Professorin Susanne Schröter über antisemitische Angriffe: „Jüdische Studenten sind hier nicht mehr sicher“
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Ein jüdischer Student wird erst einer pro-palästinensischen Kundgebung vor der Freien Universität Berlin verwiesen, weil er Jude ist und wenige Wochen darauf in Berlin-Mitte von einem arabischstämmigen Kommilitonen krankenhausreif geschlagen. Er erleidet Brüche im Gesicht und wird im Krankenhaus sogar noch beklaut.
An der Humboldt Universität Berlin wird eine Veranstaltung mit einer israelischen Richterin gestürmt, gestört und letztlich gesprengt.
Am vergangenen Wochenende marschieren pro-palästinensische Aktivisten in die Hannah Arendt-Lesung der kubanischen Künstlerin Tania Bruguera und schafften es mit Rufen wie „Genozid ist kristallklar“ oder „Israel ist ein Terror-Staat“, den Veranstalter zum Abbrechen des Events zu zwingen. Die Aktivisten beleidigten die Künstlerin und spuckten dem Direktor des Museums, Sam Bardaouil, wohl ins Gesicht.
Was bisher gegen solche Angriffe getan wurde? So gut wie gar nichts. Die Polizei ermittelt gegen die 20 Störer. Der gewalttätige Student, der seinen jüdischen Kommilitonen zusammenschlug, ist weiterhin an der Freien Universität immatrikuliert.
„Das ist total peinlich für die Universitäten und unser Land“, sagt die Islamwissenschaftlerin und Professorin der Frankfurter Universität, Susanne Schröter im Nachrichten-Talk „Stimmt!“. „Jüdische Studenten sind an deutschen Universitäten nicht mehr sicher“, weiß sie aus erster Hand. „Sie werden bedroht, sie werden beleidigt, trauen sich nicht mehr an die Uni“ und studierten von zu Hause aus. „Das geht nicht!“

Susanne Schröter bei „Stimmt!“
Erinnerungen an die Judenverfolgung während der NS-Zeit werden wach
„Ich bin der Meinung, die Universitätshaltung ist angehalten, alles dafür zu tun, und das ist kein Hexenwerk, dass jüdische Studenten sicher sind, dass jüdische Dozenten und Gäste sicher sind“, so Schröter im NIUS-Talk. „Wenn wir es ernst meinen mit „Nie wieder“, dann muss da was passierten“. Bei diesen Angriffen auf jüdisches Leben würden dunkle Erinnerungen geweckt.
Während der Nazi-Zeit waren „die Universitäten die ersten Orte, wo Antisemitismus praktiziert wurde“. Es sei gefährlich, die Aktivisten Veranstaltungen sprengen zu lassen, denn aus ihren Hassbotschaften erfolgten tatsächlich Taten, so Schröter. Das habe der Fall des jüdischen Studenten gezeigt.

Mai 1933: Nationalsozialistische Studenten verbrennen auf dem Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, Bücher zahlreicher „undeutscher“ Autoren
„Israel gilt als Bollwerk des Imperialismus“
Die Idee, dass „Israel das Bollwerk des westlichen Imperialismus“ ist und die Handlungen der Aktivisten legitimieren soll, gehe zurück auf die Postkoloniale Theorie, erklärt die Professorin. „Da geht man davon aus, dass die Welt zweigeteilt ist: in Opfer und Täter. Täter ist immer der Westen, immer weiß und die Opfer sind der Rest der Welt“. Israel gelte als weißer Kolonialstaat, der Minderheiten unterdrücke. „Das ist natürlich faktenfrei. Keine Gesellschaft ist heterogener als die israelische“, so Schröter.
Es sei Zeit, jetzt zu handeln, denn von Universitäten würde diese Ideologie weiter hinaus in die Welt getragen. „Man kann man nicht einfach nur Sonntagsreden halten, das ist unerträglich“.
Die ganze Folge „Stimmt!“ gibt es hier:
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