NIUS:
Erste islamische Fakultät Europas in Münster gegründet
Vor einer Woche wurde es fertig: Unbekannte beschmieren Ludwig-II.-Denkmal
Party-Patriotismus zur WM: „Deutschlandflaggen sind hier verboten“
Land Bayern plant Queer-Aufklärung mit Dschihad-Fans
Warum in Chemnitz so viel Crystal Meth im Abwasser ist
Der Heroin-Chic ist zurück: Warum der Diversity-Wahn nichts am Schönheitsideal geändert hat
Mannheim, Göttingen, Hannover und Magdeburg fördern Vereine mit Puppy-Veranstaltungen mit insgesamt einer Million Euro
„Macht das Maul auf!“: Dieter Bohlen über Meinungsfreiheit, Krieg und Xavier Naidoo
Mehr NIUS:
Land Bayern plant Queer-Aufklärung mit Dschihad-Fans
Warum in Chemnitz so viel Crystal Meth im Abwasser ist
Der Heroin-Chic ist zurück: Warum der Diversity-Wahn nichts am Schönheitsideal geändert hat
Mannheim, Göttingen, Hannover und Magdeburg fördern Vereine mit Puppy-Veranstaltungen mit insgesamt einer Million Euro
„Macht das Maul auf!“: Dieter Bohlen über Meinungsfreiheit, Krieg und Xavier Naidoo
Burgerladen wird angefeindet, weil er kein Halal-Fleisch verkauft
„Du schreibst zum Beispiel auch mehr Hassmails bei Hitze“: Moderator Eckart von Hirschhausen drückt der WM seine Klima-Agenda auf
Weil sie Araber und Türken als „größte Gefahr” für Juden bezeichnete: Kölner Theater sagt Auftritt von Autorin Mirna Funk ab
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare