Lindgren-Enkelin sorgt sich über Zeitgeist: „Vielleicht wird Pippi Langstrumpf irgendwann nicht mehr gelesen“
Die Enkelin der Schriftstellerin Astrid Lindgren, Annika Lindgren, kann sich vorstellen, dass die „Pippi Langstrumpf“-Bücher irgendwann nicht mehr gelesen werden. Man könne nicht ausschließen, dass sich Menschen von der Darstellung kolonialer Stereotype verletzt fühlten, sagte sie der Wochenzeitung Die Zeit.
„Und das können wir nicht ändern oder korrigieren, indem wir ein Wort streichen. Wer weiß, vielleicht werden die Pippi-Bücher irgendwann nicht mehr gelesen.“ Man könne nicht vorhersehen, wie kommende Generationen auf die Texte blickten.
Lindgren unterstrich zugleich, dass ihre Großmutter niemals rassistisch gedacht habe. „Im Gegenteil, sie hat es verachtet, wenn Menschen Macht über andere missbraucht haben. Und sie hat sich immer bemüht, allen den gleichen Respekt entgegenzubringen – egal ob jemand ein Kind war, ein Taxifahrer oder eine Königin.“

Astrid Lindgren
Die Enkelin sagte: „Astrid hätte niemals etwas geschrieben, was ein Kind verletzen würde.“ Deshalb hätten sich ihre Nachfahren dazu entschlossen, das N-Wort aus den neuaufgelegten Büchern der schwedischen Schriftstellerin zu entfernen. Sie könne sich dagegen nicht vorstellen, die Bücher ihrer Großmutter mit Hilfe sogenannter Sensitivity-Reader auf verletzende Begriffe hin durchzusehen. „Unser Ziel ist immer, so wenig wie möglich am Original zu verändern und Astrids Sprache zu erhalten. Deshalb streichen wir lieber ein Wort, eine Passage oder ganze Kapitel.“
Annika Lindgren ist bei der Familienfirma, der Astrid Lindgren Company, verantwortlich für das literarische Erbe ihrer Großmutter. Astrid Lindgren (1907-2002) hat mit Pippi Langstrumpf eine der bekanntesten Kinderbuchfiguren der Welt geschaffen. Die Bücher über die Abenteuer des stärksten Mädchens der Welt sind nach Angaben der Company in 78 Sprachen übersetzt und rund 70 Millionen Mal verkauft worden. Berühmt wurden auch die Pippi-Filme mit Inger Nilsson in der Hauptrolle.
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