Linke Universität wehrt sich gegen Containerdorf: Uni-Rektor erfährt aus den Medien, dass er 260 Flüchtlinge aufnehmen soll
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Man könnte sagen: Ausgerechnet an der Freien Universität! Ausgerechnet auf dem Gelände der zweitgrößten und politisch dezidiert linken Universität im beschaulichen Berlin-Dahlem sollen Container für 260 Migranten entstehen. Und besonders brisant: Von den Plänen, die auf den Flüchtlingskoordinator der Stadt Berlin, Albrecht Broemme, zurückgehen, erfuhr die Universitätsleitung aus den Medien!
„Die Hochschulleitung hat dieser Maßnahme nicht zugestimmt, noch wurden wir bisher hierzu befragt“, sagte der Präsident der Freien Universität, Günter Ziegler, der B.Z. Ihm zufolge solle statt dem Gelände nahe der Universität eher das Gebäude der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben genutzt werden, welches leersteht und bereits 2017 für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wurde. Und: Auch die FU-Kanzlerin, Andrea Güttner, wehrt sich gegen die geplante Unterbringung. Sie schrieb dem Flüchtlingskoordinator Broemme, dass „eine auch befristete Unterbringung von Flüchtlingen ist für die Fläche nicht möglich“ sei.

Der ehemalige Feuerwehrmann Albrecht Broemme ist inzwischen als Flüchtlingskoordinator der Stadt Berlin tätig.
Ein Sprecher der Freien Universität teilte außerdem gegenüber der Berliner Zeitung mit, dass „die Freie Universität Berlin grundsätzlich bereit ist, geflüchtete Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen“. Dies habe man bereits in der Vergangenheit, etwa im Winter 2014 und 2015, gemacht, als Sporthallen zur Verfügung gestellt wurden. Aktuell aber stünden aufgrund des „hohen Sanierungsbedarfs“ und der „umfangreichen Bauplanungen“ keine Flächen zur Verfügung.
Auf Anweisung des schwarz-roten Senats
Die Errichtung des Containerdorfs geschieht auf Anweisungen des schwarz-roten Senats, der Ende März 2016 Standorte für Container beschlossen hatte. CDU-Bürgermeister Kai Wegner räumte damals ein: „Natürlich war es ein Ringen. Wenn Sie 16 Standorte beschließen plus die soziale Infrastruktur, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht alle direkt an einem Strang gezogen haben. Und trotzdem ist es gelungen, hier gemeinsam ein Gesamtpaket zu schnüren.“ Dorthin sollen künftig die Migranten umverteilt werden, die anfangs in Notunterkünften auf den früheren Flughäfen in Tegel oder Tempelhof leben. Betroffen sind Standorte in Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf – und eben auch die FU in Dahlem.

Nannte die Errichtung von 16 Standorten für Container ein „Ringen“: Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU).
Dort sollen künftig Migranten auf einem etwa 4000 Quadratmeter großen Gelände an der Thielallee untergebracht werden, das bisher als Parkplatz dient. Am Wochenende hatte die CDU Steglitz-Zehlendorf Flugblätter verteilt, in denen darauf verwiesen wurde, dass eine menschenwürdige Unterbringung wichtig sei, das FU-Gelände dafür jedoch nicht geeignet war. „Unterstützen Sie unseren Appell an die Bezirksbürgermeisterin, von dem unzureichend durchdachten und intransparenten Vorhaben Abstand zu nehmen“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem hieß es von Seiten der CDU, man verstehe nicht, „warum weder Herr Broemme das Gespräch mit der FU gesucht noch die Bezirksbürgermeisterin die Anwohner im Vorfeld informiert hat.“
Der Vorgang hat auch vor dem Hintergrund eine gewisse Ironie, dass die Freie Universität als progressiv-linke Uni gilt. Die Hochschule schmückt sich mit einem „Refugee Programm“ und „Studien- und Qualifizierungsangebot“ für Migranten. In dem Selbstbild der Universität heißt es: „Menschlichkeit, Respekt und Toleranz sind die Grundpfeiler unserer Gemeinschaft. Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung werden nicht geduldet.“ Zu diesem Zweck wurden in der Vergangenheit Aktionswochen abgehalten.
Im Februar wurde die Freie Universität zum Schauplatz des Nahostkonflikts, der an der Universität ausgetragen wurde. Damals standen sich pro-israelische und israelkritische Demonstranten gegenüber. Wenige Tage zuvor war publik geworden, dass ein Student der Universität den jüdischen Studenten Lahak Shapira tätlich angegriffen und verletzt hatte.
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