Arzt im Hamburger Problemviertel Steilshoop: „Es macht mich wütend, dass diese Kinder noch nicht im Kindergarten, aber schon in der Koranschule sind“
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Er ist der letzte Kinderarzt im Hamburger Problemviertel Steilshoop – Adnan Akbaba. Er hat das Gefühl, so sagte er es der Welt, auf einem sinkenden Schiff zu sitzen. Von einer funktionierenden ärztlichen Grundversorgung kann in diesem Bezirk keine Rede mehr sein, auf knapp 20.000 Menschen kommt ein Hausarzt. In den vergangenen Jahren machten viele Arztpraxen zu oder zogen in andere Stadtteile. In der Welt beschreibt Akbaba seinen Berufsalltag.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Warum ich eine Praxis im Problembezirk eröffnet habe
„Ich arbeite als Kinderarzt in Hamburg-Steilshoop, und ich glaube immer noch an das Gute. Ich habe meine Praxis hier eröffnet, weil ich Kindern vermitteln will, dass auch sie an das Gute glauben sollen, egal, was sie um sich herum sehen. Das ist wichtig, weil Steilshoop ein Ort ist, der momentan wenig Hoffnung birgt.“
Deshalb bin ich Kinderarzt geworden
„Ich bin selbst in einem Problemviertel aufgewachsen. Mit fünf Jahren kam ich als Kind türkischer Gastarbeiter nach Deutschland. Wir waren zu zehnt. Mein Vater, meine Mutter und wir acht Kinder. Ich habe selbst Erfahrungen mit prekären Verhältnissen gemacht. Meine Mutter brachte uns Kinder allein durch, ohne je Lesen und Schreiben gelernt zu haben. Letztlich bin ich auch deshalb Kinderarzt geworden, weil ich meiner Mutter etwas beweisen wollte. Und zwar, dass das, was sie mit uns durchgemacht hat, es wert war. Deutschland war unsere große Chance – und wir haben sie genutzt.“
Wie sich das Brennpunktviertel Steilshoop verändert hat
„Rund 19.800 Menschen leben hier. Vor sechs Jahren gab es hier noch zehn Hausärzte. Heute gibt es nur noch einen Allgemeinmediziner und mich. Ich weiß von Eltern, die keinen Arzt finden, bei dem sie ihr Baby für die vorgesehenen Früherkennungsuntersuchungen vorstellen können. Die Ärzte, die hier waren, sind umgezogen. Von den etwa 1800 Patienten, die ich pro Quartal behandle, sind etwa 20 Privatzahler. Da das Gebäude, in dem sich meine Praxis befindet, fast leer steht, gibt es weder Hausmeister noch Sicherheitsdienst. Im Treppenhaus stinkt es nach Fäkalien. Ich könnte es mir erlauben, die Praxis zu schließen. Aber ich frage mich: Was soll dann aus den Kindern werden? Ein Arzt, der weggeht, ist wie ein Kapitän, der vor allen anderen das Schiff verlässt. Auch ich fühle mich manchmal, als stünde ich auf einem sinkenden Schiff. Häufig ist der Andrang so groß, dass die Praxistür geschlossen bleibt. Es sind einfach zu viele Patienten.“
Über die Eltern im Problemviertel
„Wir bekommen Kinder zu sehen, bei denen wir früh feststellen, dass sie bei ihren Eltern nicht gut aufgehoben sind. Das Problem ist: Wir sehen diese Kinder zu selten, um konkrete Anhaltspunkte an das Jugendamt weiterleiten zu können. Viele besuchen keine Kita. Kommt einer unserer kleinen Patienten in eine Unterbringung oder bei Pflegeeltern unter, wird uns das gemeldet. Wir atmen dann auf, weil wir wissen, das Kind ist in Sicherheit. Aber oft dauert es nicht lange, und die Mutter sitzt mit einem neuen Baby im Wartezimmer.“
Was die Politik falsch macht
„Ich verstehe nicht, warum die Politiker so viele Menschen ins Land lassen, ohne wirklich einen Plan für die zu haben. Wenn wir Zuwanderer nicht fördern und fordern, dürfen wir nicht mehr von ihnen aufnehmen. Und wenn wir es doch tun, dürfen wir uns nicht wundern, dass wir uns selbst sozialen Sprengstoff heranzüchten. Es macht mich wütend, wenn ich höre, dass die Kinder dieser Neuankömmlinge nicht im Kindergarten, jedoch schon in einer Koranschule angemeldet sind.“
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