Historiker Andreas Rödder über das Sylt-Video: „Wir tun gut daran, nicht ständig in diese Empörungs-Schnappatmung zu verfallen!“
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Mittlerweile hat wahrscheinlich jeder Bundesbürger mitbekommen, dass an Pfingsten betrunkene Schnösel rassistische Parolen gerufen und dazu getanzt haben. Schließlich konnte man diesem kurzen Clip in den sozialen Netzwerken gar nicht entkommen. Die Geschichte hätte hier bereits enden können – hässliches Video, die Polizei kümmert sich und in Deutschland entscheiden Gerichte darüber, ob jemand verurteilt wird oder nicht.
Im Fall des Sylt-Videos trat allerdings der links-woke Internetpranger auf den Plan, veröffentlichte Adressen, Namen und Arbeitgeber der auf dem Video zu sehenden Personen. Die Konsequenzen: Nicht nur soziale Ächtung, sondern Jobverluste und die Diskussion um die Exmatrikulation einer der Beteiligten.
Deutschland liebt „Empörungs-Spiralen“
Historiker Andreas Rödder, der klar betont, dass er den Inhalt des Videos bedenklich und geschmacklos findet, sieht jedoch die problematischen Mechanismen, die der Clip in den vergangenen Tagen hervorgerufen hat. „Wir erleben kollektive Erregungszustände in Deutschland, die uns nicht guttun“, sagt er im Nachrichten-Talk „Stimmt!“. „Überschlagende Hysterie, Empörungs-Spiralen – wir tun gut daran, nicht ständig in diese Schnappatmung zu verfallen.“

Maßgeblich zu den psychotischen Zuständen haben auch die Medien beigetragen, die sich den Nazi-Vergleich wieder einmal nicht verkneifen können.
Bedenklich sei außerdem, dass stetig mit zweierlei Maß gemessen werde. „Wenn das Kalifat ausgerufen wird, geht es ziviler zu“, bemerkt der Historiker mit Hinblick auf radikal-islamistische Demos, die in den vergangenen Wochen in Hamburg einen Gottestaat auf deutschem Boden gefordert hatten. Klar sei allerdings: „Man darf die Eigengesetzlichkeit der sozialen Medien nicht unterschätzen“. Empörung, Wut und Ärger verbreiteten sich deutlich schneller als Positivmeldungen.
Über die Reaktionen aus der Politik schüttelt Rödder nur lächelnd den Kopf. „Ich finde es großartig, dass die Bundestagspräsidentin der Justiz Tipps gibt“. Bärbel Bas hatte „die Höchststrafe“ für die Übeltäter von Sylt gefordert.
Die ganze Sendung „Stimmt!“ gibt es hier:
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