Kommende Woche startet das Oktoberfest: Viel Bier, kein Joint – und mehr Sicherheit
Ein Beitrag von
Noch wird hinter dem Bauzaun auf dem Wiesn-Gelände geschraubt und gehämmert. Letzte Arbeiten. Ab nächsten Samstag werden die Wiesn-Fans die Bierzelte stürmen. Dann heißt es „Ozapft is“ zum Oktoberfest. Millionen Besucher werden bis 6. Oktober zur Wiesn erwartet, die als größtes Volksfest der Welt gilt. Nach dem jüngsten islamistischen Terror in Solingen steht die Frage nach der Sicherheit einmal mehr im Fokus.

Bereits im Juli starteten die Zeltbauer mit ihren Arbeiten für das diesjährige Oktoberfest
Wie steht es auf der Wiesn um die Sicherheit?
Gleich vorab: Konkrete Gefährdungshinweise gibt es laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nicht. Die abstrakte Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus sei aber hoch. Die Sicherheitsbehörden seien höchst wachsam, jedem Hinweis werde akribisch nachgegangen. Für die Wiesn gibt es ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept: Kontrollen an den Eingängen, ein Verbot für große Taschen, Messer und Glasflaschen, hohe Polizeipräsenz, versenkbare Poller und Beton-Blumenkübel gegen Auto-Attacken.
Als Konsequenz aus jüngsten Taten verschärft die Stadt die Maßnahmen weiter. Bei Kontrollen werden erstmals stichprobenartig und verdachtsabhängig Hand-Metalldetektoren eingesetzt. Laut Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) wird es zudem mehr Ordner geben. Auch die Wirte wollen teils strenger kontrollieren, etwa an den Seiteneingängen der Zelte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der am 21. September das Fest eröffnet, unterstrich, es werde alles getan, um die Wiesn-Gäste zu schützen.

Münchens OB Dieter Reiter (SPD)
Darf auf der Wiesn gekifft werden?
Nein. Bayern hat das Kiffen auf Volksfesten und in Biergärten per Landesgesetz verboten. Zwar untersagt das Cannabisgesetz des Bundes das Kiffen in unmittelbarer Nähe von Minderjährigen – faktisch also auf Volksfesten, wo auch Kinder und Jugendliche unterwegs sind. Schausteller hatten dennoch eine Regelungslücke beklagt. Auch die Wiesn-Wirte begrüßen die strikte bayerische Regelung. Sie bringe Klarheit und erspare einen möglichen Disput mit kiffenden Gästen.
Was kostet das Bier?
Dieses Jahr ein kleiner Aufschrei: Der Preis für die Maß knackt die 15-Euro-Marke.
Sie kostet zwischen 13,60 und 15,30 Euro. Dabei bekommt man beim extra nach geheimen Rezepten gebrauten Wiesn-Bier mehr Alkohol fürs Geld: Der Alkoholgehalt liegt bei etwa sechs Prozent. Bisher hielt der Preis die Gäste nicht ab: Über 7,4 Millionen Liter Bier flossen 2023 laut Statistik der Stadt München durch durstige Kehlen. Wer nur den Durst löschen will, muss nicht zur Maß und damit tief in die Tasche greifen. Seit dem Vorjahr gibt es kostenlos Trinkwasser an Brunnen auf dem Gelände. Tafelwasser im Zelt kostet im Schnitt über zehn Euro pro Liter.

Das Oktoberfestbier wurde in dieser Woche bereits erfolgreich im Wirtshaus am Bavariapark von den Braumeistern ihrer Brauereien verprobt.
Wie sehen die Preise fürs Essen aus?
Auch hier wird es teurer. Ein Grund ist die höhere Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, die seit Januar wieder von sieben auf 19 Prozent angehoben wurde – den Wert vor der Corona-Pandemie. „Von einer Erhöhung um 15 Prozent muss ausgegangen werden; 12 Prozent entfallen dabei auf die Angleichung der Mehrwertsteuer auf das Vor-Corona-Niveau und drei Prozent auf allgemeine Kostensteigerungen“, sagt Co-Wirtesprecher Christian Schottenhamel.
Er verweist auf die Bundesregierung: Sie habe ihr Versprechen gebrochen, bei der 7-prozentigen Mehrwertsteuer auf Speisen zu bleiben.

Würstl, Hendl, Haxen stehen vor allem auf den Bierzelt-Tischen – aber inzwischen gibt es auch vegane Optionen.
Wie bekommt man einen Platz im Bierzelt?
Die reservierbaren Plätze sind so gut wie weg. Die Wirte vergeben aber nicht alle Plätze. Wer gut zu Fuß ist, stürmt gleich morgens bei der Öffnung des Festgeländes zum Zelt seiner Wahl. Chance für Kurzentschlossene: Seit dem Vorjahr können Gäste, die ihre Reservierung nicht wahrnehmen wollen, diese auf einer Tauschbörse anbieten. Pro Platz müssen die Gäste Verzehrgutscheine kaufen, dazu kommt eine geringe Gebühr.
Welches Outfit ist angesagt?
Dirndl und Lederhose gelten als Wiesn-Uniform schlechthin. Beim Dirndl heuer farblich trendy: „Modisches Lila, helles Mint und Salbei, königliches Blau, tiefes Rot, Tannengrün bis hin zu elegantem Schwarz“, wie der Geschäftsführer der Trachten-Kette Angermaier, Axel Munz, sagt. Dirndl-Designerin Angelika Zwerenz sieht auch „Lavendel und Flieder“. Für den Mann sieht Munz kurze, handgearbeitete Lederhosen in Hirsch und Wildbock „mit aufwendigen Stickereien, vielfach im Vintage-Look“.

Das Bierzelt ist keine Modenschau, denkt sich die Mehrheit der Oktoberfest-Besucher und stößt ausgelassen an.
Auf dem Weg zum Fest bieten Buden billige Varianten – für alle, die noch rasch in Dirndl und Lederhose schlüpfen wollen. Dieses Outfit hat wenig zu tun mit traditionellen Trachten, die bestimmte Orte kennzeichnen und schon mal einen vierstelligen Betrag kosten. Zu sehen sind sie etwa beim Trachtenumzug am Sonntag nach dem Wiesnstart.
Was ist neu?
Einige Fahrgeschäfte, etwa das „Hupferl“ aus dem Jahr 1987, und der „Holzpfosten Scooter“, ein Autoscooter wie in den 1960er und 1970er Jahren. Modische Neuheiten: Käppis mit Wiesn-Logo, die vielleicht das Zeug haben, den unverwüstlichen Hut mit Plüschhendl abzulösen. Für den Herrn gibt es Uhrenarmbänder aus Lederhosenleder, die Dame hängt ihre Handtasche an einen Taschenhalter mit Wiesn-Emblem. Erstmals können Fans auch in der Küche von dem Fest träumen – mit Wiesn-Geschirrtüchern.
Steilwand, Flohzirkus: Welche Attraktionen gibt es außerdem?
Die Steilwandfahrer sorgen für Nervenkitzel pur. In einer Arena mit senkrechten Wänden rasen die Artisten mit ihren Motorrädern im Kreis. Im Flohzirkus gibt es nur wenige Zuschauerplätze, die Darsteller sind ja recht klein: Hier spielen Flöhe Fußball oder ziehen ein Mini-Karussell. Ihre Mahlzeit nehmen sie am Arm des Direktors. Traditionell zur Wiesn gehören die Rutsche Toboggan, die Olympia-Looping-Achterbahn mit fünf Ringen, das Teufelsrad oder das Karussell Krinoline mit Live-Musik, benannt nach dem Reifrock der Damen. Legendär ist das Varieté Schichtl, das täglich mehrfach das Programm „Die Enthauptung einer lebenden Person auf offener, hell erleuchteter Bühne mittels Guillotine“ zelebriert – im vergangenen Jahr war es die 15.000ste Köpfung.
Ist Corona noch ein Thema?
Nein – die Infektionen, die im Sommer angestiegen waren, gehen gerade wieder zurück. Regelmäßig geht einige Tage nach der Eröffnung das Gehuste los, in und um München füllen sich die Arztpraxen: Wiesngrippe. Aber die gab es schon immer.
Mehr NIUS:
Erste islamische Fakultät Europas in Münster gegründet
Vor einer Woche wurde es fertig: Unbekannte beschmieren Ludwig-II.-Denkmal
Party-Patriotismus zur WM: „Deutschlandflaggen sind hier verboten“
Land Bayern plant Queer-Aufklärung mit Dschihad-Fans
Warum in Chemnitz so viel Crystal Meth im Abwasser ist
Der Heroin-Chic ist zurück: Warum der Diversity-Wahn nichts am Schönheitsideal geändert hat
Mannheim, Göttingen, Hannover und Magdeburg fördern Vereine mit Puppy-Veranstaltungen mit insgesamt einer Million Euro
„Macht das Maul auf!“: Dieter Bohlen über Meinungsfreiheit, Krieg und Xavier Naidoo
Mehr NIUS:
Land Bayern plant Queer-Aufklärung mit Dschihad-Fans
Warum in Chemnitz so viel Crystal Meth im Abwasser ist
Der Heroin-Chic ist zurück: Warum der Diversity-Wahn nichts am Schönheitsideal geändert hat
Mannheim, Göttingen, Hannover und Magdeburg fördern Vereine mit Puppy-Veranstaltungen mit insgesamt einer Million Euro
„Macht das Maul auf!“: Dieter Bohlen über Meinungsfreiheit, Krieg und Xavier Naidoo
Burgerladen wird angefeindet, weil er kein Halal-Fleisch verkauft
„Du schreibst zum Beispiel auch mehr Hassmails bei Hitze“: Moderator Eckart von Hirschhausen drückt der WM seine Klima-Agenda auf
Weil sie Araber und Türken als „größte Gefahr” für Juden bezeichnete: Kölner Theater sagt Auftritt von Autorin Mirna Funk ab
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare