Studie: Jugendliche unterschätzen ihr Gewicht und halten sich für dünner, als sie sind
- Eine internationale Studie stellt fest, dass viele Jugendliche ihr eigenes Gewicht unterschätzen.
- Vor allem Mädchen halten sich für dünner als sie tatsächlich sind.
- Forscher geben als Begründung ein verändertes Schönheitsideal an.
Rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist übergewichtig bis adipös. In Ländern wie den USA sind die Zahlen noch extremer. Eine internationale Studie zeigt jedoch, dass immer mehr junge Erwachsene ihr Gewicht geringer einschätzen, als es tatsächlich ist. Mediziner zeigen sich besorgt über diese Entwicklung.
Für die in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO durchgeführte Studie wurden insgesamt 745.000 Jugendliche aus 41 Ländern in Europa, Kanada und den USA befragt. Gefragt wurde nach Größe und Körpergewicht und ob die Jugendlichen sich selbst als zu dick, zu dünn oder genau richtig einstufen würden.
Die meisten der Befragten schätzten ihr Gewicht richtig ein. Darüber hinaus ist die Zahl derer, die sich als zu dick einschätzen, im Vergleich zu vorherigen Befragungen gesunken. Auch lässt sich bezüglich. der Körperwahrnehmung ein Unterschied zwischen den untersuchten Ländern feststellen, der jedoch nicht unmittelbar mit dem jeweiligen Anteil übergewichtiger oder adipöser Menschen in der Bevölkerung zusammenhängt.
Dennoch sind die Zahlen überraschend. Demnach hat sich vor allem das Selbstbild von jungen Frauen verändert.
Sie schätzen ihr Gewicht nicht nur häufiger als junge Männer als zu gering ein, sondern im Vergleich zu den letzten Jahren auch öfter richtig ein. Bei den jungen Männern sank indes die Zahl derer, die ihr Gewicht richtig einschätzen.
Problematisch sei die wachsende Anzahl derer, die ihr Übergewicht unterschätzen, deshalb, weil das eigene Körperbild die Lebensgewohnheiten stark beeinflusst. Wer sich schlanker wahrnimmt, als er tatsächlich ist, könne demnach weniger Ansporn haben, etwas gegen seine überschüssigen Pfunde in Form von Sport und gesunder Ernährung zu tun.
„Es ist besorgniserregend, dass wir einen Trend beobachten, bei dem weniger Jugendliche sich selbst als übergewichtig einschätzen“ schätzt die Hauptautorin Anouk Geraets vom Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Luxemburg die Lage ein. „Dadurch könnten die laufenden Bemühungen zur Bekämpfung der zunehmenden Fettleibigkeit in dieser Altersgruppe untergraben werden.“
Ist die viel beschworene „Body Positivity“ plötzlich etwas Schlechtes?
Bewegungen wie die „Body-Positivity-Bewegung“ kämpfen seit Jahren gegen gängige Schönheitsideale an. „Curvy-Models“ sind gefragter denn je und fester Bestandteil zahlreicher Werbekampagnen renommierter Marken wie Adidas, Dove oder Calvin Klein. Kritiker bemängeln jedoch, dass durch die Glorifizierung von Übergewicht und Adipositas lediglich neue ungesunde Schönheitsideale geschaffen werden würden.

„Curvy-Models“ sind gefragter denn je und fester Bestandteil zahlreicher Werbekampagnen renommierter Marken (Symbolbild)
Auch die Forscher der Studie verweisen als mögliche Antwort auf die veränderte Wahrnehmung vieler Jugendliche auf ein anderes Schönheitsideal, drücken sich jedoch etwas diplomatischer aus. So könne die Tatsache, dass sich vor allem weniger Mädchen als zu dick wahrnehmen, auch damit zusammenhängen, dass ein athletischer und starker Körper inzwischen zu einem Schönheitsideal für Frauen geworden ist.
Was Athletik mit Übergewicht zu tun haben soll, ließen die Forscher allerdings offen.
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