Studie zeigt: Menschen sprechen jedes Jahr hunderte Wörter weniger
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Wir verstummen und merken es nicht einmal. Seit 2005 sprechen Menschen im Durchschnitt rund 28 Prozent weniger Wörter pro Tag, ein deutlich messbarer Rückgang. Das zeigt eine Studie der Psychologen Valeria Pfeifer und Matthias Mehl. Grundlage sind 22 Einzelstudien mit knapp 2.200 Teilnehmern aus verschiedenen Ländern. Als Grund sehen sie vor allem die zunehmende Verlagerung hin zu digitaler und schriftlicher Kommunikation.
Die Welt war noch nie so laut. Und dennoch ... Während soziale Netzwerke rund um die Uhr rauschen, Meinungen in Dauerschleife gepostet werden und jeder jederzeit senden kann, passiert im direkten Miteinander das Gegenteil: Wir reden weniger. Deutlich weniger.
Eine neue Auswertung, veröffentlicht im Fachjournal Perspectives on Psychological Science, kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Seit Jahren schrumpft unser gesprochenes Wort. Konkret verlieren Menschen im Schnitt 338 gesprochene Wörter – pro Tag, pro Jahr. Hochgerechnet entspricht das rund 12.000 Wörtern jährlich – etwa der Länge eines Romans. Oder anders gesagt: Wir verstummen langsam. Und zwar messbar.
338 Wörter weniger pro Tag, jedes Jahr
Die Daten basieren auf 22 Einzelstudien mit insgesamt 2.197 Teilnehmern aus den USA, Mexiko, Australien und Europa. Dabei wurden reale Alltagsgespräche über längere Zeiträume hinweg aufgezeichnet. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwischen 2005 und 2019 ist das individuelle Redevolumen um rund 28 Prozent gesunken.
Besonders auffällig: Junge Menschen unter 25 sprechen noch einmal deutlich weniger als ältere Generationen. Bei ihnen beträgt der jährliche Rückgang sogar 451 Wörter pro Tag. Zum Vergleich: Bei über 25-Jährigen sind es „nur“ 314 Wörter.

Unter 25-Jährige sprechen am wenigsten – dafür umso mehr über Chats und Social Media.
Die Erklärung liegt nahe und ist zugleich beunruhigend
Parallel zum Rückgang gesprochener Sprache explodiert die schriftliche Kommunikation: WhatsApp, Instagram, E-Mails, Kommentare, Posts. Kommunikation findet statt, aber anders. Sie ist indirekter, gezielter und vor allem fragmentierter.
Das gesprochene Wort, einst Grundlage menschlicher Nähe, wird zunehmend ersetzt durch Textbausteine, Emojis und schnelle Reaktionen. Ein Anruf? Für viele inzwischen fast schon ein Übergriff. Das Smartphone hat nicht nur verändert, wie wir kommunizieren, sondern auch, ob wir es noch direkt tun.
Die Konsequenz ist klar: Weniger gesprochene Worte bedeuten weniger zwischenmenschliche Verbindung. Denn Sprechen ist mehr als nur ein Informationsaustausch. Tonfall, Pausen, Blickkontakt – all das lässt sich nicht in Nachrichten übersetzen. Wenn Gespräche verschwinden, verschwinden auch die Zwischentöne.
Vielleicht erklärt das mehr, als uns lieb ist: die wachsende Einsamkeit, die zunehmende Polarisierung, das Gefühl, aneinander vorbeizureden, obwohl alle ständig kommunizieren.
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