Modesünden im Sommer: Es gibt nichts Hässlicheres als die Cargoshorts von deutschen Männern
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Kaum steigen die Temperaturen in Deutschland erneut an, werden auch die sommerlichen Modesünden wieder aus dem Schrank geholt...
Der deutsche Pragmatiker offenbart sich vor allem in seiner Leidenschaft für Hosen mit Seitentaschen. Wer glaubt, die Cargohose wäre bereits schlimm genug, hat noch nicht ihre buckelige Schwester, die Cargoshorts, gesehen, deren einzige Funktion darin zu bestehen scheint, zusätzliche Aufmerksamkeit auf käseweiße Waden und weiße Socken im Schuh zu lenken.
Zusammen mit dem Kurzarmhemd, das seinen Träger zusätzlich jederzeit zum Steuern eines Busses befugt, gehört sie zum Duo des Grauens deutscher Kleiderschränke.
Sommer in Deutschland – das ist ein bisschen wie eine Endlosschleife Fernsehgarten mit Andrea Kiewel
Das weibliche Pendant bildet die Capri- oder auch Dreiviertelhose. Gerne in Kombination mit Ballerinas, die wohl so etwas wie die Rache der Frauen an Männern in Socken und Sandalen darstellen und Dank des erzeugten Watschelganges ebenso gut als Verhütungsmittel taugen. Wer diesen Look für sich entdeckt hat, ist nur einen Zentimeter von der „frechen“ Kurzhaarfrisur und launigen Nachmittagen mit Bärbel und Klaus entfernt.
Sommer in Deutschland – das ist ein bisschen wie eine Endlosschleife Fernsehgarten mit Andrea Kiewel. Dolce Vita ist hier allenfalls ein Song von Giovanni Zarella. Das ist bedauerlich, gibt es doch so viele schöne Sachen, die man tragen kann.

Was ich vor allem vermisse, ist das Spielen mit der eigenen Weiblichkeit oder Männlichkeit.
Vielleicht tun wir uns heutzutage auch deshalb so schwer damit, Geschlechter zu definieren, weil wir überhaupt nicht mehr wissen, wie eine richtige Frau oder ein richtiger Mann eigentlich aussieht.
Karl Lagerfeld sagte einst: „Eleganz hat überhaupt nichts mit Mode zu tun.“. Trotzdem trug er keine Cargoshorts und ich kann mich auch nicht an Coco Chanel in Caprihose und Tom-Taylor-Shirt erinnern.

Nun hat nicht jeder die Figur für einen Minirock und auch für meinen Wasserkopf muss erst einmal der passende Hut gefunden werden. Nicht jeder Mann hat zudem Lust, bei 30 Grad in Anzug und Krawatte zu schwitzen, aber Stil ist nicht das Ende des Besens und ein wenig mehr davon würde uns Deutschen, auch im Angesicht der internationalen Konkurrenz, ganz gut zu Gesicht stehen.
Wie wäre es also mal mit einem schönen Sommerkleid oder einem luftigen Leinenhemd? Es gibt auch Schuhe, die Frauen nicht in Enten verwandeln und warum muss alles überhaupt immer praktisch und bequem sein? Hieß es nicht einmal: Wer schön sein will, muss leiden?
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Anabel Schunke
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