Markus Söder über das neue „Deutschland-Gefühl“: „Alles wird teurer, nichts wird besser“
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat in der ZDF-Sendung Markus Lanz einen Begriff aufgebracht, den ich bemerkenswert finde. Er sprach vom „Deutschlandgefühl“, das bei uns nicht mehr stimme. Als der Moderator nachfragte, was dieses Gefühl denn sei, sprach Söder Sätze wie „es wird nichts besser“, „alles wird teurer“.
Das Wort war in der Welt, und ich finde das Wort großartig, weil es viel mehr umfasst, als den täglichen Polit-Ärger.
Ja, man kann Deutschland fühlen, sagt mir mein gesunder Menschenverstand. Und wer über sein Leben in Deutschland nachdenkt, wird es auch so sehen. Dieses Land prägt jeden, der hier aufgewachsen ist. Ich war vor ein paar Monaten in Heidelberg, merkwürdigerweise das erste Mal. Was für eine fantastische Stadt! Die Zeit scheint dort stehen geblieben zu sein. Spaziergang durch hunderte Jahre unserer Geschichte.

Ein Fachwerkhaus am Neckarufer von Heidelberg.
An manchen Fachwerkhäusern ist aufgemalt, wer darin gelebt und gearbeitet hat: Es sind die klassischen deutschen Handwerker – Tischler, Bäcker, Dachdecker, Schmiede. Auch Juden sind verzeichnet, ohne Berufsbezeichnung. Juden durften kein Mitglied in Zünften sein, sie durften also keinen klassischen Handwerksberuf ausüben. Das alles kann man an Häuserwänden ablesen in alten Städten wie Heidelberg.
Als ich ein Kind war, verreisten die Menschen noch in Deutschland.
Meine Eltern und ich fuhren einmal im Jahr in den Schwarzwald: immer vier Wochen in den großen Ferien. Andere Urlaube gab es nicht. Diese Wochen am Feldberg, einer Gemeinde im Hochschwarzwald, brannten sich geradezu ein bei mir.

Der wunderschöne Geroldsauer Wasserfall im Nordschwarzwald.
Den ganzen Tag draußen, oft Regen, spielen mit Nachbarkindern der Bauern, aufgerissene Hosen, die Freiheit zu tun, was ich wollte. Und wenn es dunkel wurde, ab nach Hause in die Pension.
Umgeben von Bauern, Bäckern, Schäfern
Was das mit dem Deutschland-Gefühl zu tun hat, von dem Markus Söder gesprochen hat? Ich denke – vieles! Eingebunden in eine gewisse Grundordnung, umgeben von Bauern, Bäckern, Schäfern, lernte ich ein Stück Deutschland kennen, das ganz anders war als das in meiner Heimatstadt Berlin.

Der Blick auf Rheintal und Vogesen.
Als die ersten Flugreisen aufkamen, begegnete man den strengen Stewardessen der „Lufthansa“. Sie waren Sinnbild der Präzision und Sicherheit, die diese deutsche Fluglinie ausstrahlte.
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Da klapperte kein Sitz, da flackerten keine Lichter: alles durchdacht und gründlich. „Typisch deutsch“, dachte ich in meinen frühen Mannesjahren manchmal fast verächtlich. Heute weiß ich: Wie schön, dass ich stets sicher und meist pünktlich dort ankam, wo ich hin wollte. Und meist von einem Lächeln begleitet.

Der türkisfarbene Walchensee in Bayern.
Dies alles – so empfinde ich es jedenfalls – ist das „Deutschland-Gefühl“, von dem Markus Söder sprach. Du kannst an exotischen Plätzen sein und die wunderbare weite Welt kennenlernen: Du trägst etwas in dir, was dir keiner nehmen kann – ein tiefes Vertrauen in das Land, in dem du aufgewachsen bist. Und eine riesige Portion Optimismus. Und an dieser Stelle kann man, ja muss man Markus Söder Recht geben.
Es wird gerade nicht alles besser in unserem Land, leider.
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Louis Hagen
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