Obszönes Eisessen in der Öffentlichkeit: Syrischer Autor sorgt für Empörung im Netz
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- Im Internet ist eine Diskussion über die Sexualmoral eines syrischen Autors entbrannt.
- In einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung wirft er die Frage auf, ob es obszön sei, wenn Frauen in der Öffentlichkeit Eis essen.
- Seitdem tobt eine Debatte, wie solche Ansichten mit einer liberalen Gesellschaft wie der deutschen in Einklang zu bringen sind.
Es klingt wie Satire, ist aber Ernst: In einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung schreibt der syrische Autor Mohamed Alkhalaf von einem Moment, als er mit seinem Freund Ibrahim in München auf einer Parkbank eine Frau beobachtet, die genüsslich an einer Kugel Eis leckt. „Darf man es anstößig finden, in der Öffentlichkeit eine Kugel Eis zu schlecken?“, fragt Alkhalaf. Seitdem ist eine Debatte über die Kolumne im Netz entbrannt.
In dem text schreibt Alkhalaf ferner, jener Ibrahim sei bei dem Anblick der eisessenden Frau „unruhig geworden“. Es sei in seiner Heimat Syrien unüblich, gar obszön, wenn Frauen in der Öffentlichkeit Eis essen. „Einige Jahre lang hat mir in solchen Momenten die Schamesröte die Wangen gefärbt“, schreibt Alkhalaf, der aus Rakka stammt und in einer vorigen Kolumne bereits darüber schrieb, kein Alkohol zu trinken. „Nun wurde der Kopf meines neu angekommenen Kumpanen zum Erdbeereis.“ Heißt übersetzt: Der Anblick einer Frau, die am Eis schleckt, versetze den Freund des Autors in Wallung und setze die Impulskontrolle aus.

Er fährt fort: „In Syrien habe ich es wie jeder Mann und jede Frau vermieden, in der Öffentlichkeit Eis zu essen, vor allem nicht in der Waffel.“ Dies gelte als „vulgäres, obszönes Verhalten“. In konservativen Gesellschaften wie der syrischen werde „speziell von Frauen“ erwartet, „dass sie in der Öffentlichkeit eine zurückhaltende und respektvolle Haltung zeigen“. Das „Verspeisen von Speiseeis und anderen Mahlzeiten“, die als phallisch geformt angesehen werden könnten, gelte als „provokant oder anstößig“. Später zieht der Autor weitere Vergleiche wie beispielsweise das Essen einer Banane oder einer Karotte.
„Dann sollten sie den Blick senken und das Haus nicht mehr verlassen“
Seitdem diskutiert das Netz, wie solche Ansichten in ein liberal-freiheitliches Land wie Deutschland passen. „Nicht eine Eis essende Frau ist obszön, sondern die Sexualisierung völlig normaler Alltagsangelegenheiten im Taliban-Style“, schreibt etwa der Digitalchef der BILD, Timo Lokoschat. Der ehemalige Muslim und LGB-Aktivist Ali Utlu: „Entweder schreiben für die Süddeutsche mittlerweile die Taliban oder ein woker Volltrottel.“ Und Stephan Schorn von der saarländischen FDP kommt zu dem Schluss: „Wer sich bereits von Eis essenden Frauen so sehr sexuell erregen lässt, dass es sich lohnt, einen Artikel darüber zu schreiben, hat oder ist ein Problem.“ Auch der syrischstämmige Autor und Influencer Manaf Hassan zeigte sich über den Beitrag empört.
Einer der schlimmsten Texte, die ich in letzter gelesen habe. Und so einen Mist muss ich in Deutschland lesen.
— Manaf Hassan (@manaf12hassan) July 15, 2023
Aber er ist so vielsagend, dass ich darüber unbedingt schreiben muss.
1. Ich finde es gut & schlecht, dass Mohamad & Ibrahim uns erklären, was sie davon halten, wenn… pic.twitter.com/diwT1ESEbR
Auch aus feministischen Kreisen regt sich Kritik. „Wenn Männer völlig normale Alltagshandlungen sexualisieren, dann sollten sie den Blick senken und das Haus nicht mehr verlassen“, schreibt die Userin Victoria Feuerstein. Und die jesidischstämmige Autorin Ninve Ermagan von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Der Text erinnert mich daran, wie die Menschen im Irak ausgerastet sind, weil ich als Frau eine Banane gegessen habe. Auch wenn diese konservativen Kulturkreise es nach außen nicht zugeben wollen: Für sie dreht sich alles nur um Sex."
Wenn Männer völlig normale Alltagshandlungen (Eis essen ffs) sexualisieren,
— Victoria Feuerstein (@V_Feuerstein) July 15, 2023
dann sollten sie den Blick senken, sich ggf. die Augen ausstechen & das Haus nicht mehr verlassen.https://t.co/LjY4hja8pj
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