Selbstzensur nach Torten-Attacke: Tagesschau-Sprecher will sich nicht mehr zum Islam äußern
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Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber reicht es: Aufgrund mehrerer Anfeindungen und Attacken will sich der 44-Jährige nicht mehr zum Thema Islam äußern.
Nach der jüngsten Torten-Attacke während einer Lesung an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena will sich Constantin Schreiber künftig selbst zensieren: „Ich werde mich zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern“, erklärte der Tagesschau-Sprecher gegenüber der Zeit. „Ich werde keine Bücher dazu schreiben, ich lehne Talkshow-Anfragen ab, ich mache das nicht mehr. Da mögen jetzt manche feiern und vielleicht die Schampusflaschen aufmachen. Ob das ein Gewinn ist für die Meinungsfreiheit und für den Journalismus, ist eine andere Frage“, gab der Autor des Buch „Die Kandidatin“ zu bedenken.
Für sein 2021 erschienenes Buch, in dem die Muslimin Sabah Hussein beste Chancen hat, Bundeskanzlerin zu werden, wurde der 44-Jährige aus islamistischen und linken Kreisen immer wieder scharf attackiert. Zum Tortenwurf vor zwei Wochen an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena bekannte sich die „Undogmatisch Radikale Linke“. Diese veröffentlichte ein Video des Angriffs unter dem Motto: „Keine Bühne für Rassismus – Eine Torte für Constantin Schreiber“.

Der Moment des Torten-Angriffs in Jena
Entschluss zum Rückzug stand schon vorher fest
Der Tagesschau-Frontmann bemängelte vor allem die mangelnde Rückendeckung vonseiten der Universität. Niemand von der Hochschule habe sich für ihn eingesetzt, genauso wenig wie der moderierende Journalistenkollege. Schreiber hatte das Gefühl, die Leute hätten Angst, jemanden „auszugrenzen“. Der Angreifer und die Gruppe der Angreifer wurden damals vom Publikum ausgebuht.
Schreiber, der jahrelang in arabischen Ländern gelebt hat, widersprach im Interview mit der Zeit vehement den Vorwürfen, er bediene islamfeindliche Klischees: „Man findet bei mir nichts Islamkritisches, Islamfeindliches, Muslimfeindliches. Das ist ein Raunen.“ Sein Entschluss zum Rückzug stehe jedoch schon länger fest: „Die Torte ist jetzt etwas, was alle gesehen haben. Aber der Zeitpunkt, als ich entschieden habe, ich mache nichts mehr zum Thema Islam, liegt schon länger zurück.“ Er wolle diese Negativität in seinem Leben nicht.
Zuvor hätten ihn vor allem zwei Situationen stark belastet: Zum einen sei dies eine Taxifahrt gewesen. Der Taxifahrer habe „die ganze Zeit kein Wort mit mir“ gesprochen. „Ich habe gedacht, gut, vielleicht ist der müde. Ich bezahle, mache die Tür auf, da dreht er sich um und sagt: ‚Jetzt weiß ich, wo du wohnst!‘ Das war und das ist mir unheimlich.“ Einen zweiten Vorfall habe es während eines Seminars an einer Akademie zum Thema Islam gegeben. Beim dritten Termin des Seminars habe es Indizien gegeben, „dass diese Veranstaltung gesprengt werden sollte“. Schreiber fasste die Konsequenz: „Das mache ich nicht mehr.“
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