Kabarettist Dieter Nuhr: „Warum ich nicht mehr links bin“
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Der Kabarettist Dieter Nuhr hat zusammen mit anderen Autoren wie Harald Martenstein oder Henryk M. Broder seine Gedanken zum Thema „Wenn das Denken die Richtung ändert: Warum wir nicht mehr links sind“ niedergeschrieben. Das Buch erscheint am 10. März bei Kohlhammer.
NIUS dokumentiert Dieter Nuhrs Beitrag in Auszügen:
„Da das vermeintlich Linke in großen Teilen unserer Medien, an Hochschulen und in der Kultur zur moralischen Norm erhoben wurde, sollten wir uns nicht wundern, dass es denen, die dagegen angehen, zunehmend egal ist, wenn sie als rechts bezeichnet werden. Die Linke hat jahrelang jeden als rechts diffamiert, der den Beitritt zur Sekte verweigerte. Wo aber schon der aus Erfahrung migrationsskeptische Familienvater einer schulpflichtigen Tochter zum Nazi erklärt wird, darf sich auch der echte Nazi fühlen, als sei er in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Brandmauer wurde so schon vor Jahren von der Linken eingerissen.
In der allgegenwärtigen ritualisierten Empörung kommt die Mitte nur noch selten zu Wort, obwohl sie immer noch das breite Rückgrat der Gesellschaft bildet. Die Mitte, das sind die, die alles am Laufen halten und immer öfter das Gefühl haben, nicht dazugehören zu werden. Das obere eine Prozent auf der Einkommensskala zahlt ungefähr ein Viertel der Einkommenssteuer, die oberen zehn Prozent zahlen weit über die Hälfte, die obere Hälfte des Einkommens zahlt 95 Prozent, die untere Hälfte also gut wie nichts. Wenn man aber Linke fragt, dann wird Vermögen bei uns von unten nach oben umverteilt. Das ist absurd. So fühlen sich heute viele Steuerzahler missachtet und ohnmächtig. Wen wundert es, dass sie sich von der Politik nicht mehr vertreten fühlt?
Im Gleichschritt gehen, damit niemand zuerst ans Ziel kommt
Leistung wird in unserem Land misstrauisch beäugt. Statt Ehrgeiz zu fördern, haben linke Pädagogen dafür gesorgt, dass Schüler kaum noch Wettbewerb ausgesetzt werden. Es wird den Kindern beigebracht, dass es nicht richtig ist, besser sein zu wollen als die anderen. Unsere Schulen erzeugen massenhaft Gestalten, die beim Wettlauf im Gleichschritt gehen, damit niemand zuerst ins Ziel kommt. Auf den Spielplätzen hört man Eltern rufen: Lauf nicht, sonst fällst du hin! Die nächste Generation wird wahrscheinlich schon beim Sitzen einen Sturzhelm tragen, um sich für den Fall abzusichern, dass man vom Stuhl fällt.
Betonköpfe nerven
Als ich aus der Linken herauswuchs, wurde ich nicht rechts. Ich kam lediglich im realen Leben an. Ich hatte die Theorie verlassen und die Praxis beratschlagt. Heute habe ich begriffen: Egal, ob links oder rechts, Betonköpfe nerven. Radikalisierte sind unglückliche Menschen, die ihre Lebensunfähigkeit in Wut ableiten. Ein bisschen Entspannung könnte unserer Gesellschaft nicht schaden. Wir müssen wieder lernen, den Andersdenkenden auszuhalten. Auch wenn er rechts ist, weil er Fleisch isst, Auto fährt oder in den Urlaub fährt.“
Mehr NIUS: Dieter Nuhr bei „Schuler! Fragen, was ist“
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