Israelischer Botschafter warnt: „Der linke Antisemitismus ist für mich der gefährlichste“
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Der israelische Botschafter in Deutschland differenziert zwischen linkem, rechtem und islamistischem Antisemitismus. Und erläutert, welchen er für den gefährlichsten hält.
Man muss gar nicht nach Paris schauen, wo sogenannte Palästina-Aktivisten im Stil einer Schlägertruppe ein Konzert des Israel Philharmonic Orchestra in der Philharmonie mit Brandfackeln störten und Zuschauer attackierten. Auch in Deutschland schreitet der Antisemitismus voran, an Universitäten, in Kultur und Politik, auf der Straße. Und längst dominiert nicht mehr jener rechtsextreme Antisemitismus, vor dem routinehaft gewarnt wird.
Ron Prosor lässt sich davon nicht blenden. Der israelische Botschafter in Deutschland kennt den Ernst der Lage. Er weiß, unter welchen Zuständen Juden in der Bundesrepublik leiden – und dass diese Zustände immer schlimmer werden. Auf die Frage der Berliner Morgenpost, „aus welcher Ecke“ denn der Antisemitismus gefährlicher sei, antwortet Prosor: Der islamistische Antisemitismus sei zwar „brandgefährlich, weil er die demokratische Ordnung wie ein trojanisches Pferd unterwandert. Damit lernt man jedoch umzugehen.“
Der linke Antisemitismus sei aus seiner Sicht „noch gefährlicher, weil er seine Absichten verschleiert. Er bewegt sich immer an der Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit – und hat diese Grenze inzwischen deutlich überschritten. Deshalb ist der linke Antisemitismus für mich der gefährlichste.“

Am Wochenende erinnerte Prosor zusammen mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner an die Novemberpogrome.
Der Interviewer mag die Antwort kaum glauben und setzt nach: Der linke Judenhass sei gefährlicher als der islamistische? Prosor beharrt: „Absolut. Hier in Europa sieht man es an den Hochschulen und an den Theatern. Man gibt sich gebildet, moralisch und politisch korrekt. Aber die rote Linie dessen, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist längst überschritten. Tag für Tag wird Israel dämonisiert und delegitimiert, die Folgen sind für alle Juden spürbar. Noch ist es ein Skandal, dass ein israelischer Dirigent von einem Festival in Belgien ausgeladen wird, doch die Räume des Sagbaren verschieben sich.“
Das Flanders Festival Ghent hatte ein für September geplantes Gastspiel der Münchner Philharmoniker unter Leitung des israelischen Dirigenten Lahav Shani abgesagt. Als Grund wurde angegeben, dass Shani auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra sei und seine Haltung zur israelischen Regierung nicht klar sei. Der Schritt traf in Deutschland auf scharfe Kritik. Dem Festival wurde Antisemitismus vorgeworfen. Der belgische Regierungschef Bart De Wever ging klar auf Distanz und sprach von Schaden für sein Land.
Prosor: „Geht besser nicht mit einem Davidstern die Neuköllner Sonnenallee entlang“
Prosor sagte, Juden in Deutschland hätten Angst. Viele kauften jetzt Wohnungen in Israel, wie es zuvor schon französische Juden gemacht hätten. Er werde angerufen und gefragt, ob es sicher sei, nach Berlin zu kommen. Er antworte dann: „Ja, es ist sicher – geht aber besser nicht mit einem Davidstern die Neuköllner Sonnenallee entlang.“
Das Bemerkenswerteste an diesem spektakulären Interview ist der Umstand, dass Prosor zwar nach rechtem Antisemitismus gefragt wird, darauf aber nicht eingeht. Für den Botschafter ist die Reihenfolge der Gefahren klar. Erst kommt laut Prosor der linke, dann der islamistische Judenhass und dann eine Weile nichts. Für alle Arten aber gelte: „Worte sind nicht genug, um diesen Antisemitismus zu bekämpfen. Es müssen Taten folgen.“ Da dürften sich Bundeskanzler Merz und Berlins Regierender Bürgermeister Wegner besonders gemeint wissen.
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