Schicksals-Fahrt zur Titanic: Warum uns das Unglück der U-Boot-Milliardäre so nahe geht
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Es gibt Geschichten, die haben kein Happy End. Das weiß jeder, der sich mit der Titanic beschäftigt hat. Man kann Bücher lesen, Dokumentationen oder den legendären Hollywood-Film in Endlosschleife schauen: Am Ende sinkt das Schiff, das unsinkbar war. Tausende Menschen sterben einen eiskalten Countdown-Tod. Vom Moment der Kollision mit dem Eisberg hat ihr Leben ein Ablaufdatum.
Jetzt ist es wieder geschehen. Der Mythos Titanic ist um ein Kapitel reicher. Ein U-Boot mit 5 Menschen ist auf dem Weg zum Wrack vom Radar verschwunden. Einfach weg. Der Sauerstoff in dem U-Boot reicht für 96 Stunden. Wann läuft die Uhr ab? Wir wissen es nicht. Gibt es ein Happy End? Wir ahnen die Antwort auf diese Frage. Wir sprechen sie nicht aus, noch nicht.
Warum beschäftigt uns das Schicksal des verschollenen U-Boots so sehr? Die Antwort ist banal: Weil ein Kinofilm vor unserer aller geistigen Augen abläuft. Das größte Abenteuer des Lebens. Die Verzweiflung. Die Dunkelheit. Das Abschließen mit dem eigenen Leben. Drei Milliardäre, einer mit seinem Sohn, die sich alles kaufen konnten. Nur keine Rettung aus diesem Metall-Sarg, den sie alle freiwillig bestiegen haben.

Das berühmteste Wassergrab der Welt
Das jetzt verschollene U-Boot trägt den Namen „Titan“. Wer dieses Gefährt so nennt, ein Touristen-Shuttle zum berühmtesten Wassergrab der Welt, der fordert das Schicksal heraus. Wer abergläubisch ist, hätte niemals einen Fuß in dieses Gefährt gesetzt. Wann haben die Männer an Bord gemerkt, dass etwas nicht stimmt? Am Ende des Hollywood-Films träumt Rose (Kate Winslet) davon, wie sie noch einmal als junge Frau auf der Titanic steht. Ihr Leben zieht an ihr vorbei. Zog das Leben auch an der Besatzung der „Titan“ vorbei? Oder ist es einfach irgendwann vorbei, ganz ohne inneren Film?

Es ist ein Unterschied, ob es im Jahr 1912 heißt: Ein Schiff ist unsinkbar. Und dann sinkt es doch. Oder ob im Jahr 2023 ein U-Boot einfach vom Radar verschwindet. Wir sind in den 111 Jahren dazwischen zum Mond geflogen, erkunden den Mars, wir bauen Hochhäuser, die mehr als doppelt so hoch sind wie die Titanic lang war. Wir haben die Welt im Griff und erobern das All. Das reden wir uns zumindest ein. Aber so ist es nicht. Die Natur ist mächtiger als alles, was der Mensch erschaffen hat.
Vor Gericht und auf hoher See sind wir alle in Gottes Hand. In einem U-Boot auf dem Weg zum Geister-Wrack der Titanic in 3800 Meter Tiefe hat Gott die Hand nicht ausgestreckt, sondern drückt die Faust zu.
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Willi Haentjes
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