Sexkaufverbot: Prostituierte wehren sich gegen nordisches Modell
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- CSU-Politikerin Dorothee Bär spricht sich für ein Sexkaufverbot aus.
- Prostituierte kritisiert: Das wird an der Situation nichts ändern, sondern die Arbeit erschweren.
- Frauenrechtlerinnen befürworten das „Nordische Modell“.
Schweden und Norwegen praktizieren es bereits, Irland und Frankreich testen es und Teile der deutschen Politik wollen es auch: das Sexkaufverbot. Unionsfraktionsvize Dorothee Bär sprach sich jüngst dafür aus, den Kauf von Sex zu verbieten, um betroffene Frauen besser zu schützen. Nach ihrer Schätzung gäbe es bundesweit rund 250.000 Prostituierte.
Die meisten kämen aus dem Ausland, nur ein Bruchteil sei behördlich angemeldet. „Deutschland hat sich zum Bordell Europas entwickelt“, sagte Bär Mitte September.

Eine Prostituierte wartet am Rande der Straße auf Kundschaft. Seit 2002 wird Prostitution als normales Gewerbe gesetzlich anerkannt.
Was sagen Betroffene selbst dazu?
„Von einem Sexkaufverbot war schon vor 20 Jahren die Rede“, sagt Johanna Weber. Sie arbeitet seit 30 Jahren als Prostituierte, und zwar gern, wie sie erzählt. „Ich mag die Kunden gerne. Das heißt nicht, dass ich immer geil bin. Für 15 Euro die Stunde arbeiten ist etwas anderes, als für 200 Euro. Das ist eine super Sache“, sagt sie.
Johanna Weber ist selbst in Studios und Bordellen aktiv. Sie betont: „Alles, was die Sexarbeit erleichtert, würde durch das Sexkaufverbot verboten werden. Also alle sicheren Arbeitsplätze wie Bordelle und Terminwohnungen.“
Nordisches Modell
In Deutschland ist Prostitution erlaubt, wenn sie freiwillig und von Erwachsenen ausgeübt wird. Seit 2002 wird Prostitution als normales Gewerbe angesehen. Beschlossen wurde das Prostitutionsgesetz damals von der rot-grünen Regierung.
CSU-Präsidentin Bär möchte nun gegen dieses Gesetz vorgehen. Sie präferiert das nordische Modell, wie es in Schweden praktiziert wird. Dort werden die Käufer von Sexdiensten bestraft, nicht die Prostituierten.
Auch das Europäische Parlament hat sich für ein Sexkaufverbot nach dem sogenannten nordischen Modell ausgesprochen.

Dorothee Bär (CSU) spricht sich klar für ein Sexkaufverbot aus. Sie bevorzugt das nordische Modell.
Das nordische Modell sieht ein Sexkaufverbot vor. Damit bekämpft es nicht das Angebot selbst, sondern bestraft die Nachfrage nach Dienstleistungen von Prostituierten.
2017 trat das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft, das Menschen im Prostitutionsgewerbe vor Ausbeutung und Zwang schützen soll. Seitdem müssen Prostituierte ihre Tätigkeit anmelden. Der Vorschlag von Dorothee Bär sieht eine gezieltere Ansprache durch Ausstiegsprogramme vor.
Alternativen reichen nicht
Prostituierte selbst bezweifeln jedoch die Wirksamkeit. „Mit Alternativen zu kommen, das reicht nicht“, sagt Johanna Weber. Die Ausstiegspojekte würden den Staat Millionen Euro kosten, argumentiert sie. Ihrer Meinung nach würde das wenig bewirken, da nur wenige Frauen tatsächlich aufhören würden. Weber: „Ich hätte gerne vergleichbare Jobangebote, bei denen ich 4000 Euro netto im Monat verdiene.“

Ein Bordell in Berlin. Im nordischen Modell sind Bordelle verboten.
„Es geht viel um viel Macht“
Laut einer im Juni vorgestellten Studie ist die Stellung der Bordellbetreiber, der Sexindustrie und der Freier in den letzten Jahren zunehmend gestärkt worden. Auch die Autoren dieser Studie sprechen sich für das „Nordische Modell“ aus. Frauenrechtlerinnen fordern seit Jahren ein Sexkaufverbot in Deutschland. Simone Kleinert ist eine von Ihnen. Sie sieht in der Prostitution eine Form der Vergewaltigung. „Es geht viel um Macht. Das ist das Wesen der Prostitution. Die Frau verzichtet auf ihr individuelles sexuelles Selbstbestimmungsrecht“, sagt Kleinert. Neben den 200.000 gemeldeten Prostituierten in Deutschland, würden viele illegal unter miserabelen Bedingungen praktizieren, betont sie.
„Es ist schwer auszusteigen. Die Frauen haben wenig Vertrauen und Selbstwert“, sagt sie. Neben einem Sexkaufverbot plädiert sie für mehr Aufklärung in der Gesellschaft. Sie kritisiert: „Kinder werden nicht vor Prostitution gewarnt.“
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