So viele leere Büros wie noch nie – aber umgebaut werden sie nur für Migranten
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Seit Jahren wächst die Wohnungsnot in Deutschland. Rund 800.000 Wohnungen fehlen inzwischen, stellt der Deutsche Mieterbund fest. Bei Büroimmobilien dagegen ist der Leerstand seit Ausbruch der Coronapandemie massiv gewachsen und hat sich durch die Stagnation der Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren noch verstärkt. Allerdings sei eine Umwidmung von Büro- zu Wohnräumen eine Herausforderung, sagen Experten.
Neue Bäder, neue Treppenhäuser
Die Zahl der Bauvorschriften in Deutschland ist in den vergangenen Jahren auf rund 20.000 gestiegen – darunter sind 4000 DIN-Normen. „Diese sind neben gestiegenen Zinsen sowie Bau- und Materialkosten verantwortlich, dass das Bauen vergleichsweise teuer geworden ist“, sagt Alexander Fieback von Bulwiengesa. Denn auch wenn bei Büroimmobilien die Hauptkonstruktion des Gebäudes erhalten bleibt, müssen die Baubehörden eine neue Genehmigung erteilen. Außerdem seien die technischen Anforderungen hoch: Aufwendige Nachrüstungen der Sanitärinstallation und Balkone, die an Bürogebäuden nicht vorhanden sind. Dazu sind die Anforderungen an Brand- und Schallschutz in Wohngebäuden anders als in Bürohäusern. Manchmal müssen auch neue Treppenhäuser eingezogen werden, was einen Eingriff in die Statik des Hauses bedeutet. Einen Komplettumbau erfordert der vielerorts repräsentative Eingangsbereich. Eine hohe und lichtdurchflutete Lobby mit viel Marmor und Kunst lässt sich nur mit großem baulichem Aufwand in Erdgeschosswohnungen samt kleinen Gärten verwandeln.

Um das Wohnungsproblem in Angriff zu nehmen, werden leerstehende Bürogebäude selten benutzt.
Bürogebäude auf zehn Jahre gemietet
All diese Schwierigkeiten – und das geltende Baurecht – hindern viele Städte und Kommunen in Deutschland nicht daran, Bürogebäude zu Wohnunterkünften für Migranten umzubauen. Der Berliner Senat beispielsweise plant Großunterkünfte, in denen Asylbewerber dauerhaft leben sollen. In der Soorstraße 82 im bürgerlichen Bezirk Westend wird ein Bürogebäude umgebaut – Nutzfläche 27.000 Quadratmeter. Der Eigentümer bot die Büros für 25,80 Euro pro Quadratmeter an, das Landesamt für Flüchtlinge zahlt nach Angaben der Berliner Morgenpost 40 Euro pro Quadratmeter.
Kosten für drei Asylbewerberheime in Berlin:
- 165 Millionen Euro in Kreuzberg (1.500 Personen, Mietdauer 10 Jahre);
- 143 Millionen Euro in Lichtenberg (1.200 Personen, Mietdauer 10 Jahre);
- 118 Millionen Euro in Westend (950 Personen, Mietdauer 10 Jahre).
Bei diesen Zahlen kann einem schwindelig werden. Vor allem denen, die verzweifelt eine bezahlbare Wohnung suchen – und seit Jahren keine finden.
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