Kabarettist Vince Ebert: „Wir leben in einer unfassbar verklemmten, spießigen Biedermeierzeit“
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- Kabarettist Vince Ebert beklagt eine Diskussionskultur, in der es nur noch um Unterschiede zwischen den Menschen gehe.
- Durch die ständige Betonung von Unterschieden ginge die Ansicht verloren, dass wir alle gleich sind.
- Menschen hätten Angst, Dinge zu sagen, die irgendjemanden beleidigen könnten.
Vince Ebert ist seit Längerem bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um die deutsche Politik geht. Vor allem auf Facebook versorgt der Kabarettist seine nunmehr 48.000 Follower regelmäßig mit Postings zum Zeitgeschehen. Die Themen reichen von der Klimapolitik der Ampel, über Wokismus bis hin zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Unideologisch und zumeist unaufgeregt - das beschreibt die Äußerungen des studierten Physikers recht gut.
Ebert platzt der Kragen
Doch jetzt ist Ebert für seine Verhältnisse ordentlich der Kragen geplatzt. Grund dafür? Die woke Identitätspolitik, in der es ständig nur „um Unterschiede und persönliche Empfindlichkeiten“ gehen würde.
„Wir leben in einer unfassbar verklemmten, spießigen Biedermeierzeit.“, beginnt der 55-Jährige seinen Rant. „Jeder Halbsatz wird moralisch aufgeladen, jeder hat Angst, irgendetwas zu sagen, was irgendjemanden irgendwie beleidigen könnte. Weil wir besessen von Unterschieden sind.“
Dann bezieht sich Ebert auf seine Jugend in den Achtzigern:
„Ich bin ein Kind der Achtziger. Uns hat es null interessiert, dass Freddy Mercury bi war, ob sich Michael Jackson als schwarz oder weiß gesehen hat, oder welches Geschlecht Boy George hatte. Es war nicht wichtig. Die haben geile Musik gemacht. Darum ging es. Die Crew in der Serie Raumschiff Enterprise bestand aus einer bunten Mulitkulti-Truppe, die Frauenquote lag deutlich über dem Durchschnitt, und mit Mr. Spock wurde sogar ein Autist in die Geschäftsleitung integriert. Lange bevor es das Wort Diversity und Inclusion gab. Und zu seinen Anfangszeiten als Kabarettist: „Als ich auf der Bühne angefangen habe, war der beste Rapper weiß, der beste Golfer war schwarz und der deutsche Außenminister war schwul. Und es war kein großes Thema. Heute drehen die Leute durch, wenn man sie mit einem falschen Pronomen anspricht.“
Da hat jemand Wut im Bauch. Und Ebert sagt auch, was aus seiner Sicht die Ursache für all den Wahnsinn ist.

Vince Ebert ist sauer
„Es nervt kolossal“
„Ständig bläht man die Unterschiede zwischen Hautfarben und sexuellen Orientierungen zu bombastischen Gegensätzen auf und bewirkt damit das genaue Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte: Dass wir alle gleich sind. Dass es wurscht ist, wie jemand aussieht, als was er sich identifiziert oder mit wem er Sex hat. Diese Selbstverständlichkeiten verlieren wir gerade. Weil es nur noch um Äußerlichkeiten, um Unterschiede und um persönliche Empfindlichkeiten geht. Es nervt. Es nervt kolossal.“
Bei seinen Followern trifft er damit einen Nerv. „Das war bisher, so ziemlich, einer deiner besten Kommentare, lieber Vince, weil er sich mit der Erfahrungswelt einer ganzen Generation deckt“, schreibt etwa einer der Leser. Eine Frau schreibt: „So ist es! Unterschreibe ich sofort! Wenn ich heute höre, alles ist modern, könnte ich lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Nein, alles ist verklemmter. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt.“
Ebert selbst versteht übrigens nicht, warum Politkabarettisten links sind. In einem Posting Ende vom 27. Juli erklärt: „Eigentlich sind sie die Zahnärzte der Künstlerbranche: selbständig, besserverdienend und sie machen ihr Geld mit dem Mundwerk.“
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