Nach Totschlag von Bad Oeynhausen klagt der Bürgermeister an: „Wir sind zu liberal und viel zu pädagogisch“
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Der sinnlose Tod des 20jährigen Philippos T. im Kurpark von Bad Oeynhausen – er stand im Mittelpunkt der Talk-Sendung bei Markus Lanz. Bürgermeister Lars Bökenkröger (CDU) erhob schwere Vorwürfe gegen Politik und Justiz. „Ich habe in der ersten Woche nichts vom Bund gehört. Erst nachdem ich ein Interview gegeben und mich beklagt habe, dass die Kommunen auch hier wieder alleingelassen werden, da kamen dann alle! Wir sind zu liberal und viel zu pädagogisch.“
Die vergangenen zwei Wochen, die seit dem Tod von Philipos verstrichen sind, seien in Bad Oeynhausen hochemotional gewesen, schilderte der Bürgermeister. Nach dem Besuch des Abiturballes seiner Schwester war Philippos T. zusammen mit einem Freund von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen worden. Der 18jährige Syrer Mwafak A. trat auf den am Boden liegenden Philippos ein. Der starb zwei Tage später an seinen Hirnverletzungen. Bürgermeister Bökenkröger: „Diese Tat hat viele Menschen schockiert, fassungslos gemacht. Aber auch die Wut überwiegt. Auch schon, weil es ein 18jähriger Syrer ist, der polizeibekannt ist.“ Weiter sagte er bei Lanz: „Da wurde auf einmal behauptet von Frau Faeser, der mutmaßliche Täter hätte zuvor acht Jahre in einer Unterkunft gelebt. Das stimmt überhaupt nicht. In Bad Oeynhausen hat er acht Monate in einem ganz normalen Familienhaus gewohnt.“

Die Talkrunde am Montag. (Quelle: Screenshot ZDF)
Die Gleichgültigkeit erschüttert den Bürgermeister
Markus Lanz sagte: „Was mich erschüttert, ist die Gleichgültigkeit, mit der wir nach Bad Oeynhausen zur Tagesordnung übergehen. Wo ist die große breite Debatte, wo ist der Bundeskanzler, wo ist der Bundespräsident? Wo ist jemand, der was anderes sagt als ´Die Gesellschaft ist schuld, weil sie schlecht integriert hat´. Er zitierte den Kolumnisten Harald Martenstein (mehrfach Talk-Gast bei NIUS): „Harald Martenstein sagt, man möge sich mal vorstellen, es wäre umgekehrt: Drei Brandenburger Rechtsradikale bringen einen jungen Flüchtling aus Syrien um. Dann hätten wir wochenlang, und zu Recht, eine Debatte darüber!“
Bürgermeister Bökenkröger sagte resigniert: Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu erhöhen, könne er wenig machen. Denn „die Polizei ist beim Kreis aufgehängt, da habe ich keine Möglichkeiten“. Und Videoüberwachung sei aufgrund des Datenschutzes ein schwieriges Thema. Was ihm bleibe, sei „ein bisschen Beleuchtung, die man installieren kann.“
Was bleibt hängen, wenn man diese Lanz-Sendung gesehen hat? Mein gesunder Menschenverstand sagt mir: ein kluger, kämpferischer Markus Lanz, der die richtigen Fragen gestellt hat. Ein resignierter Bürgermeister, der sich von der Innenministerin Faeser hintergangen fühlt. Und ein Teil der politischen Klasse, die nach einem der schlimmsten Verbrechen zur Tagesordnung übergeht. Ziemlich traurig!
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Louis Hagen
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