Vor 60 Jahren sagte er „I have a dream“: Martin Luther King würde sich für die Aktivisten von heute schämen
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Vor 60 Jahren stand ein Aktivist auf den Stufen des Lincoln Memorial und sprach Worte, die die Welt veränderten: „I have a dream.“ Was wäre wohl Dr. Kings Reaktion auf jene Aktivisten, die heute unsere Schlagzeilen dominieren?

Dr. Martin Luther King am 28. August 1963 am Lincoln Memorial. Wenige Minuten zuvor hatte er seine berühmte "I have a dream"-Rede gehalten.
Martin Luther King Jr. hatte einen Traum. Ein Traum von Gleichheit, von einer Welt, in der der Charakter eines Menschen mehr zählt als die Farbe seiner Haut. Er war ein Aktivist, ein Kämpfer, ein Visionär. Obwohl viele immer noch denken, King hätte ausschließlich für die Rechte der Schwarzen gekämpft, war sein Engagement tatsächlich dem breiteren Spektrum sozialer Ungerechtigkeit gewidmet. Ein Jahr vor seinem tragischen Tod gestand er in einem Interview, dass sein einst so hoffnungsvoller Traum in einen Albtraum umgeschlagen war.
Er kritisierte Amerikas Beteiligung am Vietnam-Krieg: „Wir sind in einen Krieg auf asiatischem Boden verwickelt, der, wenn er nicht geprüft und gestoppt wird, die Seele unserer Nation vergiften kann“. Dem Kongress warf King unter anderem Feindseligkeit gegenüber den Armen vor. Die US-Regierung betreibe die Finanzierung des Militärs großzügig und voller Eifer, aber die Finanzierung der Armen voller Geiz. Leider stieß seine Anti-Kriegs-Position sogar innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft auf Kritik, und er musste sich dem Vorwurf stellen, ein Kommunist zu sein.
I have a Tweet
Jetzt, sechs Jahrzehnte später, kämpfen Aktivisten immer noch gegen die Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft, doch viele von ihnen sind eher daran interessiert, sich in den sozialen Medien zu profilieren und persönlich zu bereichern, als echte Veränderungen herbeizuführen. King sprach von Liebe und Einheit; heute setzen Aktivisten auf Hass und Spaltung. King setzte sich für gewaltfreie Proteste ein; heute sehen wir, wie US-Demonstranten Geschäfte plündern und Gebäude in Brand setzen, während Umweltaktivisten Kunstwerke zerstören und klimaschädliche Staus verursachen.

"Demonstranten" gegen Polizeigewalt plündern ein Geschäft in Minneapolis während einer Demo gegen Polizeigewalt.

Aktivisten der Letzten Generation blockieren eine Straße in Leipzig.
Würde sich King für diese Aktivisten schämen? Ich wage zu behaupten: Ja. Wie würde er wohl auf Patrisse Cullors reagieren, die Mitbegründerin der Black Lives Matter-Bewegung, die sich selbst als Marxistin feierte, während sie eine 1,4-Millionen-Dollar-Villa in der Nähe von Los Angeles erworben hat? Er würde sich auch für diejenigen schämen, die seinen Traum von Gleichheit und Brüderlichkeit in einen Albtraum von Chaos und Spaltung verwandelt haben. Er wollte seine Gegner nicht niederschreien, sondern einen konstruktiven Dialog führen.
Für Martin Luther King war Diskriminierung kein Problem, das nur durch Umkehrdiskriminierung gelöst werden kann. Die Idee, Hass mit Gegenhass zu kontern, kam für ihn erst recht nicht infrage.
Aktivismus ist trendy
Und für diejenigen, die meinen, Aktivismus bedeute, gratismutige Tweets und Instagram Stories zu verfassen, hätte Dr. King ebenfalls wenig Lob übrig. Gerade die wütende Jugend scheint mehr daran interessiert zu sein, Statuen zu stürzen und Hashtags zu verbreiten, als sich mit den komplexen Problemen der sozialen Gerechtigkeit auseinanderzusetzen.
King würde sie sicherlich dazu ermahnen, den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten, statt sich an Nebensächlichkeiten abzuarbeiten. Nicht nur in den USA scheint man den Fokus verloren zu haben. Was nützen Straßenumbenennungen, endlose Debatten über gendergerechte Sprache, Diskussionen über Hitzesommer und jahrzehntealte Flugblätter, wenn die Armut für immer mehr Menschen in Deutschland zur harten Realität wird?
Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung völlig falsch, schließlich kann niemand definitiv sagen, welche Gedanken Martin Luther King Jr. heute bewegen würden. Eines jedoch steht fest: Er wäre bestürzt über den Zustand unserer Gesellschaft, in der soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nach wie vor allgegenwärtig sind.
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Ahmet Iscitürk
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