Sprach-Jury um Ruprecht Polenz entscheidet: „Remigration“ ist Unwort des Jahres 2023
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Seit der Correctiv-Geschichte über ein privates Treffen in Potsdam ist das Wort „Remigration“ in aller Munde: Nun erklärt eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) den Begriff zum Unwort des Jahres 2023. Gastjuror in diesem Jahr ist niemand Geringeres als der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz.
Der 77-Jährige kommentierte die Auswahl wie folgt: „Der harmlos daherkommende Begriff Remigration wird von den völkischen Nationalisten der AfD und der Identitären Bewegung benutzt, um ihre wahren Absichten zu verschleiern: die Deportation aller Menschen mit vermeintlich falscher Hautfarbe oder Herkunft, selbst dann, wenn sie deutsche Staatsbürger sind. Nach der Wahl zum ‚Unwort des Jahres‘ sollte diese Täuschung mit Remigration nicht mehr so leicht gelingen.“
Was nicht passt, wird passend gemacht?
Die Sprach-Jury kritisiert die Verwendung des Wortes, weil es 2023 als „rechter Kampfbegriff, beschönigende Tarnvokabel und ein die tatsächlichen Absichten verschleiernder Ausdruck gebraucht wurde“. Auf den Plätzen 2 und 3 landeten die Begriffe „Sozialklimbim“ und „Heizungs-Stasi“.
In den vergangenen Jahren wählte die Jury ausschließlich Begriffe, die im linken Spektrum für Unmut sorgen: Klimaterroristen (2022), Pushback (2021), Corona-Diktatur und Rückführungspatenschaften (2020), Klimahysterie (2019), Anti-Abschiebe-Industrie (2018), alternative Fakten (2017), Volksverräter (2016) und Gutmensch (2015).

Constanze Spieß, Sprachwissenschaftlerin an der Philipps-Universität Marburg und Jury-Sprecherin, präsentiert den Begriff „Remigration“ auf einem Tablet.
Fünf feste Jury-Mitglieder wählen mit einem Gastjuror den Begriff aus
Für das Unwort des Jahres können Bürger ihre Favoriten einsenden. Die Entscheidung obliegt am Ende jedoch der Sprach-Jury. Für das Jahr 2023 erhielt die Jury insgesamt 2301 Einsendungen.
Unter den häufigsten Einsendungen (mehr als 10), „die aber nicht zwingend den Kriterien der Jury entsprechen“, wie es in der Pressemitteilung heißt, waren: Doppelwumms (12), Gamechanger (11), Klimakleber (20), Kriegstüchtigkeit (71), kulturelle Aneignung (12), Nachhaltigkeit (10), Remigration (27), Sondervermögen (62), Stolzmonat (982), Technologieoffenheit (78).
Die aktuell fünf festen Mitglieder der Jury sind seit 2021 Constanze Spieß (Sprecherin und Germanistin mit dem Schwerpunkt Genderlinguistik, Universität Marburg), Kristin Kuck, Martin Reisigl, David Römer (alle Sprachwissenschaftler) und die ehemalige Ressortleiterin Politik der Frankfurter Rundschau, Alexandra-Katharina Kütemeyer (Journalistin). Dazu gesellt sich Jahr für Jahr ein Gastjuror. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wird unter anderem gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne).
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