Mara (17) tot im Straßengraben: Sie starb durch einen Stich in ihren Hals
Sie war mit ihren Inline-Skatern unterwegs – und wurde tot im Straßengraben gefunden. Die 17-jährige Mara aus Kirchdorf (Niedersachsen) wurde am Sonntag brutal getötet, ihre Leiche am Rande eines Feldwegs gefunden.
Ihr Heimatort steht unter Schock. Als der Trauergottesdienst am Dienstag um 18:00 Uhr in Kirchdorf beginnt, ringen die Besucher um Fassung, wissen viele nicht, wohin mit ihren Gefühlen. Freunde, Nachbarn, Verwandte, viele Teenager – sie alle vergießen Tränen. Ein blonder Junge bricht zusammen. Der Pastor, Klaus-Joachim Bachhofer, spricht von „Fassungslosigkeit“ und einem Ort, der „um Worte ringt“. Etwa 100 Menschen sind gekommen, zum ersten Abschied der Gemeinde Kirchdorf von einem 17-jährigen Mädchen, das am Sonntagabend in einem Straßengraben gefunden wurde. In Kirchdorf im Kreis Diepholz, das wird schnell klar, fragt sich jeder: Warum musste Mara sterben?
NIUS ist vor Ort und erfuhr: Das Mädchen starb durch Stichverletzungen, unter anderem in den Hals. Die Polizei fahndet weiter nach dem Täter – die 25-köpfige Mordkommission „Inline“ wurde eingerichtet. Aktuell wird geprüft, ob der Mann in der Nacht auf Mittwoch noch einmal zugeschlagen hat und eine 30-jährige Frau in einem McDonalds lebensgefährlich mit einem Messer attackiert hat.

Die St. Nikolai-Gemeinde in Kirchdorf, wo der Trauergottesdienst stattfand.

Mara besuchte das Gymnasium im benachbarten Sulingen.
NIUS ist vor Ort und hörte den Menschen zu, die jetzt um Mara trauern. Ein Foto des jungen Mädchen stand beim Trauergottesdienst vor dem Altar – ein Porträt, das eine junge blonde Frau zeigt, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte.
Mara H. engagierte sich in der evangelischen St. Nikolai-Gemeinde und der Freiwilligen Feuerwehr. Im benachbarten Sulingen besuchte sie das Gymnasium. Die Familie galt im Ort als beliebt, war im Schützenverein aktiv und betrieb eine Musikschule. Mara H. hinterlässt nicht nur Eltern und Großeltern, sondern auch mehrere Geschwister, darunter einen Zwillingsbruder.
Es geschah am hellichten frühen Abend
Was genau passierte und warum Mara H. starb, ist weiter unklar. Am Sonntagnachmittag verlässt Mara H. das Haus ihrer Eltern, um Inline-Skates zu fahren – eine Aktivität, der sie öfter nachgegangen ist, wie es heißt. Die Wege zwischen den Gemeinden Kirchdorf und Barenburg im Sulinger Land sind asphaltiert und ein beliebtes Ziel für Jogger, Radfahrer und eben auch Inline-Skater.
Später am Abend macht ein Radfahrer auf der Landstraße „Schwarzer Dieken“ die schreckliche Entdeckung: Der Körper der 17-jährigen liegt leblos im Flussgraben neben dem Weg. Nach Leichenobduktion steht fest, dass das Mädchen Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Mara H. trug beim Auffinden aber noch ihre Kleidung, Spuren von sexueller Gewalt konnten nicht festgestellt werden. Nach Informationen von NIUS erlitt sie Stichverletzungen, darunter im Halsbereich. Die Tatzeit kann die Polizei eingrenzen auf den frühen Abend, zwischen 18:00 und 19:00 Uhr.
Bisher keine Gewaltprobleme, es herrschte dörflicher Frieden
Eine Sprecherin der Polizei sagte gegenüber NIUS: „Der Fall stellt eine absolute Ausnahmesituation dar. Dass Mädchen hier verschwinden und sterben, hat hier absoluten Seltenheitswert.“ Was damit gemeint ist, wird im Gespräch mit Anwohnern schnell klar: Kirchdorf, ein 2300-Einwohner-Ort, der mit sechs anderen Orten zum niedersächsischen Gemeindeverband Samtgemeinde zählt. Probleme mit Gewalt, wie in den benachbarten Großstadt-Problembezirken Hannover-Misburg oder Bremen-Tenever, gibt es hier nicht.
Im Ort dominiert roter Backstein und Nähe zur Landwirtschaft, die Dorfbevölkerung trifft sich zwischen Combimarkt, Friseur und dem Gasthaus Koopmann. „Wir sind hier sehr homogen und die Menschen leben hier seit Jahrzehnten zusammen“, sagt eine Besucherin des Gottesdienstes. An einen ähnlichen Fall erinnert sie sich in den letzten 50 Jahren nicht. Die Einzigartigkeit – und womöglich bundesweite Relevanz des Tötungsdelikts – wird auch daran deutlich, dass die Staatsanwaltschaft Verden schon am Sonntagabend die Informationshoheit an sich nahm. Seitdem stimmt sie jede Pressemitteilung mit der Polizei ab.

Polizeisprecherin Anne Friedrich am Fundort der Leiche.
Die Ermittlungen laufen
Inzwischen ermittelt eine 25-köpfige Mordkommission namens „Inline“. Die Polizei vernimmt Personen aus dem Umfeld von Mara H. und geht mehr als 15 Tathinweisen nach. Von Zeugen, die sich in der Nähe des Fundorts aufhielten, erhofft man sich entscheidende Hinweise. Das Gebiet wird außerdem mit Drohnen abgeflogen, um womöglich zurückgelassene Gegenstände oder Unregelmäßigkeiten in den dicht bewachsenen Feldern und Wiesen aus der Luft zu sichten. Ein Problem könnte der seit Sonntagnacht anhaltende Starkregen sein, der den Einsatzkräften nicht nur die Arbeit erschwert, sondern auch mögliche Spuren am Tatort vernichtet. Am Dienstagvormittag rückten extra Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks Solingen aus, um den wasserführenden Graben, wo die Leiche gefunden wurde, zurückzustauen.
Außerdem stellte das THW schweres Gerät bereit, mit dem die Polizei das Gebiet durchkämmen soll. Auch, um eine Tatwaffe zu finden. Nach Informationen von NIUS geht die Polizei davon aus, dass es sich dabei um ein Messer oder Cuttermesser handelt. Dagegen erhärtet sich der Verdacht, dass der Fundort der Leiche auch der Tatort ist. Aktuell erstellt die Polizei ein Bewegungsprofil von Mara H.
Derweil überschlagen sich die Ereignisse im Kreis Diepholz:
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch griff ein 42-Jähriger eine Frau mit einem Messer im McDonald’s in Sulingen an. Der Verdächtige konnte an Hand des Kennzeichens identifiziert werden und ist seitdem auf der Flucht. Hinweise zum äußeren Erscheinungsbild des Täters werden im Laufe des Tages bekanntgegeben, teilte die Polizei mit. Womöglich hat der Mann, der Mara getötet hat, wieder zugeschlagen. Die Polizei schreibt, sie prüfe „einen möglichen Tatzusammenhang mit dem gewaltsamen Tod der 17-Jährigen in Barenburg“.

Polizeikräfte am Dienstagvormittag im Regen – es wurde unter anderem nach der Tatwaffe gesucht.

THW und Polizei suchen nach Spuren am Tatort.
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Jan A. Karon
Eva Vlaardingerbroek
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