Lufthansa-Maschine „Landshut“ verrottet – Ex-Flugbegleiterin empört: „Ich gucke mit wachsendem Entsetzen zu“
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- 46 Jahre nach der „Landshut“-Entführung verrottet das geschichtsträchtige Flugzeug.
- Die betroffenen Geiseln von damals sind mit den politischen Maßnahmen nicht zufrieden.
- Die ehemalige Landshut-Stewardess Gabriele von Lutzau spricht bei NIUS Klartext.
Der Herbst 1977 ist als „Deutscher Herbst“ in die Geschichtsbücher eingegangen. In dem Jahr erreichte der linke Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF) seinen traurigen Höhepunkt. Palästinensische Terroristen entführten die Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf dem Weg von Palma de Mallorca nach Frankfurt mit 86 Passagieren an Bord.
Die Anführer der Organisation Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe saßen zu diesem Zeitpunkt im Hochsicherheitsgefängnis in Stammheim. Ziel der Entführer war: Die Freilassung von RAF-Gefangenen.

Die am 13.10.1977 auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt/Main von vier palästinensischen Terroristen entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf dem Flughafen von Mogadischu.
Während der Entführung erschossen die Terroristen den Piloten, landeten schließlich am Flughafen von Mogadischu in Somalia. Auf die Forderungen der Terroristen ging der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) nicht ein. Nach fünf Tagen stürmte eine Sondereinheit der GSG 9 die Maschine und befreite Crew und Passagiere.
Ein beispielloses Geiseldrama, mit glücklichem Ausgang. Als Stewardess war Gabriele von Lutzau an Bord. „Wenn junge Leute heute davon hören, ist das wie ein Krimi. Aber die Bedrohung war real“, sagt sie im Gespräch mit NIUS.
Rückkehr der „Landshut“ nach Deutschland
Die Geiselnahme: Ein traumatisches Erlebnis, auf das sie inzwischen mit Distanz zurückblickt. 40 Jahre nach dem Deutschen Herbst, holte das Auswärtige Amt das Flugzeug nach Deutschland zurück. Zuvor war es auf einem Flugzeugfriedhof in Brasilien untergebracht.
Bei einem dortigen Besuch, samt Besichtigung des Flugzeugs, konnte die Ex-Flugbegleiterin mit dem Kapitel der Entführung persönlich abschließen. „Als ich in Brasilien die ‚Landshut‘ besucht habe, bin ich durch den Notausgang auf die Tragflächen gestiegen. Das war für mich eine zweite Befreiung“, erinnert sie sich.
Auch bei der Rückkehr nach Deutschland war sie anwesend. „Ich hatte 39 Grad Fieber. Aber das war es mir wert“, sagt sie. Von Lutzau hat eine besondere Beziehung zur „Landshut“, bekommt jedes Mal Herzklopfen, wenn sie das Flugzeug sieht.

Von links nach rechts: Jürgen Vietor, der ehemalige Co-Pilot, Diana Muell, die bei der Entführung an Bord des Flugzeugs war, und die ehemalige Stewardess des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“, Gabriele von Lutzau, stehen vor dem Flugzeug. In Friedrichshafen soll ein „Lernort“ entstehen.
Zeitzeugnis für wehrhafte Demokratie: „abgewrackt“
Auch jetzt noch, 46 Jahre nach der Entführung, bekommt sie Herzklopfen. Aber inzwischen aus Wut. Denn die Zeitzeugen von damals sind mit der geschichtlichen Aufarbeiten nicht zufrieden. Die „Landshut“ ist eine leere Hülle. Die Außenbemalung ist verschwunden.
Die Bundeszentrale für politische Bildung hatte Ende 2020 den Auftrag erhalten, die Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Bildungskontexte einzubinden. Schulklassen und Geschichtsinteressierte sollen ab 2024 die Möglichkeit bekommen, dieses historische Objekt zu begutachten. Denn das Flugzeug ist zum Symbolbild für eine wehrhafte Demokratie geworden. Die Botschaft: Wir verhandeln nicht mit Terroristen.
In einer ehemaligen Flugzeugwerft am Rollfeld in Friedrichshafen entsteht deshalb ein „Lernort Landshut“. Der Standort ist fix. Laut Medienberichten soll der Hanger für 15 Jahre angemietet worden sein. Kosten pro Monat: 47.000 Euro.
Doch ein Großteil der ehemaligen Geiseln ist mit diesem Plan nicht zufrieden. Denn das Flugzeug erinnert von außen kaum noch an ein Flugzeug der Lufthansa. Durch die Lagerung auf dem Flugzeugfriedhof ist es in die Jahre gekommen. „Es sieht abgewrackt aus“, sagt die Stewardess Von Lutzau.

Ohne Lackierung: Die „Landshut“ soll unberührt als Lernort genutzt werden.
Restaurierung: abgelehnt
Dabei war eine Restaurierung der Maschine bereits im Gespräch. Die Lufthansa hatte angeboten, die „Landshut“ in ihrer ursprünglichen Farbe aus den 70er Jahren neu zu lackieren. Theoretisch wäre auch eine neue Innenausstattung mit den Originalsitzen möglich. Von der Bundeszentrale für Politische Bildung wird das jedoch – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – abgelehnt.
„Die komplexe Objektgeschichte soll ernst genommen werden und die verschiedenen Zeit- und Materialschichten des Flugzeugs gewürdigt werden“, erklärt ein Sprecher der Bundeszentrale für politische Bildung auf NIUS-Anfrage. Eine Rekonstruktion des Originalzustandes des Jahres 1977 ist nicht vorgesehen.
Befürworter einer Restaurierung sind darüber empört. „Das ist ein Symbol für unsere Demokratie. Man kann die ‚Landshut‘ nicht so vergammeln lassen“, sagt Torsten Goldmann. Er hat eine Petition ins Leben gerufen, die sich für eine Restaurierung der ehemaligen Lufthansa-Maschine einsetzt. Gabriele von Lutzau ist eine der über 400 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner. „Die Zeitzeugen von damals befürworten fast alle eine Restaurierung“, sagt Torsten Goldmann.

Der Innenraum des Flugzeuges erinnert kaum an das ursprüngliche Flugzeug von damals.
„Die Zukunft der Landshut wird über unsere Köpfe hinweg entschieden. Ich möchte, dass man reinkommt und sieht: Es ist eine Lufthansa-Maschine“, sagt die ehemalige Stewardess. Und weiter: „Aktuell ist das eine Totgeburt. Ich gucke mit wachsendem Entsetzen zu“.
Die letzte Hoffnung der Zeitzeugen ist die Petition von Torsten Goldmann. Werden 50.000 Unterschriften gesammelt, muss sich der Bundestag mit der Restauration befassen.
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