Wokeness schmeckt nicht mehr: Guide Michelin schafft den Grünen Stern wieder ab
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Der Guide Michelin streicht eine umstrittene Auszeichnung: den Grünen Stern für nachhaltige Restaurants. Ein weiteres Stück modischer Wokeness verschwindet damit leise auch aus dem gastronomischen Olymp.
Seit über einem Jahrhundert ist der Michelin-Reiseführer eine unangefochtene Instanz für Qualität in Gastronomie und Hotellerie. Seit 1900 begleitete er Reisende und entwickelte sich mit ihnen: Anfangs als Werkstattführer, später kamen Empfehlungen für Reisen und Übernachtungen hinzu. Heute ist er vor allem für seine Roten Sterne bekannt, mit denen herausragende Restaurants ausgezeichnet werden.
So wie der Michelin-Führer gesellschaftlichen Entwicklungen folgte, öffnete er sich in den letzten Jahren zunehmend ideologischen Trends. 2020 führte Michelin neben den Roten Sternen auch den „Grünen Stern“ ein, als Symbol für besonders nachhaltige Angebote.
Kriterien für den Grünen Stern waren unter anderem Herkunft und Transportwege der Produkte, artgerechte Tierhaltung, regionale Verarbeitung und ein möglichst geringer ökologischer Fußabdruck. In Deutschland und international erhielten zahlreiche Restaurants diese zusätzliche Auszeichnung, oft kombiniert mit dem bekannten Roten Stern.
Nun ist Schluss damit. Michelin hat in diesen Tagen mitgeteilt, dass der Grüne Stern eingestellt wird. Die betroffenen Betriebe dürfen die Auszeichnung künftig nicht mehr werblich nutzen. Ende 2026 soll sie vollständig verschwinden.
Warum der Grüne Stern scheiterte
Michelin selbst begründet die Entscheidung damit, dass der Grüne Stern zu sehr auf die kulinarische Seite beschränkt gewesen sei. Tatsächlich spielten aber auch internationale Unterschiede bei Umweltstandards und unterschiedliche landwirtschaftliche Realitäten eine Rolle. Auch die Schwierigkeit, ein einheitliches Bewertungssystem zu schaffen, machte das Konzept rund um den Grünen Stern offenbar unhandlich.
Kritiker sehen in diesem Schritt aber auch ein stilles Eingeständnis: Die stark ideologisch aufgeladene Nachhaltigkeits-Agenda hat sich in der Bewertungspraxis als problematisch erwiesen. Viele Spitzenköche fühlten sich durch die grüne Auszeichnung teils unter Druck gesetzt, teils instrumentalisiert. Gleichzeitig gab es bei manchen grün ausgezeichneten Betrieben Fragen zu eigentlichen kulinarischen Ansprüchen wie Geschmack, Handwerk oder Konsistenz.
Obschon dieser Wokeness-Trend nach nur kurzer Zeit verabschiedet wurde, versucht sich Michelin direkt an etwas Ähnlichem: dem neuen redaktionellen Format „Mindful Voices“ – kulinarische Achtsamkeit also statt nachhaltigem Grün.
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