„Happy Ramadan“ vor dem eigenen Laden: „Viele fühlen sich unwohl, das Klima wird immer gereizter“
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Jeder Frankfurter kennt die „Freßgass’“: eine Fußgängermeile in der Innenstadt mit Gastro-Ständen, Restaurants, Geschäften, buntem Treiben. Jetzt kennt ganz Deutschland die Straße, aber aus anderen Gründen. Am Sonntagabend erstrahlte der Schriftzug „Happy Ramadan“ sowie leuchtende Halbmonde über der Straße, unter Allahu-Akbar-Rufen von Besuchern, die das Ereignis auf dem Smartphone festhielten.
Doch nicht bei allen stößt die Beleuchtung auf Begeisterung. Die Straße, fürs „Fressen“ bekannt, wird zum Symbol muslimischer religiöser Gebote. Was sagen die ansässigen Geschäftsleute?
NIUS hat nachgefragt. Das sind die Antworten:
„Das Klima wird immer gereizter“
Wen Wang ist Inhaberin des Friseursalons „Hair Palace“ in der Freßgass’. Ihre Kunden sehen die Beleuchtung „zu 99 Prozent“ kritisch, wie sie sagt: „In der Öffentlichkeit machen die Deutschen ja nicht den Mund auf, aber bei mir im Salon sprechen sie offen. Sie finden, eine solche Verzierung habe in einem katholischen Land nichts zu suchen. Viele fühlen sich in der Freßgass’ unwohl, das Klima wird immer gereizter.“
Sie selbst ist Buddhistin und findet, jeder solle seinen Glauben frei ausleben dürfen – in den eigenen vier Wänden oder in der eigenen Heimat. Dass ihr Salon die Beleuchtung quasi vor die Nase gesetzt bekam und die Stadt dafür 75.000 Euro Steuergeld ausgab, macht sie sprachlos.

Funkelnde Halbmonde zum muslimischen Fastenmonat in der Frankfurter Freßgass’
„Menschen, die fasten, sind Teil von Deutschland“
Anil ist Betriebsleiter der „Victory Bar“ in der Freßgass’. Auf seinen Umsatz habe die Beleuchtung keinen Einfluss. Ruhiger geworden sei es bei ihm in der Bar bloß, weil viele wegen Ramadan fasten. Er selbst hält den „Happy-Ramadan“-Schriftzug für eine „schöne Geste“. Anil stammt aus Afghanistan.
„Ich habe als Kind den Krieg miterlebt. Jetzt lebe ich seit 33 Jahren in Deutschland und habe nur noch diese Heimat.“ Zurzeit seien Muslime nicht besonders beliebt, die AfD wolle sie nicht im Land haben. „Dabei sind Menschen, die fasten, Teil von Deutschland.“
„Das ist fair, Muslime zahlen hier Steuern“
Ähnlich sieht es der Mitarbeiter eines Gastrobetriebs, der anonym bleiben möchte: „Muslime leben hier seit Jahrzehnten, arbeiten und zahlen Steuern. Dann ist es fair, ihnen auch einmal im Jahr für 30 Tage etwas zurückzugeben. Warum sollte die Beleuchtung einen schlechten Einfluss haben?“ Seine muslimischen Kunden würden sich freuen, dass ihre heiligen Tage Anerkennung gezeigt bekommen. Nur Deutsche störten sich an der Beleuchtung und dem dafür ausgegebenen Steuergeld. Auch er hat wegen der islamischen Fastenzeit tagsüber weniger Umsatz, zur Einweihung der Beleuchtung hätten sich dafür viele Menschen in der Straße getroffen und konsumiert.
„Die eigene Religion ist im Rückgang“
Auch auf das Zigarrengeschäft Vabajo in einer Seitenstraße der Freßgass’ hat die Beleuchtung keine wirtschaftlichen Auswirkungen. „Sie interessiert kaum jemanden, ob Moslem, Christ oder Jude“, sagt Betreiber Toni Papadopolous. Er persönlich findet es jedoch schade, dass in einem christlichen Land die eigene Religion im Rückgang sei, andere Religionen sich jedoch nach vorne drängten. Insofern sei die Beleuchtung ein schlechtes Zeichen für die Integration. Papadopolous selbst ist griechisch-orthodox.
Die meisten Geschäftsinhaber, mit denen man spricht, wollen sich jedoch „zu diesem Thema“ lieber nicht äußern. Einer sagt: „Wir haben uns schon genug aufgeregt“.
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