„Nur für Fatties”: Bundesregierung fördert Weihnachtsveranstaltung nur für „dicke_fette” Menschen
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Amir MakatovDie Bundesregierung fördert über die Antidiskriminierungsstelle des Bundes die „Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e. V.“ (GgG). Der Verein veranstaltet am 18. Dezember eine Art digitale Weihnachtsfeier – in Form eines Impulsvortrags – unter dem Titel „Fettes Feiern – nur für dicke_fette Menschen“. Eingeladen sind ausdrücklich ausschließlich Personen, die sich selbst als „dick_fett“ definieren.
In der Veranstaltungsankündigung heißt es, man wolle „nur dicke_fette Menschen einladen“ und gemeinsam über die Fragen sprechen: „Was gibt es eigentlich zu feiern für uns Fettis?“ Und: „Was kann uns fette Kultur geben?“ Die Teilnehmer sollen sich „Snacks und warme Getränke“ bereithalten und per Zoom gemeinsam „abhängen, quatschen und das Jahr ausklingen lassen“, heißt es auf der Webseite des Vereins.
Finanziert wird das Format durch öffentliche Mittel. Auf dem Veranstaltungsflyer ist die Antidiskriminierungsstelle des Bundes als Förderer ausgewiesen. Die Feier ist zudem Teil des Programms „respekt*land“, mit dem bundesweit Antidiskriminierungsprojekte unterstützt werden.
Leiterin der Antidiskriminierungsstelle ist Ferda Ataman, die bereits mit Aussagen wie „Die goldene Zeit des weißen Mannes ist vorbei“ und einem verlorenen Prozess gegen NIUS für Schlagzeilen sorgte. Fachlich und politisch untersteht die Behörde dem von Karin Prien (CDU) geführten Bundesfamilienministerium.
NIUS fragte bei der Antidiskriminierungsstelle an, wie viel Steuergeld die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG) in den Jahren 2022 bis 2025 erhalten hat. Laut der Einnahmen-Überschussrechnung 2023 des Vereins, verzeichnet im Lobbyregister, erhielt dieser alleine im Jahr 2023 86.944,67 Euro Fördergeld für das Projekt „Fortbildungsangebot“. Weiter fragte NIUS, ob die Antidiskriminierungsstelle explizit diese Weihnachtsveranstaltung, bei der nicht „dicke_fette“ Menschen durchaus diskriminiert werden, gesondert fördert und wie das mit dem Auftrag der Stelle zu vereinbaren sei. Eine Antwort steht bis dato aus.

Die Veranstaltung wird von Oriel Klatt und der – laut eigener Bezeichnung – „Fat Bitch“ Luise Gonca Demirden moderiert.
„Wir verändern die Gesellschaft, nicht dicke Menschen“
Immer wieder veranstaltet der Verein linkspolitische Veranstaltungen mit dem Fokus Adipositas. Wie zum Beispiel: „Gewichtsdiskriminierung klassismuskritisch denken.“ Das ist kein Zufall.

Die ideologische Grundlage des Vereins lässt sich klar aus seinem Positionspapier ablesen. Dort heißt es programmatisch: „Gesellschaftspolitische Ausrichtung: Wir verändern die Gesellschaft, nicht dicke Menschen.“ Gewichtsdiskriminierung wird darin ausdrücklich auf eine Stufe mit Rassismus, Sexismus oder Diskriminierung aufgrund von Religion oder sexueller Orientierung gestellt. Wörtlich heißt es: „Gewichtsdiskriminierung ist keine Bagatelle. Es handelt sich um eine Form von Diskriminierung, die genauso stark wirkt und genauso kritisch zu sehen ist wie Diskriminierung basierend auf Hautfarbe, Geschlecht, Religion, Körperbehinderung oder sexueller Orientierung.“
Der Verein lehnt dabei offenbar medizinische oder gesundheitspolitische Deutungen von Übergewicht ab. Im Positionspapier wird betont: „Dicksein ist keine Krankheit, sondern zuallererst eine natürliche Variation.“ Zugleich heißt es, die Risiken von Übergewicht würden „stark übertrieben“, seriöse Forschung sei „meist erstaunlich dickenfreundlich“.

Der Verein behauptet, „seriöse Forschungsergebnisse“ seien „meist erstaunlich dickenfreundlich“. NIUS behauptet, Übergewicht sei meist für Gelenke, Organe und Kreislauf eher unfreundlich.
Besonders deutlich wird der Verein dort, wo er sich explizit gegen staatliche Gesundheits- oder Präventionspolitik richtet. Im Positionspapier heißt es: „Gegen einen dickenfeindlichen Nanny-State. Politik gegen ‚Übergewicht‘ endet leider meist in Politik gegen dicke Menschen.“
Ernährung, Bewegung und Lebensstil seien Privatsache, staatliche Eingriffe oder Kampagnen gegen Übergewicht werden als illegitime Bevormundung zurückgewiesen. Stattdessen fordert der Verein, Gewicht als Diskriminierungsmerkmal rechtlich anzuerkennen und in das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz aufzunehmen. Die Ironie, dass man staatliche Eingriffe ablehnt, aber staatliche Gelder annimmt, liegt dabei schwer auf der Hand.

Auszug aus dem GgG-Positionspapier
„Dicksein ist nichts Schlimmes“
Vor diesem Hintergrund erscheint auch das exklusive Einladungskonzept der Weihnachtsfeier konsequent. Der Verein versteht „dick“ ausdrücklich als identitätsstiftenden Begriff. In seinem Positionspapier heißt es zur Sprache: „Bevorzugung von ‚dick‘ … Dicksein ist nichts Schlimmes, daher muss man es auch nicht beschönigen.“ Zugleich wird erwogen, den Begriff „fett“ bewusst „im Sinne einer subversiven Aneignung eines diskriminierenden Diskurses“ zu verwenden.
Mit Steuergeldern wird eine Veranstaltung unterstützt, bei der das Körpergewicht das alleinige Zugangskriterium ist – und bei der Übergewicht nicht problematisiert, sondern gefeiert wird. In Zeiten steigender Zahlen bei Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirft das zumindest Fragen hinsichtlich der gesundheitspolitischen Kohärenz staatlichen Handelns auf.
Der Staat möchte einem das – mit Übergewicht durchaus vergleichbare – ungesunde Rauchen abgewöhnen. Möglicherweise wird ja schon jetzt mit einkalkuliert, dass viele Ex-Raucher in der Folge zunehmen; man kann es auch staatlich begleitete Suchtverlagerung nennen.
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