Klima-Kreuzzug gegen die Mehrheit: Wer das Brandenburger Tor besudelt, attackiert das ganze Land
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Ich weiß nicht mehr, wie oft ich dort in Ost-Berlin stand, wo jetzt der Pariser Platz in Berlin beginnt, und auf das blickte, was sie in der DDR den „antiimperialistischen Schutzwall“ nannten: die Berliner Mauer. Von einer Sperre in Höhe der Wilhelmstraße sah man über einen kahlen Platz bis zu der kahlen Betonwand, die in Wahrheit aus brückenförmigen Quadern bestand, auf denen stumme Grenzer patroullierten.
Den Weg nach Westberlin konnten sie mir versperren, den Blick auf das Brandenburger Tor mit der Deutschlandfahne nicht!
Kein Bauwerk, kein Mahnmal, kein Symbol steht weltweit so für Deutschland und die Deutschen. Es steht für das Ende der napoleonischen Kriege, hat die letzten deutschen Kaiser gesehen, die gruseligen Fackelzüge mit braunen Hemden und glühenden Augen, ist Symbol der Teilung und der Wiedervereinigung. Ein Nationalsymbol Deutschlands.
Jetzt haben Chaoten, vorgeblich im Namen der Umwelt, das letzte und schicksalhafteste von ehemals 18 Berliner Stadttoren mit Farbe beschmiert, die aus dem porösen Sandstein kaum wieder zu lösen ist, ohne das Bauwerk zu beschädigen. Den ersten Wettlauf mit der Zeit haben Spezialfirmen verloren, weil die Farbe verhärtet. Das Brandenburger Tor wurde besudelt. Alle sechs Säulen wurden mit orangener Farbe angesprayt, die Reinigung soll 35.000 Euro kosten, von der ausführenden Firma heißt es: durch die Hochdruckreinigung könne es „lokal zu oberflächennahen Beeinträchtigungen kommen“.
Mit anderen Worten: Das geht nicht einfach so ab, da bleiben dauerhaft sichtbare Schäden am Denkmal. Es ist ein Farbanschlag auf unsere Demokratie.

Am Sonntag sprayten Aktivisten orangene Farbe mit Feuerlöschern an das Brandenburger Tor.
Ich weiß nicht, was in anderen Ländern los wäre, wenn Kriminelle mutwillig Nationalsymbole ruinierten. Würden es die Franzosen hinnehmen, wenn der Arc de Triomphe beschmiert oder der Eiffelturm angesägt würde? Würden die Brasilianer es okay finden, den Jesus von Rio zum vermeintlichen Aufrütteln vom Sockel zu stoßen? Was wäre, wenn Vandalen die Prager Burg auf dem Hradschin beschädigen oder die Hagia Sofia in Istanbul verdrecken würden?
Was diese selbst ernannte „Letzte Generation“ antreibt, ist längst nicht mehr Protest, es ist kein Aufrütteln oder Zeichensetzen für den Klimaschutz, es ist ein blindwütiger Kampf gegen alle und alles. Es ist eine Guerilla unter unseren Augen, die das Grundgesetz-Denkmal am Bundestag genauso angreift, wie das gesamte Gemeinwesen.
Die Bonner Soziologin Maria-Christina Nimmerfroh hat die militante Gruppierung untersucht, hat sie von innen beobachtet und eine Splittergruppe vorgefunden, die ganz bewusst weder Mehrheiten sammeln, noch Menschen überzeugen oder mitnehmen will und Demokratie für ein reaktionäres Hindernis für den Klimaschutz hält. Und das auch im Innern der eigenen Struktur.

35.000 Euro kosten die Säuberungsarbeiten, es ist nicht garantiert, dass alles rückstandsfrei verschwindet.
Erpressungsversuch und Kriegserklärung an die Mehrheit
Es gibt keine Regeln, keine Tabus, im Grunde auch keine Strategie, sondern nur den zerstörerischen Erpressungsversuch der Gesellschaft. Den Rest der Gesellschaft dort treffen, wo es wehtut. Ins Mark der Gemeinschaft. Es ist ein im Grunde von Fanatismus getriebener und in seiner für Normaldenkende völligen Aussichtslosigkeit fast schon wieder verzweifelter Kreuzzug gegen die Mehrheit.
Es ist an der Zeit, dass der Rechtsstaat diese Kriegserklärung an die Mehrheit nicht nur ernst, sondern auch annimmt. Wenn es um die Klimaschutz-Botschaft ginge, dann wäre sie längst angekommen. Eine Demokratie entscheidet nach Mehrheiten. Die haben die vermeintlichen Aktivisten nicht. Wer aber anstelle der demokratischen Regeln auf die Zermürbung der Zivilgesellschaft setzt, sollte damit nicht länger durchkommen. Demonstrationsfreiheit bedeutet, Zeichen setzen zu können, laut und sichtbar zu sein und damit Mehrheiten zu gewinnen. Das ist deutlich erkennbar längst nicht mehr das Ziel der Mikro-Radikalinskis.
Es geht inzwischen auch nicht mehr um bloße Lästigkeit von Verkehrsstaus, sondern um demokratische Grundprinzipien, auf denen die selbst ernannte Letzte Generation herumtanzt und Partikularinteressen mit feudalistischer Absolutheit durchsetzen will.
Das müssen wir nicht hinnehmen. Und wir sollten es auch nicht länger hinnehmen, sondern alle rechtstaatlichen Mittel ausnutzen, diesen intellektuellen Amokläufern ebenfalls ein Zeichen zu setzen: Stop!
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Ralf Schuler
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