Schlechtester Wert seit 70 Jahren: Mehrheit der Deutschen traut sich nicht, die politische Meinung frei zu sagen
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Seit 1953 befragt das Allensbach-Institut die Deutschen, wie frei sie sich fühlen, ihre Meinung zu äußern. Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage sind alarmierend: Noch nie hatte die Bevölkerung so viel Angst, frei zu reden. Nur die Anhänger einer bestimmten Partei sehen das ganz anders ...
Unter der Ampel-Regierung trauen sich immer weniger Menschen, frei zu reden. Das geht aus dem jüngsten „Freiheitsindex“ des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor. Alljährlich fragt Allensbach: „Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?“ Die zwei Antwortmöglichkeiten lauten dementsprechend: „Man kann seine Meinung frei sagen“ oder „Es ist besser, vorsichtig zu sein“.
Der Wind hat sich gedreht
Seit 1953 gaben die Deutschen mehrheitlich an, sich frei äußern zu können. Den Höchstwert erreichte die Umfrage 1971, als 83 Prozent der Bevölkerung erklärten, sich frei in ihrer Meinungsäußerung zu fühlen. Doch der Wind hat sich längst gedreht.
In diesem Jahr geben 44 Prozent an, dass es besser ist, vorsichtig zu sein. Nur noch 40 Prozent meinen, frei reden zu können – der Tiefstwert seit Beginn der Umfrage 1953.

„Seit dem Fall der Mauer, als 1990 noch 78 Prozent der Deutschen diese Frage ausgesprochen zuversichtlich beantworteten, sind die Werte zunächst mit der Regierung Schröder, dann unter Merkel stetig gefallen, um nun zur Halbzeit der Ampel ihren historischen Tiefpunkt zu dokumentieren“, schreiben die Autoren der Studie.
Nur eine Partei glaubt mehrheitlich an die Meinungsfreiheit
Auffällig ist der Unterschied zwischen den Anhängern verschiedener Parteien. Unter den AfD-Anhängern waren im November 2023 62 Prozent der Ansicht, nicht mehr frei reden zu können. Aber auch die Anhänger von FDP (57 Prozent), SPD (46 Prozent), Linkspartei (45 Prozent) und CDU/CSU (43 Prozent) sehen dies mehrheitlich so.
Nur die Wähler der Grünen glauben fest daran, dass in Deutschland uneingeschränkte Meinungsfreiheit herrscht. 75 Prozent von ihnen sagen, man könne frei reden. Sie denken nur zu 19 Prozent, man könne seine politische Meinung nicht frei äußern. Das ist weniger als halb so oft wie die Anhänger aller anderen Parteien.

In Ostdeutschland liegt der Anteil der Menschen, die lieber vorsichtig sind, mit 47 Prozent höher als in den westlichen Bundesländern, wo er bei 44 Prozent liegt. Auch bei den Bildungsschichten weichen die Antworten voneinander ab. Während Befragte mit einfacher und mittlerer Schulbildung mit klaren Mehrheiten sagen, sie hätten den Eindruck, man könne seine politische Meinung nicht frei äußern, sehen dies nur 34 Prozent derer so, die über Abitur oder Studienabschluss verfügen. Grüne und Akademiker haben demnach mehrheitlich das Gefühl, sich frei äußern zu können, alle anderen Bevölkerungsgruppen nicht.
Die Allensbach-Autoren jedenfalls warnen vor den Folgen der „Political Correctness“ und einer „Erosion der subjektiven Meinungsfreiheit“: Es sei offensichtlich, „dass der Tonfall der öffentlichen Diskussion gegenüber früheren Jahrzehnten zumindest auf bestimmten Themenfeldern schärfer, intoleranter geworden ist.“
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