Schwerverbrecher berät Klimakleber, damit sie im Knast überleben: „Bekennt euch nicht queer und hört auf mit dem Gendern“
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Was machen eigentlich die Klimakleber?
Erstaunlich ruhig ist es um die Chaoten der „Letzten Generation“ geworden. In einer Reportage der Tageszeitung taz liest man, womit sich einige verurteilte Aktivisten die Zeit vertreiben: Sie bereiten sich auf ihre Haftstrafen vor.
Dabei hilft den fünf Aktivisten ihr Knast-Coach Mirko Guth. Der soll den Klebern erklären, wie sie den Knastalltag meisten, nicht zur Zielscheibe werden und auch sonst ihren Aufenthalt in einer Justizvollzugsanstalt überstehen.
Wer ist der Trainer?
Der Coach: ein tätowierter, starker Mann. „Mirko Guth trägt kurz geschorene Haare und schwere Silberketten um den Hals. In jedem fünften Satz sagt er F***. Oder Hur***hn. Der 44-Jährige ist in Mannheim aufgewachsen, mit zehn Jahren sei er raus auf die Straße und habe nur noch mit Kriminellen rumgehangen“, schreibt die taz. Er saß angeblich selber lange ein, unter anderem für schwere Körperverletzung. Auch im Knast selbst habe er Gewalt sprechen lassen: Sexualstraftäter bekamen von Guth in Haft einen Besenstiel mit Scheuerpulver eingeführt. „Guth saß ab 2006 über sieben Jahre in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in Haft“, schreibt die taz.

Mirko Guth zu Gast beim SWR
„Bekennt euch nicht queer und hört auf mit dem Gendern“
Guth soll die Aktivisten auf den Knast vorbereiten – für eine bessere Verständigung schrieben ihm ein Wörterbuch: „Aktivistisprech – Deutsch. Darin aufgelistet sind Begriffe wie Bezugsgruppe, Cis-Mann, FLINTA, Gendern, Awareness“, so die taz. Gleich zu Beginn maßregelt der Coach seinen Schüler – nachdem sich einer der Schüler als „politischen Gefangenen“ bezeichnet, interveniert Guth: „Ihr seid da die Opfer! Mit Hochnäsigkeit im Knast seid ihr ganz schnell wieder unten.“ „Ihr seid da drinnen nicht die Klimaaktivisten“, fügt er hinzu.
Guth rät seinen Schülern, sich darauf einzustellen, seine Überzeugungen zurückzuschrauben. „Bekennt euch nicht queer und hört auf mit dem Gendern“, sagt der Coach. Es wäre ratsam, jegliche Angriffsfläche zu minimieren.
Unter den Schülern ist auch der Aktivist Kevin Hecht, dieser saß bereits für seine Straftaten im Rahmen der „Letzten Generation“ ein. Hecht ist „non-binär“ und benutzt keine Pronomen – zu seinem eigenen Schutz habe er das im Gefängnis verheimlicht. Er berichtet von Rechtsextremen im Knast: „Ihr werdet viel mit Nazis konfrontiert sein.“ „Versucht euch davon freizumachen, dass ihr dagegen irgendwas tun könnt. Ihr könnt es nicht“, so Hecht.
Als Hecht einsaß, ging ein Gefangener ihn, wegen seiner vermuteten Homosexualität an. Der Coach meint, die Situation von außen geklärt zu haben: „Er habe telefoniert und das verhindert.“
Vor seiner ersten Haftzeit sprach Hecht via YouTube:
Unter den Aktivisten ist auch Simon Lachner. „Er hat Elektrotechnik studiert, bevor er einer der Sprecher der Letzten Generation wurde. Lachner, 26, hat rotbraune Locken, einen aufgeschlossenen Blick und eine Excel-Tabelle, in der er alle Straßenblockaden mit Datum aufgelistet hat“, so die taz. Gegen ihn laufen mehr als 70 Verfahren, bisher drohen ihm drei Monate Haft.
„Gewaltfrei in unserem Verhalten und in unserer Sprache“
Während die Aktivisten in ihrem Vorgehen gewaltfrei agieren, konfrontiert Guth die Kleber mit der Realität im Knast. „Fragt euch schon vor dem Gefängnis: ‚Kann ich mich verteidigen? Würde ich jemanden aus Selbstschutz schlagen? Was mache ich, wenn ich angegriffen werde?‘ Es komme zwar selten vor, aber wenn ein Insasse in die Zelle komme und deine Schuhe haben wolle, sei es besser, sich zu wehren, als ihm die Schuhe zu geben. ‚Sonst will er morgen deine Hose und schnell hat man nichts mehr‘“, heißt es in der Reportage. Wer nicht zuschlagen kann, soll lernen, sich zu schützen – zum Beispiel, indem man seine Oberarme schützend an die Ohren legt.
Die „Letzte Generation“ steht für totale Gewaltfreiheit. „Wir sind absolut gewaltfrei in unserem Verhalten und in unserer Sprache“, heißt es in den Grundsätzen der Gruppe.

Die Reportage der taz
Die 12 Regeln des Knast-Coaches
Im Laufe des Gesprächs kommt die Gruppe zu zwölf Verhaltensregeln für die Zeit in Haft. Formuliert werden diese im Imperativ und klingen wie direkte Anweisungen von Guth.
- Häng keine Fotos auf. Autos, Häuser, Urlaube, das alles sind Hinweise auf Geld.
- Verrate keine Adressen oder Namen. Wenn jemand fragt, wie deine Mutter heißt, sag Angelika.
- Geh keine Tauschgeschäfte ein. Die Zinsen im Gefängnis steigen schnell. Du musst immer das Doppelte, schnell das Dreifache zurückzahlen.
- Dusch aus Höflichkeit mit Unterhose. Schau den anderen Männern nicht in den Schritt.
- Starre niemanden an. Aber wenn du in die Zelle kommst, schau den anderen Insassen in die Augen. Falls du das nicht schaffst, schau zwischen die Augenbrauen. Geh aufrecht, gib den anderen die Hand.
- Es gibt keine Gefühle. Wenn du weinen musst, dann hinter geschlossener Tür.
- Wenn andere nach Hilfe fragen, hilf nicht. Du könntest in etwas reingezogen werden. Glaub nicht alles, was dir erzählt wird.
- Spiel keinen Fußball, mach keinen Kampfsport, da wollen sich die Leute messen. Volleyball, Joggen, Schach sind unverfänglicher.
- Halte dich fern von Menschen mit folgenden Tattoos: Sterne auf Brust oder Knien bedeuten Mafia, ein Schriftzug auf dem Rücken spricht für ein Gangmitglied. Auch Abstand zu Insassen mit missglückten Tattoos halten. Ein Wolf, der eher wie ein Pferd aussieht – solche Tattoos haben Opfer. An ihnen wird Tätowieren geübt.
- Drogen immer ablehnen.
- „Wenn Freistunde ist, bewegt ihr euren scheiß Arsch!“
- „Kauft euch am Kiosk zwei Dosen Thunfisch. Die steckt ihr in eine Socke und legt sie in euren Schrank – für den Fall.“
„Guth deutet an, wie er die Socke schleudern würde, um damit jemanden zu schlagen. So ein Hieb sei ziemlich schmerzvoll und abschreckend“, heißt es in der Reportage.
Die taz fasst zusammen: „Der Gefängnisalltag ist ein ewiger Spagat: sein Ding machen, aber nicht anecken; Angst haben, aber sie nicht zeigen; den Menschen in die Augen gucken, aber nicht zu lange; Klimaaktivist:in sein, aber bloß kein:e Klimaaktivist:in sein.“
Das Knast-Training wird den Klima-Chaoten gewiss eine große Hilfe sein.
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