Kirchengemeinde in Hamm schmeißt Messdiener wegen AfD-Engagement raus
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Die katholische St. Franziskus von Assisi Gemeinde in Hamm ist kein Ort, an dem sich AfD-Mitglieder engagieren dürfen: Der örtliche Pfarrer Ralf Dunker hat Anfang Juli einem 20-jährigen Gemeindemitglied mitgeteilt, dass sein kirchliches Engagement ruhen müsse, solange er sich in der AfD engagiere. Den Fall hat der Betroffene selbst per Pressemitteilung öffentlich gemacht, auch der Westfälische Anzeiger berichtet darüber.
Bei dem 20-Jährigen handelt es sich um Julian-Bert Schäfer aus Hamm. In der Kirche engagiert sich Schäfer eigenen Angaben zufolge als Messdiener, Beerdigungs-Organist und Lektor. Gleichzeitig ist er seit vier Jahren Parteimitglied der AfD und arbeitet als Büroleiter der AfD-Fraktion im Rat der Stadt Hamm. Zu seinen Aufgaben gehören nach eigenen Angaben Bürgerdialog und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch die statistische Aufbereitung von Finanzposten. Schäfer ist zudem Beisitzer im Vorstand des AfD-Kreisverbandes Hamm und Bürgervertreter der AfD im Ausschuss für Familie, Kinder- und Jugendhilfe.

Mehr als 170.000 Menschen leben in der Gemeinde Hamm in Nordrhein-Westfalen. Bei der Europawahl holte die AfD hier fast 17 Prozent der Stimmen.
„Wuchernde Ideologie“ sei unvereinbar mit Christentum
Warum darf sich Schäfer nun also nicht mehr in der Kirche engagieren und dort die Orgel spielen? Gegenüber dem Westfälischen Anzeiger führte Pfarrer Ralf Dunker aus, dass er von „zwei Mitgliedern aus der Gemeinde auf die Rolle Schäfers angesprochen wurde“. Nach Absprache mit dem Erzbistum Paderborn sei er schließlich tätig geworden und habe den 20-Jährigen mit seiner Parteimitgliedschaft konfrontiert.
Demnach sei Schäfer in einem mündlichen Gespräch mitgeteilt worden, er solle die ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde ruhen lassen, solange er für die AfD aktiv und öffentlich tätig ist. Nach Informationen von NIUS fand die Unterredung am 4. Juli statt, kurz bevor Schäfer am gleichen Tag zu seinem Dienst als Messdiener in der Hammer Liebfrauenkirche erschien.
Dabei verweist Pfarrer Ralf Dunker in seiner Argumentation nicht auf die Parteizugehörigkeit an sich, sondern auf Schäfers öffentliche und aktive Rolle. Wenn der 20-Jährige seine Funktionärstätigkeit aufgebe, so Dunker gegenüber dem Westfälischen Anzeiger, könne er sich wieder in der St. Franziskus von Assisi Gemeinde engagieren. Dabei berufe sich die Gemeinde auf eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz vom Februar 2024, in der es heißt, völkischer Nationalismus und Christentum sind „unvereinbar“: „Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar“, heißt es weiter.

Die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz.
Allerdings ist die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz auch in Glaubenskreisen Gegenstand von Kontroversen. Prof. Dr. Thomas Schüller, Kirchenrechtler und Institutsdirektor der Universität Münster, hat etwa mehrfach ausgeführt, dass politische Orientierung kein Grund für den Ausschluss von ehrenamtlichen Tätigkeiten sein kann: „Man darf keinen Ehrenamtlichen in der katholischen Kirche wegen einer Parteizugehörigkeit ausschließen. Es muss faktisch ein antisemitisches oder rassistisches Verhalten dazukommen“, so Schüller.
Sind AfD-Mitglieder schlechtere Christen?
Auch Schäfer verweist darauf, dass er sich nie rassistisch oder antisemitisch geäußert habe. In der Pressemitteilung der AfD Hamm schreibt der 20-Jährige, dass das Grundgesetz „die Gleichheit vor dem Gesetz garantiere“ und „eine Benachteiligung aufgrund politischer Überzeugungen untersage“. Außerdem empfinde er es als „empörend“, dass ein Pfarrer willkürlich darüber entscheide, „welche politischen Überzeugungen mit der Teilnahme am kirchlichen Leben vereinbar sind“.
Schäfer kündigte zudem an, rechtliche Schritte gegen seinen Ausschluss einzuleiten. Mit seinem Anwalt wolle er in einem ersten Schritt bei der Gemeinde eine Begründung für den Ausschluss, die Dauer desselben und die Bedingung für eine Rücknahme einfordern. Nach Informationen von NIUS berät Schäfer ein Jurist aus AfD-Kreisen. Zudem beharrt Schäfer darauf, dass noch nie ein Ehrenamtler wie er wegen Parteizugehörigkeit ausgeschlossen wurde.
In einer E-Mail an Dunker und die Gemeinde vom 6. Juli, die NIUS vorliegt, schreibt der 20-Jährige: „Mit 14 Jahren habe ich mich dazu entschlossen, als ich in einem Hammer Kinderheim gelebt habe, katholisch zu werden, weil ich in Christus und seiner Kirche ein Zuhause gefunden habe.“ Nun wolle ihn die Gemeinde „vom kirchlichen Leben, in dem ich seit Jahren meine Heimat gefunden habe, ausgrenzen.“ Auch konfrontiert er die Gemeinde mit sechs Fragen und will etwa Beispiele für antisemitische und rassistische Äußerungen, auf die sich Dunker und die St. Franziskus von Assisi Gemeinde beziehen. Die letzte Frage, die Schäfer schriftlich formuliert, lautet: „Die konservative Wertepartei wird von Millionen Christen in Deutschland gewählt. Sind diese, aus Ihrer Sicht, schlechtere Christen und müssen benachteiligt werden?“
Weiter heißt es: „Ich persönlich erhoffe mir, dass Sie Ihre Entscheidung überdenken und bitte Sie, mir in der nächsten Woche eine schriftliche Antwort zukommen zu lassen.“
Nach Informationen von NIUS blieb Schäfers Brief bis heute unbeantwortet.
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Jan A. Karon
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