Heldin der Landeshauptstadt: Diese Ex-Grünen-Wählerin kämpft in München gegen die städtische Antifa
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Jens WinterAusgerechnet eine Ex-Grünen-Wählerin hat in München den verkrusteten Verflechtungen zwischen NGOs und Behörden den Kampf angesagt. Angefangen hat dabei alles mit einer Baumscheibe. Irgendwann stieß die „Garten-Rebellin“ Haering bei ihren Recherchen auf ein städtisches Antifa-Netzwerk, über das sie mittlerweile stetig berichtet. Dass sie begann, Fragen zu stellen, hat auch mit Corona zu tun.
Eigentlich wollte Dorothee Haering nur Baumscheiben begrünen – das sind die Kielflächen um die Wurzelwerke von Stadtbäumen. 14 solcher Scheiben habe sie seit 2022 umgewandelt. Im zugehörigen Verwaltungs- und Antragsverfahren stieß Haering aber auf einen rot-grünen Fördersumpf, der sie bis zur Antifa und Oberbürgermeister Dieter Reiter führen sollte.
Erst einmal wollte Haering aber nur Baumscheiben begrünen. Zur pflanzlichen Verschönerung Münchens betreibt die Stadt gemeinsam mit dem Verein Green City e.V. das Projekt „Grünpaten“. Solche „Grünpaten“ können Baumscheiben bei der Stadt pachten und verpflichten sich im Gegenzug zu deren Pflege. Das Gartenbauamt stiftet jedem Paten zudem 50 Pflanzen.
Mit mindestens 230.000 Euro unterstützt die Stadt München die grüne Lobbyorganisation Green City, die aus dem Verein „München 2000 autofrei“ hervorging. Dorothee Haering geriet schnell mit dem Verein und den mit ihm kooperierenden Behörden in Konflikt. Sie würden „keine heimischen Pflanzen, sondern großteils Exoten zur Verfügung stellen, die für die Standorte nicht taugen“, ist einer ihrer Kritikpunkte.

In der Georgenstraße in der Maxvorstadt begrünt Dorothee Haering eine Baumscheibe.
Ein Führungszeugnis für eine Baumscheibe
Ihre Hauptkritik aber: „München leistet sich das teuerste Grünpatenprogramm Deutschlands und ist dennoch Schlusslicht mit etwa 160 Paten in 13 Jahren im Gegensatz zu Nürnberg ohne NGO mit über 2.500 Paten.“ Das liege auch an überflüssiger Bürokratie. Sie habe zum Beispiel ein Führungszeugnis vorlegen müssen, um eine „Patenschaft“ antreten zu können.
Die Stadt änderte nach Haerings Kritik teils die Regeln – ein Führungszeugnis muss man heute nicht mehr vorlegen. Haering, die sich zwischenzeitlich wegen ihrer eigenen Website grünpaten.de sogar einen Plagiatsstreit mit Green City lieferte, fing an, über die Hintergründe des städtischen NGO-Netzwerks zu recherchieren. Und stieß auf Ungereimtheiten.
Warum sitzt der Verkehrsreferent von Green City, Andreas Schuster, auch für die SPD im Stadtrat? Warum ist er zudem im Bauausschuss, der 2024 die Förderung für Green City um 151.000 Euro erhöhte? „Ich fand, das ist ein Interessenkonflikt. Man erklärte mir aber, dass ein solcher nicht vorliege, weil Schuster im Verein selbst nicht an dem Projekt ‚Grünpaten‘ beteiligt ist.“ Haering sagt hierzu: „Mir war klar, wenn sie hier so dreist sind, sind sie es auch woanders.“

Auch ein „AfD-Verbot“-Absperrband hängt schon manchmal an ihrer Baumscheibe.
Haering stößt auf ein Antifa-Netzwerk
Über 30 Anfragen habe die „Garten-Rebellin“, wie die Abendzeitung sie nennt, seitdem an die Stadt gestellt – mit Bezug zum „Grünpatenprogramm“, dem Bund Naturschutz, verschiedenen anderen grünen NGOs bis hin zur Antifa. „Man kommt vom einen zum anderen“, so Haering, „und die Netzwerke und Strukturen erklären, warum so Vieles nicht mehr richtig funktioniert.“
Die 65-Jährige, die an der Kunstakademie studierte, lange Zeit als Fotografin tätig war, Ausstellungen in München machte und Preise wie den städtischen Kunstförderpreis erhielt, entdeckte schließlich Dieter Reiters städtisches Antifa-Netzwerk. Mit einem weitläufigen System aus Meldestellen, Kooperationen mit Linksextremisten und Sprachregelungen hält der SPD-Mann Reiter damit die städtische Opposition in Schach.
Es war die Corona-Zeit, erklärt Haering, die sie für solch eine Art von Überwachung sensibel machte. Da habe sie gemerkt: „Sie schmeißen uns Andersdenkende aus der Gesellschaft raus.“ Sie wolle sich aber nicht rausschmeißen lassen. Reiter tue mit seinem städtischen antifaschistischen Überwachungsapparat aber genau das: kontrollieren und ausgrenzen.

Die Baumscheibe von Dorothee Haering
Auf ihrer Website grünpaten.de veröffentlicht sie die Ergebnisse ihrer Recherchen. Neben der Geschichte und den Förderungen des Patenprogramms und Green Citys ist ihre mit Abstand größte Faktensammlung die zur Münchner Antifa und dem zugehörigen städtischen Fördernetzwerk bis zu SPD-Oberbürgermeister Reiter. Fast 150 PDF-Seiten ist die Sammlung mittlerweile lang; Haering aktualisiert sie stetig. Die sendet sie dann schon mal an den Stadtrat oder einzelne Stadträte.
„Ich will nicht ausgeschlossen werden“
„Wer nicht ausgeschlossen werden will, muss kämpfen“, so Haering. Sich als Opfer aufzuspielen, sei nie ihre Art gewesen: „Man muss mutig sein und ein Vorbild. Dann kann man etwas verändern.“ Haering stellt ihre Anfragen zudem „bewusst frech“ und „manchmal auch ein bisschen nervig.“ Ein bisschen überfordernd dürfen Ihre Datensammlungen dann auch mal sein.
Nicht nur ihre Anfragen, wie die zur Förderung des linksextremen Zentrums Kafe Marat, wo Autonome Straftaten planen, oder die zu städtischen Meldestellen, dürften der Stadt ein Dorn im Auge sein. Zum Plagiatsstreit über den Namen ihrer Website konstatierte Green City schlicht: „Seit einer gewissen Zeit tritt die Münchner Bürgerin Dorothee Haering als Kritikerin des Projekts auf.“ Über die Bürgermitgestaltungsplattform „München Budget“ liefert sich Haering zudem einen kleinen Kampf mit der Stadtverwaltung darüber, ob sie ihre Antifa-Recherchen dort veröffentlichen darf. Die Stadt würde sie immer wieder löschen.
„Ich bin ja von Herzen grün und Umweltschutz ist mir sehr wichtig“, sagt sie, Klimaschutz aber halte sie für „Schwachsinn“: „Das Klima können wir nicht beeinflussen.“ Der Umstand, dass sie eine Grüne ist und eine Baumscheibe pflegt, nerve die Stadt am meisten, da ist sie sich sicher. Man kann durchaus sagen, die Gärtnerin ist ein bisschen stolz darauf, dass sie die Behörden durch ihre Art auf Trab hält. Früher habe sie neben den Grünen auch die Linkspartei gewählt, heute sehe sie sich eher als konservativ. Vor allem aber sei sie „bodenständig“.

Die „Gemeinsam für Deutschland“-Demo zieht im August 2025 an der Antifa vorbei. Auch Haering gibt „unser Land nicht auf“, sagt sie.
Corona war der „Wendepunkt“
Ein politischer „Wendepunkt“ sei in ihrem Leben Corona gewesen. Teils beste Freunde, mit denen sie über 40 Jahre gemeinsame Wege ging, habe sie durch die Corona-Politik und die Zerwürfnisse hierüber verloren. „Weil ich mich nicht geimpft habe“, sagt sie. Da habe sie gemerkt, hier kippt etwas ins Totalitäre. Freunde hätten nicht mehr mit ihr gesprochen, legten noch heute auf, wenn sie anriefe. Heute sagt sie: „Corona hat mir die Augen geöffnet.“
„Das Entscheidende war, dass sie die Älteren und Kinder mit dem Impfen und den Vorschriften so unter Druck gesetzt haben“, sinniert sie, „dadurch haben sie die Säulen der Gesellschaft eingeschüchtert. Die Omas, die Opas und die Kinder. Diejenigen, die die Weisheit weitertragen und die Zukunft bringen. So sehe ich das.“

Die Antifa half auch in München mit, Kritik an der staatlichen Corona-Politik zu unterdrücken.
Auch momentan hat die Privataktivistin schon wieder die nächste Fährte aufgenommen. Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) habe einen Antrag gestellt, weil Oberbürgermeister Dieter Reiter in den Aufsichtsrat des FC Bayern gewählt wurde. „Das ist der nächste Interessenkonflikt.“ Von dem Antrag im städtischen Ratsinformations-System wusste sie direkt am Tag der Veröffentlichung.
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