Freihandel mit dem „gefährlichsten Land für Frauen“: Welches Risiko bringen die „Fachkräfte“ aus Indien mit?
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Am 27. Januar beschlossen die EU und Indien ein Freihandelsabkommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach davon, dass Geschichte geschrieben werde, das indische Industrieministerium nannte das Abkommen die „Mutter aller Abkommen“. Während die europäische Seite vor allem den erwarteten wirtschaftlichen Effekt betont, richten sich in Indien die Blicke auch auf erleichterte Konditionen für einen – offiziell temporären – Umzug nach Deutschland.
„Das Freihandelsabkommen schafft einen gesicherten Rahmen für die vorübergehende Einreise und den befristeten Aufenthalt von Fachkräften, darunter Geschäftsreisende, konzernintern entsandte Beschäftigte, vertraglich gebundene Dienstleistungserbringer und selbstständige Fachkräfte“, schreibt das indische Ministerium für Handel und Industrie in einer Pressemitteilung. Damit könnten sich bundesdeutsche Bürger auf eine „Welle von Fachkräften“ aus der „größten Demokratie der Welt“ (Zitat von der Leyen) einstellen.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sorgt für neue Arbeitsmigration aus Indien. Bei seiner Indien-Reise im Januar unterzeichnete er eine Absichtserklärung, indische Pflegekräfte anzuwerben. Durch die Erklärung würden „langwierige und bürokratische Anerkennungsverfahren in Zukunft vermieden“, so Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU).

Narendra Modi (rechts), Premierminister von Indien, und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Die Überrepräsentation von Nichtdeutschen bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Doch wie sieht es bei Indern aus? Schließlich wird „Indien mittlerweile als das gefährlichste Land der Welt für Frauen eingestuft“, berichtet zum Beispiel die FAZ und bezieht sich auf eine Thomson-Reuters-Studie.
100 Vergewaltigungen am Tag – Dunkelziffer immens höher
Die Studie besagt, dass in Indien täglich rund 100 Vergewaltigungen angezeigt werden. Zwischen 2007 und 2016 sei die Zahl um 83 Prozent gestiegen. Im Jahr 2022 wurden 31.516 Vergewaltigungen angezeigt. Dabei ist zu beachten, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen dürfte: Viele Frauen zeigen Vergewaltigungen nicht an, weil Verfahren teilweise sehr lange dauern. 2018 gab es allein 110.000 offene Verfahren wegen Kindesmissbrauchs, titelte das Deutsche Ärzteblatt.
Hinzu kommt, dass das Thema tabuisiert werde: „Polizeibeamte sind oft nicht bereit, Anzeigen aufzunehmen. Opfer und Augenzeugen erhalten keinen Schutz, und medizinische Fachkräfte nötigen Frauen noch immer zu herabwürdigenden ‚Zwei-Finger-Tests‘“, berichtet Human Rights Watch und bestätigt damit die Annahme einer massiven Dunkelziffer.
Manasi Mishra vom Center for Social Research of India erklärt, dass die „Frauen in Indien immer selbstbewusster werden“. Den hohen Zuwachs bei offiziellen Vergewaltigungszahlen führt sie darauf zurück. „Mittlerweile zeigen deutlich mehr Frauen die Taten an.“
SOS-Kinderdörfer schreiben zur Lage von Frauen: „Indien ist nach einer G-20-Studie, die 2012 vorgestellt wurde, das frauenfeindlichste Land unter den großen Nationen der Welt. Grund ist die in der indischen Gesellschaft weitverbreitete Gewalt gegen Frauen und Mädchen.“
Arbeitsmigration ist kein rein ökonomisches Projekt, sondern stets auch ein sicherheitspolitisches – mit allen Risiken, die daraus folgen. Vor allem jenen, die in den Herkunftsgesellschaften längst offen zutage treten.
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